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Weltspiegel

Der Fall Snowden: Thomas Drake - Was das Vorbild zu sagen hat:

Der Amerikaner Thomas Drake ist Republikaner mit langem und erfolgreichem Werdegang. Von 2001 an arbeitete er als Leiter der Entwicklungsabteilung für die NSA - jenen US-Geheimdienst also, den Edward Snowden nun verpfiffen hat. Doch das hatte auch schon Drake getan! Als Drake bereits 2010 erfährt, was Snowden nun veröffentlicht hat, kann der hochrangige Beamte das nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Gemeinsam mit zwei anderen Kollegen versucht er, seine Vorgesetzten zu informieren, wendet sich ans Verteidigungsministerium und an den Sicherheitsausschuss des US-Parlaments. Doch niemand will ihn hören. Stattdessen gerät er bald selbst unter Druck. Drake und seine Familie werden in die Mangel genommen, er verliert Job, Freunde, sein Vermögen. Heute arbeitet er beim Elektronikkonzern Apple. - Nun ist Drake von Snowden als eines seiner Vorbilder bezeichnet worden. Die Informationen, die jetzt die Welt aufschreien lassen, hatte Thomas Drake bereits 2010 veröffentlicht, damals aber ohne Hilfe etwa der Enthüllungsplattform Wikileaks und ohne große Beachtung. Erst jetzt wird auch in den USA eine Debatte geführt über den Datenschutz von morgen. Über die Behauptung, Europas Regierungen seien über die Abhöraktion nicht informiert gewesen, kann Drake nur lachen.

Autorin: Tina Hassel, ARD-Studio Washington

Bhutan: Bruttosozialglück - Nur eitel Sonnenschein auf dem Dach der Welt?: Alle sollen glücklicher werden. So steht es in der Verfassung des Himalaya-Staats Bhutan. Nicht mehrGeld, mehrGlück. Was aber ist Glück? Eine philosophische Frage, schwer zu fassen. Doch der 77-jährigen Pelden Dema gelingt dies. Trotz ihres hohen Alters kann sie sich freuen wie ein Kind. Sie lacht sich schlapp über Gurken, ihre Katzen - und auch über uns. Dabei hätte sie genug Grund zu klagen. Ihr Mann hat sie verlassen wegen einer Jüngeren. Doch Pelden Dema lacht. Und sie schnupft Tabak. Den lässt sie sich ins Land schmuggeln, denn in Bhutan wird kein Tabak verkauft. Dafür aber Alkohol. Chimmy, eine andere Frau, brennt Schnaps in ihrer Hütte in den Bergen. Den verkauft sie, nur probiert hat sie ihn noch nie. Wenn es ihr schlecht geht, trinkt sie lieber einen Tee. Chimmy hat gerade ihren Mann verloren. Die Töchter sind arbeitslos. Auch sie lacht, doch im gleichen Moment kommen ihr auch die Tränen. Nein, auch in Bhutan gibt es eine Menge Unglück, und es wird viel geweint. - In wenigen Tagen gibt es Wahlen auf dem Dach der Welt. Zwei Parteien treten in der Endrunde an, sie behandeln sich höflich. Und beide wollen eigentlich nur eines: Mehr Glück! Und ein freundlicher Ex-Minister sagt den schönen Satz: „Die Demokratie in Bhutan funktioniert deswegen so gut, weil sie eingeführt wurde, als alle schon glücklich waren."

