Gespräch mit Charly Hübner

Charly Hübner als Alexander Bukow.
Charly Hübner als Alexander Bukow. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Die Stimmung zwischen Sascha Bukow und Katrin König ist auf dem Tiefpunkt, weil er ihretwegen eine Geldbuße zahlen muss. Fühlt er sich von ihr verraten?

Wenn Bukow, sei es aus Liebe oder Freundschaft, gegen viele Vorschriften verstoßen hat, um Katrin König aus der Patsche zu helfen, und sie das nicht nur nicht annimmt, sondern auch noch gegen Bukow verwendet, ist das schon eine Art Misstrauensbeweis. Bukow reicht es halt jetzt, er ist ein cholerischer Mensch. Das macht ihn ja auch so spannend als Fernsehfigur. Für die Entwicklung zwischen den beiden Ermittlerfiguren finde ich diesen Konflikt sehr schön. Denn wenn man über Jahre immer nur darauf wartet, ob sie sich nun küssen oder nicht, dann wird es doch irgendwann ein bisschen langweilig.

Als es darum geht, ob ein seit dreißig Jahren ungeklärter Mordfall nochmal auf den Tisch kommen soll, reagiert Bukow deutlich zurückhaltender als König. Warum?

Das ist ein alter Fall, der außerhalb von Bukows Zeit in Rostock liegt, und statistisch ist es durchaus so, dass es sehr viele ungeklärte alte Fälle gibt. Insofern finde ich es nicht ungewöhnlich, dass man da erstmal zögert. Hinzukommt, dass Bukow an einem Tag, an dem er eine hohe Geldstrafe aufgebrummt bekommt, zunächst zu gar nichts mehr Lust hat. Er würde auch nie, wie Katrin König, damit angeben, dass seine Aufklärungsquote bei hundert Prozent liegt; das findet er abartig. Allerdings spürt er intuitiv schnell, dass an dieser Sache was dran ist. Und als er die Ausmaße des Themas kapiert, will er es auch rauskriegen. Nur am liebsten ohne Katrin König. Er will sie auf Abstand halten, weil sie ihn gerade extrem negativ reizt.

Bukow befragt Röder zunächst zu seiner Arbeit am Fall Janina Stöcker. Dabei geht er auffällig behutsam vor. Spürt er Röders Unbehagen?

Röder ist ja ein Stoiker, wie es Amtsträger in gewissen Positionen sein müssen, aber Bukow merkt, dass er irgendwie nicht an diese Geschichte ranwill. Dafür hat er einen Riecher. Dieses Befragen ist eigentlich schon der erste Ermittlungsschritt. Für Bukow stellt sich schnell ein Bild von der damaligen Situation her, weil er das ganze Surrounding aus der Wendezeit selbst kennt. Das Bruce-Springsteen-Konzert, das Janina besucht hat, war sehr populär damals. Bukow war zwar nicht selbst dort, weil er kein Rockfan war, aber er hat es sicher, so wie ich damals, aus dem Fernsehen mitbekommen. Was Röder sagt, ist das eine, aber wie er es sagt, ist das andere. Und die Informationen aus diesem Gespräch sind so reichhaltig für Bukow, dass er auch ein Gefühl für die Drucksituation bekommt, in der Röder jetzt steckt.

Welches Verhältnis hat Bukow zu Röder?

Röder ist für ihn ein väterlicher Freund. In unserem ersten Rostocker "Polizeiruf" gab es eine Szene, in der Bukow erzählt, wie er als Teenager mal jemandem eine Knarre an den Kopf gehalten hat und dann einer reinkam und gesagt hat: "Mach das lieber nicht, du versaust dir das Leben." Und dieser Eine war Henning Röder. Ohne Röder wäre Bukow nie Polizist geworden. Er war der Mann, der Bukow auf die richtige Spur gesetzt hat. Das ist die Vorgeschichte, die wir eigentlich immer mal erzählen wollten. Vielleicht tun wir das ja noch mal. Ohne ihn wäre Bukow auch nie nach Rostock gekommen, als er den Dreck am Stecken hatte. Aber Röder hat einfach gesagt: "Ich hab hier eine Stelle frei." Weil er den Jungen kannte. Deswegen ist das so eine Vater-Sohn- Geschichte zwischen den beiden. Aber es gehört sich natürlich für Understatement-Krimis, dass man darüber nicht spricht. (lacht)

Im Zuge der Ermittlungen trifft Bukow seine Jugendliebe Anett wieder. Ist die spontane Nähe zwischen ihnen der Nostalgie geschuldet oder gibt es da eine tiefere Verbindung?

Zunächst mal ist es nichts weiter als Sex mit der Ex. Weil das mit dem spielt, was man sonst von der Figur kennt, fand Eoin Moore es reizvoll zu erzählen, dass die beiden sich einfach noch mal schick finden für einen Abend. Ob mehr daraus entsteht, muss man sehen. Anett ist eine interessante Figur, genau wie Basecap mit seiner Autowerkstatt und seinen sonstigen Geschäften. Das sind interessante Nebenfiguren, auf die man immer mal wieder zurückgreifen kann, weil sie diesen Kosmos von Bukow so gut abbilden.

Das Ergebnis der Ermittlungen ist ein Alptraum. Der Mörder von Janina wird gefunden, darf aber nicht einmal vorgeladen werden. Wie erlebt Bukow diese Situation der Ohnmacht?

Wenn die Schere zwischen Recht und Gerechtigkeit so weit aufgeht wie in diesem Fall, weiß jemand mit einer Intuition wie Bukow, dass so was nicht ungesühnt bleiben kann. Als aufgrund des DNA-Beweises klar ist, dass Wachs der Täter sein muss, fallen Bukow ganz viele Sachen ein, die er machen kann, ohne dass es jemand mitkriegt. Die Ohnmacht steigert eigentlich noch seinen Ehrgeiz. Es reizt ihn sofort, etwas zu finden, womit man den Mörder trotzdem noch kriegt. Und zwar mit legalen Mitteln. Zuerst versucht er es durch das Verhör in dessen Wohnung, aber damit kommt er nicht weit. Als Nächstes würde Bukow jetzt versuchen, den Mann so zu provozieren, dass er eine neue Straftat begeht, für die man ihn einbuchten kann. Einen Diebstahl vielleicht oder eine Brandstiftung. Und wenn Wachs dann seine Haftstrafe verbüßt, würde Bukow hingehen und sagen: "Schönen Gruß von Janina übrigens". Er würde an ihm dranbleiben und die Psychoschraube ansetzen; die beherrscht er ja. Deswegen macht es ihn rasend, dass Frau König diese Geduld nicht hat.

Was stört ihn so an dem Weg, den Katrin König wählt?

Für ihn betritt Katrin König damit eine No-go-Area. Das macht man nicht. Bei einer Figur wie Bukow erscheint das eigentlich unvorstellbar, weil man denkt, der ist doch zu allem bereit, aber das stimmt so nicht. Kleine Gaunereien oder mal eine Hehlerei mit ein paar tausend Euro, das ist für Bukow auch nicht das Schönste auf der Welt, doch das bleibt immer im Bereich von Grau. Aber was sie macht, ist eindeutig Schwarz. Und das ist nicht Bukow. Diese übereilte Aktion setzt in seinen Augen zu viel aufs Spiel. Wenn das irgendwann auffliegen sollte, kommen viel größere Probleme.

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