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Weltspiegel

Indien: Die Wut der jungen Mittelschicht:

Die Studentin Sucheta De ist die Initiatorin der jetzt landesweiten und für Indien beispiellosen Protestwelle. Schon einen Tag nach der brutalen Gruppenvergewaltigung hatte die 29-Jährige die erste Mahnwache in Delhi organisiert. Ihr Zorn richtet sich vor allem gegen Politiker und Gurus, die das entsetzliche Verbrechen verharmlosen und Frauen als Bürger zweiter Klasse betrachten. Gewalt gegen Frauen ist in Indien Alltag und zwar in vielen Ausprägungen. Es fängt damit an, dass weibliche Föten systematisch aussortiert und abgetrieben werden, was zu einem erheblichen Frauenmangel geführt hat: Zwölf Millionen Mädchen wurden in den letzten 20 Jahren nicht geboren, weil ihre Familien lieber einen Jungen wollten. Die Ärztin Mitu Khurana ist die erste Inderin, die ihren eigenen Mann wegen Mordversuch an seinen ungeborenen weiblichen Zwillingen verklagte. Als sie die Abtreibung nach einer erzwungenen Ultraschalluntersuchung verweigerte, drohten die Schwiegereltern, die Töchter nach der Geburt zu ertränken. Ihr Ehemann sperrte sie ein, warf sie zweimal die Treppe hinunter, um eine Fehlgeburt zu provozieren. Eine versuchte Anzeige bei der Polizei scheiterte am Unverständnis der Beamten, die kein Problem erkennen konnten. Sie solle ihrem Mann doch einfach einen Sohn gebären. Schließlich rettete sich Mitu zu ihren Eltern und gebar ihre Töchter. Und nimmt jetzt wie viele Bürger der jungen gebildeten Mittelschicht den Kampf auf gegen die tödlichen und diskriminierenden Traditionen.

Autor: Jürgen Osterhage / ARD New Delhi

Philippinen: Kann Verhütung Sünde sein?: Das Fabella-Hospital in Manila gilt als die Mutter aller Geburtskliniken. Die größte auf den Philippinen, die größte in Südostasien, vielleicht die größte der Welt. Um die 1000 Mütter werden hier ständig stationär betreut. Ein Bett für vier Menschen: zwei Mütter, zwei Babys.

Ärzte und Schwestern kommen kaum hinterher. Mariane bringt hier schnell und problemlos ihr zehntes Kind zur Welt. Sie ist 32 Jahre alt. Verhütung ist für die gläubige Katholikin Sünde, Familienplanung ein Fremdwort. Zuhause im Slum lebt sie mit ihrem Mann und den jetzt zehn Kindern in einem Raum. Kein Einzelfall. Viele Familien haben den Überblick über die genaue Anzahl von Enkeln und Urenkeln komplett verloren. Die katholisch geprägten Philippinen haben eine der höchsten Geburtenraten der Welt. Auch weil die erzkonservativen Bischöfe des Landes ein Gesetz zur Familienplanung 15 Jahre lang mit allen Mitteln boykottiert haben. Vor wenigen Wochen hat die Regierung gegen den erbitterten Widerstand der katholischen Kirche das Gesetz nun verabschiedet, mit dem sie die unkontrollierte Kinderflut stoppen will. Dabei geht es nicht um kontroverse Themen wie die Abtreibung. Es geht lediglich um Sexualaufklärung und kostenlose Verhütungsmittel für die Armen. Doch Pille und Kondom sind für die Bischöfe Teufelszeug. Die heftigen Wirbelstürme, die im Land kürzlich großen Schaden anrichteten, seien die deutliche Strafe Gottes für das neue Gesetz, interpretierte einer von ihnen.

