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Diabetes – Was ist das eigentlich?

PlayCharles Best und Frederick Banting mit einem Hund auf einem Foto.
Diabetes – Was ist das eigentlich? | Video verfügbar bis 24.07.2022 | Bild: BR

Diabetes ist bereits seit der Antike bekannt. Damals führte die Erkrankung zu einem frühen, langsamen und qualvollen Tod. Erst im Jahre 1683, als der Schweizer Anatom, Johann Konrad Brunner, Hunden die Bauchspeicheldrüse entfernt und diese daraufhin starken Durst und Harndrang zeigen, wird die Bauchspeicheldrüse als Ursache der Stoffwechselstörung identifiziert.

Im 19. Jahrhundert gibt es dann erste Behandlungsversuche mit Extrakten aus den gemahlenen Bauchspeicheldrüsen von Kälbern und Hausschweinen, aber auch mit speziellen Diäten. Sie führen aber noch zu keinem Erfolg. Das ändert sich erst 1921, als es den kanadischen Forschern Frederick Banting und Charles Best gelingt, aus einem gereinigten Bauchspeicheldrüsenextrakt das Hormon Insulin zu gewinnen. Damit können sie erstmals einem jungen Diabetiker das Leben retten. Ein Meilenstein in der Medizingeschichte, für den Banting zusammen mit dem Physiologen John Macleod 1923 den Nobelpreis erhielt.

Insulin wird fortan Millionen von Diabetikern das Leben retten. Noch bis in die 1980er-Jahre hinein wird es aus den Bauchspeicheldrüsen toter Rinder und Schweine gewonnen. Heute wird es synthetisch aus gentechnisch veränderten Bakterien und Hefezellen hergestellt.

Warum sind Diabetiker auf Insulin angewiesen?

Charles Best und Frederick Banting mit einem Hund auf einem Foto.
Charles Best und Frederick Banting gelang es erstmals Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden zu isolieren. | Bild: BR

Bei einem gesunden Stoffwechsel werden die von der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate von der Leber und dem Magen in Glukose, also in Zucker umgewandelt. Damit die Muskeln und Fettzellen die Glukose aufnehmen können, braucht der Körper eine Art Türöffner und das ist das Hormon "Insulin". Es wird in den sogenannten Inselzellen der Bauchspeicheldrüse gebildet.

Beim sogenannten Typ 1 Diabetes zerstört das körpereigene Immunsystem die Inselzellen, sodass die Bauchspeicheldrüse kaum noch Insulin produzieren kann – mit schwerwiegenden Folgen. Denn ohne Insulin kommt es zu einem Glukosestau in den Blutbahnen, der Blutzuckerspiegel steigt an. Gleichzeitig werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt. Eine Entwicklung, die lebensgefährlich werden kann. Deshalb müssen sich Menschen mit Diabetes Typ 1 ihr Leben lang Insulin künstlich zuführen, in dem sie es sich spritzen. Der Typ 1 der Diabetes-Erkrankung tritt oft schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Er betrifft aber nur etwa fünf Prozent aller Diabeteserkrankten.

Diabetes Typ 2 weitaus häufiger als Diabetes Typ 1

Grafik mit einer Bauchspeicheldrüse.
Die Ursache von Diabetes Typ 1. Immunzellen schädigen die Bauchspeicheldrüse. | Bild: BR

Weitaus häufiger, nämlich bei etwa 95 Prozent, tritt der sogenannte Diabetes Typ 2 auf. Die Ursachen des Typ 2 Diabetes sind unterschiedlich. Bei einem Teil der Betroffenen setzt die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin frei, die Muskelzellen und des Fettgewebes reagieren aber kaum mehr darauf. Sie entwickeln eine sogenannte Insulinresistenz. Übergewicht und Bewegungsmangel tragen ebenfalls zur Erkrankung bei. Deshalb nimmt der Typ 2 Diabetes gerade in reichen Ländern so stark zu. Die gute Nachricht: Bei über der Hälfte aller Patienten lässt sich Diabetes Typ 2 mit einer Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung vorbeugen und sogar heilen.

Autorin: Sabine Frühbuss (BR)

Stand: 23.07.2021 11:36 Uhr

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