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Ostereier: Farben als Krankmacher?

Ein altes Fruchtbarkeitssymbol: Das rote Osterei

Gefärbte Ostereier
Gefärbte Eier gehören für viele zu Ostern | Bild: BR

Eine Tradition lebt fort: Jeder dritte Haushalt in Deutschland färbt an Ostern Eier. Bereits in vorchristlicher Zeit wurden rote Eier als Fruchtbarkeitssymbole verschenkt. Im Mittelalter bezahlten Bauern die Grundherren an Ostern oft in Form von Eiern. Gefärbt wurden sie, um sie von frischen Eiern zu unterscheiden. Was früher mit Wurzeln und Kräutern noch mühsam eingefärbt wurde, geht heute mit Farbtabletten kinderleicht. E104 steht für gelb, E142 für grün und E129 für rot. Hinter den E-Nummern verbergen sich Lebensmittel-Zusatzstoffe, in diesem Fall meist sogenannte Azo-Farben, die auch in manchen Süßigkeiten oder Getränken stecken. Sie stehen allerdings unter dem Verdacht, schädlich für die Gesundheit zu sein. Zu recht?

Natur oder Chemie?

Wer mit natürlichen Farben seine Eier färbt, macht nicht unbedingt alles besser. Pflanzliche Farbstoffe können giftig sein. Manche als Naturfarben gepriesene Hölzer und Wurzeln, sind nicht für den Verzehr zugelassen. Man sollte also auch bei natürlichen Farbstoffen vorsichtig sein. 1887 wurden deshalb die ersten Gesetze für Lebensmittelfarben geschaffen. Anlass war das Auftreten von Vergiftungsfällen durch das Verwenden von Schwermetall-Salzen zum Färben von Lebensmitteln.

E-Nummern besser als ihr Ruf?

Welche Farbstoffe an und in unsere Lebensmittel kommen dürfen, wird besonders scharf geprüft. Die Lebensmittelbehörde der Europäischen Union hat gerade die zulässigen Mengen für "Chinolingelb" (E104), "Gelborange S" (E110) und "Cochenillerot A" (E124) herabgesetzt. Die Grenzwerte für drei weitere Farbstoffe - "Tartrazin" (E102), "Azorubin" (E122), "Allurarot AC" (E129) wurden nicht geändert. Die Neubewertung war nötig, da manche Farbstoffe zuletzt vor 20 Jahren untersucht wurden. Außerdem hatte es um die überprüften Farbstoffe im Zusammenhang mit einer englischen Studie große Aufregung gegeben. Forscher der Universität Southampton glauben, dass diese Farbstoffe Hyperaktivität bei Kindern auslösen. Doch diese Studie wird aus mehreren Gründen kritisiert: Die Forscher untersuchten nur ein Gemisch von Farb- und Konservierungsstoffen, keine einzelnen Substanzen. Außerdem nahmen an der Studie nur etwa 300 Kinder teil, eventuell genau diejenigen, deren Eltern sich ohnehin schon Sorgen um das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom machten.

Trotz der Kritik an der Studie und obwohl Forscher des Bundesinstituts für Risikoforschung in Berlin nach ihren Untersuchungen Entwarnung für die Farbstoffe gaben, hat die EU beschlossen, zum 20. Juli 2010 auf allen Lebensmitteln mit Farbstoffen einen Warnhinweis einzuführen: Kann Konzentrationsschwächen auslösen. Ob dieser Warnhinweis den Verbrauchern wirklich hilft oder sie nur verunsichert, wird sich zeigen.

Der natürliche Farbkasten

Gerade Eierfarben sind wirklich unbedenklich, denn die Mengen, die eventuell ins Ei durchdringen, sind viel zu gering, um sich in irgendeiner Weise auf die Gesundheit auszuwirken.
Und es gibt ja auch noch Großmutters Rezepte: Mit roten Zwiebelschalen lassen sich prima Eier färben. Das riecht zwar ein bisschen, dafür ist die natürliche Färberei entspannend. Substanzen, die die kalkige Eierschale färben sollen, müssen sowohl wasserlöslich sein, als auch an der Kalkschale haften. Der Farbstoff im Spinat, immer wieder als Naturfarbe gepriesen, kann das nicht. Dafür werden die Zwiebelschalen-Eier um so schöner: Sie nehmen eine glänzend rot-braune Färbung an. Dem Osterfest steht nichts mehr im Wege!

Weitere Informationen

E-Nummern

Alle Zusatzstoffe werden entsprechend ihrer Funktion in Lebensmitteln in mehr als 20 Klassen eingeteilt. Europaweit wurden sie einheitlich mit einer E-Nummer versehen. Das "E" stand ursprünglich für Europa. Die Palette reicht dabei vom lebenswichtigen Vitamin C (E 300) bis zum verbotenen Farbstoff E 102. Viele verbinden damit "reine Chemie", die man nicht mit der Nahrung zu sich nehmen möchte. Und tatsächlich verdanken einige Lebensmittel ihr appetitliches Aussehen vor allem Farbstoffen und anderen chemischen Zusätzen. Viele Zusatzstoffe sind aber auch natürliche Bestandteile unserer Nahrung: so wie E410 Johannisbrotkernmehl bezeichnet.

Färben mit natürlichen Mitteln:

  • Rot: Rote-Beete-Saft
  • Braun: Rote Zwiebelschalen, Schwarzer Tee
  • Blau bis Lila: Rotkohlblätter, Heidelbeeren
  • Grün: Petersilie, Johanniskraut, Efeu
  • Gelb: Safran, Kurkuma

Autorin: Nicoletta Renz (BR)

Stand: 21.07.2015 14:04 Uhr

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