Autor: Gábor Halász, ARD-Studio Neu Delhi

China/Taiwan: Invasion in Badehose - Aussöhnung mal anders: Die Insel Kinmen ist eine Verrücktheit des schon lang vergangenen chinesischen Bürgerkriegs. Sie gehört zu Taiwan, liegt aber nur ein paar Kilometer entfernt vom chinesischen Festland. Zwanzig Jahre lang regnete es Granaten auf die Insel. Bis heute stehen an den Stra ßenkreuzungen olivgrüne Bunker, und am wunderschönen Sandstrand ragen kilometerweit Panzersperren aus dem Boden - wenn inzwischen auch etwas rostig und muschelbewachsen. China und Taiwan, die ehemals verfeindeten Brüder, haben sich längst angenähert. Und nirgendwo sonst lässt sich das besser ausmachen als hier rund um Kinmen. Zehntausende Touristen kommen jährlich herüber aus China. Und auch die Wirtschaft brummt. Einmal im Jahr gibt es sogar einen Schwimm-Marathon zwischen beiden Seiten: dem chinesischen Xiamen und dem taiwanesischen Kinmen. Kraulen für den Frieden. In diesem Jahr steigen 200 Schwimmer in die Fluten. Doch dass noch immer eine schwer bewachte Grenze beide Länder teilt, haben auch unsere Reporter erfahren müssen. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt, konnten sie doch nicht zueinander finden.

Autoren: Philipp Abresch/Daniel Satra (ARD-Studios Tokio/Peking)

Ghana: Nichts als Prügel - Wie aus armen Fischern Boxweltmeister werden: Durch Boxen reich werden - für die Fischer am Rande von Accra, der Hauptstadt Ghanas, ist das nicht nur ein Traum. Im Viertel Bukom leben rund 500 hauptberufliche Boxer in nicht mehr als 15 Straßenzügen. Rund 40 Boxschulen gibt es hier, die meisten ohne festes Dach, der Ring: purer Beton. Wohl nirgendwo auf der Welt lassen so viele Profiboxer auf so kleinem Raum die Fäuste fliegen. Und wenn auch die meisten nur ein paar hundert Euro im Monat verdienen: Einige von ihnen haben es dennoch bis ganz nach oben geschafft und sind Weltmeister geworden. Sie haben Wohnungen in New York, aber das Heimweh ist oft stärker als jeder Punch und dann kommen sie zurück nach Bukom, in ihr altes Viertel. Die Ghanaer sind keine Schwergewichtler, sondern kämpfen meist in den unteren Gewichtsklassen. Ein Titelkampf kann dennoch bis zu einer Million Dollar bringen, dazu Anerkennung und Status. Der Arme-Leute-Sport, das Boxen als Vehikel für sozialen Aufstieg. Unser Korrespondent hat sich durchgeboxt nach Bukom. Hier trifft er auf Joshua Okine. Ein Mann mit Frau, Kindern und einem großen Traum: Weltmeister zu werden im Weltergewicht. Und wenn er´s nicht schafft, dann bestimmt sein Sohn.

Autor: Peter Schreiber, ARD-Studio Nairobi

USA: Lebensmüde Helden - Der Kampf gegen Selbstmorde im US-Militär: Ein Soldat muss hart sein. Immer. Gegen den Feind in der Fremde und gegen die Zweifel in ihm selbst. Das ist die Erwartung. Doch auf die Gräuel des Krieges ist niemand ausreichend vorbereitet. Aus den Auslandseinsätzen im Irak und Afghanistan kamen und kommen tausende Soldaten tief traumatisiert zurück. "Ich habe diese Bilder vor Augen, sehe Leute diese Dinge tun, unmoralische Dinge. Sie haben mit abgerissenen Körperteilen herumgespielt", erzählt Irak-Veteran Robert Burton. Er kämpft nicht mehr im Krieg, sondern darum, sich wieder im zivilen Alltag zurechtzufinden. Doch viele seiner Kameraden sahen und sehen den einzigen Ausweg im Selbstmord. Zuständige Regierungsstellen schätzen, dass sich gegenwärtig rund alle 80 Minuten ein Kriegsveteran das Leben nimmt. Das Verteidigungsministerium geriet deshalb derart unter Druck, dass es vor kurzem ein eigenes Büro für Suizidprävention einrichten musste. Dessen Leiterin hatte vor dem Kongress zu erscheinen und musste erklären, welche Strategie sie einschlagen wolle, um den tödlichen Trend zu stoppen. Auch eine Gruppe von Veteranen will die Selbsttötungen nicht länger hinnehmen. NDR-Korrespondent Stefan Niemann hat sie auf einer 500-Kilometer langen Radtour begleitet, auf der körperliche Erschöpfung zur Therapie wird.

Autor: Stefan Niemann, ARD-Studio Washington

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