Florian Reiners im Interview

Über die Rolle des Volksmusikstars am Fürstenhof

Florian Reiners spielt Chris Brenner
Florian Reiners spielt den Schlagerstar Chris Brenner. | Bild: ARD / Ann Paur

Lieber Florian Reiners, Du bist den Fernsehzuschauern bestens bekannt. Sie konnten Dich beispielsweise in "Soko" sehen, zuletzt in einer Rolle bei den "Rosenheim Cops". Hattest Du auch schon Erfahrungen bei einer Telenovela gesammelt?

Nein, Telenovela habe ich vorher nicht gemacht. Die Arbeit hat mir aber riesigen Spaß gemacht, denn es ist ein ähnlich intensives Arbeiten wie am Theater. Die kontinuierliche tägliche Arbeit mit Regie, Dramaturgie, den gleichen Kollegen, die tägliche Textarbeit und Szenenproben – die gesamte Produktion läuft wie ein Uhrwerk und stimmt bis zum kleinsten Rädchen.

Daniel und Chris
Chris und Daniel verbindet eine alte Geschichte. | Bild: ARD / Marco Meenen

Wie kamst Du zu der Rolle des nach außen glamourösen, im Inneren aber gebrochenen Chris Brenner?

Über eine Anfrage der Casterin bei meinem Schauspielagenten. Es ist aber schon interessant, dass das wieder eine Figur mit einem Geheimnis ist, die ich da spiele. Ich werde öfters für verschlagene Rollen besetzt. Ich habe beispielsweise mal einen arbeitslosen Dachdecker gespielt, der ein Doppelleben führt und seiner Familie weiterhin vorgaukelt, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Auch bei den "Rosenheim Cops" hatte ich einen nicht ganz greifbaren Charakter gespielt.

Stört Dich das?

Nein, ich finde es spannend, zu sehen, dass man von außen in eine bestimmte Richtung wahrgenommen wird und dass man offenbar für eine bestimmte Sache eine geeignete Projektionsfläche darstellt. Zum Glück weiß man selbst nicht, was es genau ist – sonst könnte das ganz schnell kippen und künstlich werden.

Du spielst jetzt einen Schlagerstar, der nach außen alles tut, um das Bild seiner Fans zu bedienen, sie im Grunde aber verachtet. Er sieht sich gezwungen, eine riesige Lüge zu leben, denn in Wahrheit liebt er Männer. Was hast Du gedacht, als Dir die Rolle angeboten wurde?

Die Rolle des schlagersingenden schwulen Bösewichts – ganz ehrlich, zuerst dachte ich: "Was ist das denn?!“ Gleichzeitig fand ich diese Kombination aus Volksmusik und Homosexualität aber auch mutig, es scheint wohl auch ein Bereich zu sein, in dem sie scheinbar noch ein großes Tabu darstellt. Als ich das Drehbuch dann gelesen habe, habe ich aber gemerkt, dass die Geschichte meiner Figur eine wirklich spannende Entwicklung zeigt – und eben gar nichts mit irgendwelchen Stereotypen gemeinsam hat.

Tina, Chris und Daniel
Tina muss entsetzt mitansehen, wie Chris und Daniel sich küssen. | Bild: ARD / Marco Meenen

Inwiefern?

Chris Brenner ist nicht nur ein "schwuler Mann“, sondern einfach ein Mensch, der sich in seine Liebe verstrickt hat. Er ist nicht etwa einfach ein böser Mensch, sondern sein scheinbar böses Verhalten liegt in seiner Geschichte begründet. Chris ist sehr früh in dieser Volksmusikecke erfolgreich geworden und hat so agiert, wie man es von Volksmusikern erwartet: immer lächelnd, immer total nett, charmant zu den Frauen, etc. Er wird so sehr zur öffentlichen Figur, dass er selber gar nicht weiß, wer er ist. Irgendwann verliebt er sich in einen Mann, und ab da gerät er in existenzielle Not: Seine gesamte Karriere wäre vorüber, wenn das heraus käme – wie es möglicherweise heute noch so ist. Jedenfalls lebt er ab dem Zeitpunkt mit Widersprüchen und jahrelangen Lügen und ist irgendwann völlig verloren. Dieser Zustand wird für ihn immer unerträglicher und er droht daran zu zerbrechen.

War das für Dich als Schauspieler wichtig?

Ja, absolut. Als ich entdeckt hatte, was eigentlich in dieser Rolle drin steckt, war ich richtig begeistert. "Sturm der Liebe“ erzählt mit Chris Brenner eine mutige Geschichte und ich bin gespannt, wie das die Zuschauer annehmen und reagieren.

Daniel und Chris
Chris macht sich Hoffnungen bei Daniel. | Bild: ARD / Marco Meenen

Denkst Du, das Thema Homosexualität ist gewissen Bereichen nach wie vor brisant?

In vielen Bereichen sicher schon. Während des Drehs war ja diese Geschichte mit dem Outing des Fußballers Thomas Hitzlsperger. Im Fußball, aber auch in der Politik und Wirtschaft ist das sicher noch nicht einfach – man muss ja nur mal gucken, wie viele Imagekampagnen von Politikern immer noch mit Frau und Kind laufen. Oder diese Petition von Tausenden von Eltern in Baden-Württemberg, die sich dagegen wehren, dass Homosexualität als eine der Varietäten von menschlicher Liebe in den Schulen besprochen wird. So weit ist das alles bei uns nicht her – unsere Eltern sind ja noch in Zeiten aufgewachsen, wo Homosexualität unter Strafe stand. Das sind, glaube ich, archaische Ängste, die da immer noch existieren. Umso wichtiger ist es natürlich, solche Storys zu spielen und zu zeigen.

War es schwer für Dich, Chris Brenner zu spielen?

Nein, denn ich habe einen liebenden Menschen gespielt, der in eine innere absolute Notlage geraten ist und sich selbst zerstört. Ich wüsste allerdings auch gar nicht, wie man "schwul“ spielt – denn, wenn man über solche Begrifflichkeiten nachdenkt beim Spielen, dann wird es eine Persiflage. Nein, um es mal ganz pathetisch zu sagen: Es ist dieser liebende Mensch, den ich spiele, und aus der Not dieser Liebe habe ich die Rolle entwickelt.

Gab es für Dich besondere Highlights?

Na klar! Der Wahnsinn war schon dieser Volksmusik-Song, den ich singen durfte. Ich habe ja auch schon in Musicals gesungen, aber Volksmusik war definitiv nicht dabei. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich persönlich nicht so ganz in der Volksmusik beheimatet bin – das ist schon was. Da hatten wir auch wirklich richtig viel Spaß am Set mit der Volksmusik!

Chris und Tina
Chris geht mit Tina eine Scheinbeziehung ein. | Bild: ARD / Marco Meenen

War es also lustig beim Dreh?

Ja, wir hatten wirklich viel Spaß. Auch mit meiner Rollenpartnerin Christin Balogh als Tina hat die Chemie einfach gepasst. Das ganze Team war super, da herrscht eine prima Stimmung.

Lieber Florian, vielen Dank für das interessante Interview! Wir hoffen, Dich bald wieder im Fernsehen – oder im Kino, oder im Theater – sehen zu dürfen und freuen uns auf die neuesten Folgen mit Chris Brenner!

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