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Was vom Tage übrig bleibt

Das stille Örtchen – ein echtes Tabuthema

Eigentlich wird in der Öffentlichkeit über alles geredet: über Geld, Liebe und natürlich Sex. Nur ein Thema wird dabei geflissentlich ausgelassen - der eigene Stuhlgang. Das ist ein echtes Tabuthema.

Doch ein Mann will das ändern: Mete Demiriz, Professor für Sanitärtechnik an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Er rückt das stille Örtchen in den Mittelpunkt und führt in seinem Sanitär-Labor verschiedenste Studien zum speziellen Spülverhalten von Kloschüsseln durch.

Das wichtigste Werkzeug des Kloforschers: Spezialwürstchen

Für seine Spül-Tests greift Professor Demiriz auf ganz spezielle Würstchen zurück. Die erinnern im Aussehen an das Original, sind aber aus geruchslosem Silikon. Jeweils 40 Gramm schwer und natürlich DIN genormt. Vier Würstchen, also 160 Gramm, entsprechen dabei einer Defäkation. Bei den Spültests muss diese Ladung in einem Spülgang ausgespült und fünf Meter in einer liegenden Leitung weitertransportiert werden. Nur dann gilt der Test als bestanden.

Pflaumenmus für ein authentisches Rutschverhalten

Manchmal muss der Kloforscher die Silikon-Prüfkörper aber noch speziell behandeln. Nämlich dann, wenn das Rutschverhalten noch authentischer sein soll. Dann hilft nur noch Pflaumenmus. Das ist in seiner Konsistenz und Farbe dem menschlichen Stuhlgang am ähnlichsten.

Die Testtoilette ist mit einer speziellen Klobrille ausgerüstet. Sie sorgt dafür, dass alle Prüfkörper von einer einheitlichen Standardposition und Standardfallhöhe in die Kloschüssel eingebracht werden. Nur so lassen sich später die Ergebnisse auch tatsächlich vergleichen. Alle fünf Sekunden wird dann ein Pflaumenmus-Würstchen in die Kloschüssel geworfen, nach 15 Sekunden kommen 12 Blatt Klopapier hinzu und nach weiteren 15 Sekunden wird die Spülung ausgelöst. Dann ist ein Testdurchgang beendet.

4,5 Liter Wasser sind die Idealspülmenge

Nach zahllosen Testreihen hat der Kloprofessor schließlich ein eindeutiges Ergebnis erzielt: 4,5 Liter sind die ideale Spülmenge für Toiletten in Privathaushalten. Zwei Liter für den eigentlichen Spülvorgang und 2,5 Liter für den Transport im Abwasserrohr. Alles darunter kann zu üblen Verstopfungen führen.

Geheimlabor in der Uni-Mensa

Doch das Laborergebnis allein genügt Mete Demiriz nicht. Er will seine Toiletten und seine Testresultate auch in der Praxis überprüfen. Und deshalb hat er – das ist weltweit einmalig – hinter den Toiletten der Uni-Mensa ein Geheimlabor eingerichtet. Auf der Frauen- und Männertoilette hat der Wissenschaftler zahlreiche Sensoren verbaut. Sie übermitteln exakte Angaben über das Toilettenbenutzungsverhalten der Studentinnen und Studenten. Konkret: Wie lange dauert eine Sitzung, wie viel Klopapier wurde verbraucht und wie oft wurde gespült. Alle Angaben werden natürlich anonym erfasst.

Zentrales Problem der Sanitärforschung: Frauen

Die Ergebnisse der selbstentwickelten Abwasserdemonstrations-Anlage fließen dann in neue Produktionsideen ein. Wie etwa neu designte, komfortablere Kloschüsseln oder speziell geformte Pissoirs.

Dank seiner Studien konnte der Kloforscher auch noch ein weiteres zentrales Problem der Sanitärforschung diagnostizieren. Es sind die Frauen. Aus hygienischen Gründen tendieren diese nämlich zum "Nesterbau" auf öffentlichen Toiletten. Sie decken die Klobrille fein säuberlich mit Papier ab und spülen das Ganze dann in einem Rutsch herunter. Das führt in der Praxis leider immer wieder zu Verstopfungsproblemen.

Frauenurinal ist die Lösung

Doch der umtriebige Sanitär-Professor hat auch für dieses Problem – zumindest was das "kleine Geschäft" angeht - eine Lösung. Gemeinsam mit zwei Studentinnen entwickelte er ein eigenes Frauen-Urinal. Der Clou der Entwicklung: Es funktioniert vollkommen berührungsfrei.

Einen Hersteller für das Frauen-Urinal hat Mete Demiriz bisher noch nicht gefunden. Doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Stand: 10.12.2013 10:49 Uhr

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