Autor: Philipp Abresch / ARD Tokio

USA: Texaner fordern Unabhängigkeit: Nach Obamas Wahlsieg gibt es kein Halten mehr. Jetzt fordern immer mehr Texaner die Unabhängigkeit ihres stolzen Staates. Eine entsprechende Petition ans Weiße Haus haben bereits mehr als 130.000 Bürger unterschrieben. So wollen sie den einer Abspaltung im Wege stehenden Verfassungsvorbehalt kippen. Die langen Unterschriftenlisten sind Zeugnis politischen Frusts - schwarz auf weiß. Denn die überwältigende Mehrheit der Texaner hatte am 6. November für den Republikaner Mitt Romney gestimmt und auf die konservative Wende in Amerika gehofft. An der Spitze der "Freiheitskämpfer" steht Daniel Miller, Präsident des Texas Nationalist Movement und Chef des Radiosenders Radio Free Texas. Er ist Texaner in siebter Generation und sechsfacher Vater. Miller arbeitet hartnäckig daran, seine Heimat von den USA zu lösen und so auch dem verhassten schwarzen Präsidenten "Bye, bye" zu sagen. Die Sezessionisten fühlen sich "on the right side of history" - denn anders als andere US-Staaten war Texas in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts tatsächlich schon einmal unabhängig.

Autor: Stefan Niemann / ARD Washington

Kenia: Tänzer im Rollstuhl: Stephen Odongo erkrankte mit vier Jahren an Kinderlähmung. Seine Mutter glaubte an einen bösen Zauber und lehnte den einzigen Sohn wegen seiner Behinderung ab. Stephens Großeltern sorgten dafür, dass der gelähmte Junge zur Schule gehen konnte, sogar auf ein Gymnasium, und genau das will er - heute 36 Jahre alt - auch seinen zwei kleinen Kindern ermöglichen. Denn Stephen ist ein Kämpfer und will Vorurteile und Arroganz gegenüber Behinderten in der kenianischen Gesellschaft aufzeigen und für mehr Verständnis und Miteinander werben. Sein Mittel dazu ist ungewöhnlich: Stephen tanzt - mit und ohne Rollstuhl - in einer kenianischen Tanztruppe. Die Stücke sind ein Plädoyer gegen die verbreiteten Tabus gegenüber Behinderten und für mehr Toleranz. In ihren Stücken zeigen die Tänzer auch die Gewalt, der viele Behinderte ausgesetzt sind, die als Bettler auf der Straße leben müssen. Provozierende Bilder, dabei ästhetisch und überzeugend. Die Aufführungen sind so erfolgreich, dass Stephen mit seiner Truppe jetzt auch durch die Dörfer reist, denn dort leben in Kenia die meisten Behinderten. Und Stephen wird seinen Kampf nun auch noch als Behindertenvertreter in der kenianischen Politik fortsetzen.

Autorin: Birgit Virnich / ARD Nairobi

Israel: Rechte Hardliner rangeln um die Macht: "Wir sind der israelische Frühling" und "Ein palästinensischer Staat ist eine Gefahr für Israel." Mit solchen markigen Parolen punktet Naftali Bennett, Chef einer national-religiösen Siedlerpartei, im Wahlkampf auch beim jungen, eher liberalen, aber politikverdrossenen Publikum. Fast über Nacht wurde der wohlhabende ehemalige Software-Unternehmer zum politischen Shooting-Star in Israel und sieht sich seitdem nur noch von Kameras und Mikrofonen umringt. In die diktiert er dann gerne, dass es mit ihm keine Kompromisse geben werde. Der Erfolg des jungen Aufsteigers macht Israels Premier Netanjahu ziemlich nervös, muss er doch fürchten, von Bennett ganz rechts überholt zu werden, was vor kurzem kaum vorstellbar schien. Besonnene Stimmen warnen vor einem weiteren Rechtsruck in Israel und sehen gar die Demokratie in Gefahr. Wird die Wahl am 22. Januar zu einer Wahl zwischen Krieg und Frieden?

Autor: Markus Rosch / ARD Tel Aviv

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Bayerischer Rundfunk
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