Mona Seefried im Interview

"Es ist toll, diese Extreme zeigen und spielen zu können."

Doris und Charlotte
Doris (l.) sorgt dafür, dass die ahnungslose Charlotte medikamentenabhängig wird. | Bild: ARD / Ann Paur

Eine Intrige von geradezu unmenschlicher Bösartigkeit entspinnt sich derzeit am Hotel Fürstenhof: Doris van Norden nützt die Borreliose-Erkrankung der ihr verhassten Charlotte Saalfeld – der Ex-Frau ihres Mannes Werner Saalfeld – um sie heimlich in eine Schmerzmittelabhängigkeit zu stürzen. Charlotte erlebt nicht nur die qualvollen körperlichen Extreme zwischen manischen Höhenflügen und kaltem Entzug, sondern verliert auch noch das Vertrauen ihrer Mitmenschen.

Mona Seefried, die übrigens in diesem Jahr ihr 40-jähriges Berufsjubiläum als Bühnen-, Kino- und Fernsehschauspielerin feiert, spielt die bemitleidenswerte Charlotte mit vollem Herzblut. Wir sprachen mit ihr über die Herausforderung, eine Suchtkranke zu spielen.

Doris und die im Koma liegende Charlotte
Doris will Charlotte aus den Weg räumen – und schreckt vor nichts zurück. | Bild: ARD / Ann Paur

DasErste.de: Liebe Mona Seefried, wie ist die derzeitige Situation der Charlotte für Sie als Schauspielerin?

Mona Seefried: Diese momentane Intrige ist für mich sehr reizvoll und spannend. Es ist toll, diese Extreme – von einer überdosierten, manischen bis hin zu einer im Koma liegenden Charlotte – zeigen und spielen zu können. Charlotte war ja manchmal fast ein bisschen langweilig und hat als Rolle nicht so viel Bandbreite – sie ist einfach zu nett und verständnisvoll. Sie ist ja sonst die Mutter Theresa der Serie.

Ihre jetzige Situation ist ja aus schauspielerischer Sicht das ganz große Kino.

Ja. Und deswegen bin ich auch traurig, dass so etwas nicht im Hauptabendprogramm oder auch im Kino läuft – es ist am Nachmittag fast ein bisschen verschossen.

Werner und Charlotte
Werner kümmert sich rührend um Charlotte. | Bild: ARD / Ann Paur

Wie schaffen Sie es, bei diesem Auf und Ab aus unbemerkt herbeigeführten Dosiserhöhungen und Entzügen immer das richtige Maß zu treffen?

Als Laie weiß man einfach nicht genug über die Formen dieser Sucht und ihrer Entzugserscheinungen. Ich wollte da aber ganz genau Bescheid wissen und habe mich für die Rolle mit zwei Ärzten – jeweils Experten auf dem Gebiet von Suchterkrankungen – genauestens abgestimmt. Das Problem Charlottes fing ja schon vorher an: Sie erkrankte an Borreliose; diese Krankheit kann die größten Schmerzen verursachen, die ein Mensch überhaupt ertragen kann. Dagegen hilft nur Morphium, was wiederum eines der härtesten Opiate ist, die es gibt. Es muss genauestens dosiert werden. Charlotte meint nun, sie hielte sich genau an die ärztlichen Vorgaben – doch Doris gibt ihr heimlich zu viel: Charlotte reagiert auf die Überdosis völlig durchgeknallt. Dann erfolgt – wieder von Doris gesteuert – ein kalter Entzug, der im Falle von Morphium jedoch zum totalen Organversagen führen kann. Die Bandbreite von Charlottes Symptomen wie Zittern, Atemnot, Panikattacken, Herzrasen bis hin zum Koma ist also keinesfalls übertrieben. Die Beratung der Ärzte war in diesem Fall einfach notwendig.

Was ist das schlimmste an Charlottes Situation?

Sie müssen sich mal diesen psychologischen Moment vorstellen: Sie leidet unvorstellbar und weiß nicht warum. Und keiner glaubt ihr! Sie ist damit völlig allein. Im Grunde weiß nur ich, wie es ihr geht.

Macht es Ihnen Spaß, diese Extreme zu spielen?

Man muss so eine Rolle darstellen wollen und können. So etwas kann man nicht halb spielen. Natürlich gibt es aufgrund der Sendezeit am Nachmittag schon ein paar Auflagen, dass es nicht zu brutal wird, aber ich würde sagen, ich spiele zu 100 Prozent.

Doris an Charlottes Krankenbett
Als Doris Charlotte im Krankenhaus besucht, kehrt die Erinnerung zurück: Doris wollte sie sterben lassen! | Bild: ARD / Ann Paur

Leiden Sie auch persönlich mit Charlotte?

Natürlich! Das ist die Pflicht eines Schauspielers. Man muss die Rolle so intus haben, dass man sich fragt, was fühlt sie, was denkt sie. Deshalb waren die letzten Wochen auch emotional sehr anstrengend für mich.

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