Interview mit Claudia Eisinger als Lydia John

Lydia (Claudia Eisinger) und ihre Clique konfrontieren Melanie.
Lydia und ihre Clique konfrontieren Melanie. | Bild: WDR/zischlermann / Simone Weigelt

Claudia Eisinger im Gespräch über den Film "Wolfswinkel"

Lydia kehrt nach langer Zeit und nach gescheiterter Karriere als Schauspielerin wieder in ihr Heimatdorf zurück. Was denken Sie, hofft sie dort zu finden?
Sie hofft ein Gefühl von zu Hause, Geborgenheit, Zugehörigkeit und zunächst einfach Rückzug von ihrem gescheiterten beruflichen Leben zu finden. Außerdem gilt sie in ihrem Heimatdorf immer noch als Star und saugt die Bewunderung auf wie Medizin, um sich von ihrem Zusammenbruch zu erholen.

Wie erklären Sie sich, dass sich die eigentlich so smarte Lydia immer weiter radikalisiert?
Lydia braucht Publikum, Bestätigung, Bewunderung. Schnell erkennt sie ihre Chance, sich mit dem Thema Heimat bei den Jugendlichen und auch anderen Dorfbewohnern beliebt zu machen, ihnen das Gefühl zu geben, jemand übernimmt Führung in ihrem Sinne, engagiert sich für sie. In dieser Führungsrolle geht sie absolut auf und versucht um jeden Preis ihre Position zu wahren. Dass die Thematik schnell in eine radikale Richtung entgleitet, war sicher nicht ihre Absicht, aber dennoch nimmt sie es in Kauf.

Wie würden Sie die Freundschaft zwischen Lydia, Melanie und Anja beschreiben?
Die drei verbindet vor allem eine gemeinsame Vergangenheit. Sie kennen sich so gut von früher, dass sie mit großer Zielsicherheit die wunden Punkte der anderen treffen. Besonders Lydias und Anjas Dynamik beruht darauf, sich gegenseitig mit der Nase auf die jeweilige Lebenslüge zu stoßen, weshalb sie sich im Verlauf des Films zu Feindinnen entwickeln.

Wie würden Sie mit Freunden umgehen, die eine – ob politisch oder gesellschaftlich – extremistische Haltung bekommen haben?
Wenn es meine Freunde sind, würde ich ihnen zuhören und versuchen herauszufinden und zu verstehen, was zu ihrer Haltung geführt hat. Jemand der sich radikalisiert, hat aus meiner Sicht immer einen tieferliegenden Beweggrund, der ihn glauben macht, Extremismus sei die einzige Möglichkeit. Erst wenn ich den Beweggrund verstehe, kann ich Alternativen und andere Lösungen aufzeigen.

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