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Das Grüne Band

Der Verlauf der ehemaligen Grenze
Der Verlauf der ehemaligen Grenze | Bild: HR

Fast 1.400 Kilometer ist er lang, der sogenannte Todesstreifen. Einst trennte er die beiden deutschen Staaten, heute ist er die größte zusammenhängende Biotopkette Deutschlands. Gut bewacht konnte sich die Natur hier urwüchsig entwickeln. Der Todesstreifen ist heute Lebensraum für zahlreiche geschützte und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten - ein verbindender Streifen Natur, der auch das "Grüne Band" genannt wird.

Ein Kleinod, das in Europa einmalig ist

Biologen untersuchten zwischen Ostsee, Elbe, Harz und Rhön bis in den Oberpfälzer Wald im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz den Bereich zwischen Kolonnenweg und ehemaliger Staatsgrenze, sammeln geografische Daten, erforschen Pflanzen- und Tiergesellschaften. Die Bestandsaufnahme zeigte: Aus dem einstigen Todesstreifen ist ein ganz besonderes Kleinod geworden.

Über 80 verschiedene Lebensraumtypen haben die Wissenschaftler gefunden, darunter auch verbuschtes Brachland. Die tödliche Ruhe der Grenze ließ der Natur genügend Raum. So schlängeln sich urtümliche Bachläufe durch das Grüne Band, an denen sich Landeplätze für Libellen und Rastplätze für Wasservögel finden. Auch der Bisam hat Gelegenheit, ungestört zu seinem Bau abzutauchen. Und an einigen wenigen Stellen sonnt sich sogar der Laubfrosch im Schilf.

Ein Mahnmal der besonderen Art

Viele gefährdete Vogelarten brüten im Grünen Band: neben dem Blaukehlchen auch Braunkehlchen, Raubwürger und Ziegenmelker. Das bunte Mosaik der Biotope, die andernorts selten geworden sind, bietet ihnen die notwendigen Lebensgrundlage.

Das Grüne Band verbindet 150 Naturschutzgebiete entlang der ehemaligen Grenze.
Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen etwa ist eines der letzten Refugien der Arnika. Wie viele andere Wiesenbewohner reagiert die beliebte, schon im Altertum genutzte Heilpflanze empfindlich auf Düngung. Und naturnahe Bergwiesen sind heute in Mitteleuropa eine Rarität.

Buchonia - Buchenland - nannten Mönche einst die Rhön. Hier lebt ein ausgesprochen scheuer Waldbewohner: der Schwarzstorch. Er ist auf unberührte alte Wälder angewiesen, und die sind bei uns selten geworden. Doch in der Kernzone des Biosphärenreservats ist der Wald streng geschützt und eine sichere Heimat für diese, gegen Störungen sehr empfindlichen Vögel.

Den Brocken im Harz umgeben so viele Legenden wie kaum einen anderen Berg. Und 40 Jahren lang war er ein Ort gegenseitiger Lauschangriffe von Ost und West. Nun wachsen hier die Urwälder von morgen. Seit einigen Jahren leben auch Luchse wieder im gemeinsamen Nationalpark von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Wolf, Elch und Wisent sollen eines Tages folgen.

Der einstige Todesstreifen ist zu einem Lebensraum geworden, der als Mahnmal der besonderen Art an die Teilung Deutschlands erinnert und an das Ende des Kalten Krieges.

Autor: Heribert Schöller (HR)

Stand: 05.08.2015 11:12 Uhr

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