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Wann macht Stress krank?

Trickfilmgrafik zeigt, wie Stress auf das Gehirn wirkt.
Äußere Stressreize wirken direkt auf das Gehirn. | Bild: WDR

Die Reaktion unseres Körpers auf Stress ist ein uralter Mechanismus. Er trieb schon vor mehr als einer Million Jahren unsere Urahnen an. Für sie war es die Grundlage, um zu überleben, wenn sie bedroht waren. Beim modernen Menschen sind heute noch die gleichen biochemischen Reaktionen am Werk - und können ihn krank machen.

Stress macht abwehrbereit

Grafik zeigt wie Steinzeitmenschen von einem Mammut bedroht werden.
Stress ist eine natürliche Reaktion auf Bedrohungen. | Bild: WDR

Eigentlich ist Stress eine nützliche Sache, denn es macht den Körper abwehrbereit gegen äußere Bedrohungen. In früheren Zeiten waren das zum Beispiel Angriffe von wilden Tieren oder kriegerischen Artgenossen. Als Antwort auf einen solchen Stressimpuls befiehlt das Emotionszentrum im Gehirn dem Körper: Stresshormone produzieren! Ein ganzer Hormoncocktail wird daraufhin von der Nebennierenrinde ausgeschüttet: unter anderem Adrenalin und Cortisol. Als Folge steigen Blutdruck und Puls. Blut strömt in die Muskulatur von Armen und Beinen. Unnötige Energieverbraucher wie die Verdauung werden heruntergefahren, die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt. All das dient einem Ziel: die Bedrohung zu meistern - entweder durch Flucht oder durch Kampf.

War die Herausforderung bewältigt, dann reagierte der Körper auch schon vor Urzeiten mit Entspannung. Eine wichtige Funktion übernimmt dabei der sogenannte Hippocampus im Gehirn. Zum einen ist er daran beteiligt, den weiteren Ausstoß von Stresshormonen zu zügeln, zum anderen spielt er eine zentrale Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. Als ein Abbauprodukt in der Entspannungsreaktion entsteht körpereigenes Morphium. Der Mensch fühlt sich wohl und das Belohnungszentrum in seinem Gehirn registriert: Alles richtig gemacht!

Dauerstress macht krank

Trickfilmgrafik zeigt, wie ein gestresster Patient vom Arzt untersucht wird.
Zu viele Stresshormone schwächen den Körper. | Bild: WDR

Obwohl sich der moderne Mensch heute in einer ganz anderen Umwelt bewegt als seine Vorfahren, sind bei ihm immer noch die gleichen Stress- und Entspannungsmechanismen am Werk. Stressforscher beobachten mit Sorge, was Zeit- und Leistungsdruck, Angst um den Arbeitsplatz und Reizüberflutung in unserem Körper bewirken. Bei vielen von uns reiht sich Stressreiz an Stressreiz. Mediziner finden deshalb bei vielen Patienten dauerhaft erhöhte Pegel von Stresshormonen. Eine Folge: Nervenzellen bilden sich ausgerechnet im Hippocampus zurück, der bei Gesunden ein wichtiger Teil des Entspannungsmechanismus ist. Mediziner finden immer mehr Indizien dafür, dass die eigentlich nützlichen Stresshormone uns krank machen können. Sie lösen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus oder machen sie schlimmer. Cortisol schwächt das Immunsystem, macht uns anfälliger für Krankheiten wie Depressionen, Diabetes und Magen-Geschwüre. Arthritis, Virusinfektionen und sogar die Entstehung von Krebs können begünstigt werden.

Dem Stress entkommen

Trickfilmgrafik wie ein Mensch joggt.
Sport ist ein Weg, Stress abzubauen. | Bild: WDR

Deshalb raten Stressforscher, den Teufelskreis aus Stressreizen so früh wie möglich zu durchbrechen. Es gibt dabei unterschiedliche Wege zur Entspannung. Eine gleichsam beliebte und wirksame Art Stresshormone abzubauen ist Sport. In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass durch mäßig intensiven Ausdauersport Stresshormone reduziert werden. Damit knüpft der Mensch an sein evolutionäres Erbe an: Flucht als eine Reaktion auf den Stressreiz. Was unsere Vorfahren unbewusst richtig gemacht haben, müssen wir uns heute geradezu verordnen. Denn Stress und Entspannung gehören zusammen!

Autor: Daniel Münter (WDR)

Stand: 16.10.2013 10:10 Uhr