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Die Philanthropie der USA – Wie Amerikaner freiwillig helfen, spenden, fördern

Chris Ring ist sechs Monate lang den gesamten Mississippi von der Quelle in Minnesota bis zur Mündung im Golf von Mexiko geschwommen. Jeden Tag bis zu 30 Kilometer, um für eine Veteranen-Organisation Spenden zu sammeln und Aufmerksamkeit zu erregen für deren Angelegenheiten.  | Bild: Das Erste

Chris Ring ist sechs Monate lang den gesamten Mississippi von der Quelle in Minnesota bis zur Mündung im Golf von Mexiko geschwommen. Jeden Tag bis zu 30 Kilometer, um für eine Veteranen-Organisation Spenden zu sammeln und Aufmerksamkeit zu erregen für deren Angelegenheiten.

Ingo Zamperoni hat ihn für die Weltspiegel-Reportage ein kleines Stück des Weges begleitet. "Hab dabei viele mehr von der Brühe geschluckt, als mir lieb gewesen wäre", schreibt er uns.

Die Reise führt das Weltspiegel-Team weiter zu einem Yacht-Treffen in der Marina von Fisher Island – einer Insel vor der Skyline von Miami, auf der nur Multimillionäre wohnen. Einmal im Jahr findet dort eine Party der Superreichen statt, die an einem Abend für einen Kinderhilfsclub mehr als eine Million Dollar einsammeln.

Für alle "Normalsterblichen" gibt es aber auch jeden Tag unendlich viele Möglichkeiten. Die "Mutter aller Fundraiser" in den USA etwa ist der Fünf-Kilometer-Lauf für einen guten Zweck.

In diesem Fall der Rocky-Run in Philadelphia, bei dem auf den Spuren des Film-Boxers Rocky Balboa mehrere Tausend Menschen für die Organisation der Special Olympics (geistig behinderte Athleten) Gelder erlaufen haben.

"OPs am Sonntag" heißt eine Organisation in Lexington, Kentucky, die einmal im Monat kostenlose OPs für Menschen organisiert und durchführt, die keine Krankenversicherung haben. Trotz Obamacare immer noch ein riesiges Problem in den USA! Und hier bekommen sie Geschwülste wegoperiert, Leistenbrüche geschlossen und Kniegelenke erneuert. Alles, ohne einen Cent zu zahlen. Dutzende Ärzte, Schwestern, Pfleger helfen freiwillig, um die Lücken zu stopfen, die das amerikanische Gesundheitssystem nach wie vor eklatant aufweist.

Das Spenden sammeln verlagert sich heute immer mehr ins Internet. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Joe: Er hatte vor zwei Jahren einen furchtbaren Schlaganfall. Der Familienvater von drei kleinen Kindern konnte sich nicht mehr bewegen, nicht mehr reden. Die Krankenkasse deckte nur das Nötigste ab. Aber mühsam kämpfte Joe sich zurück. Jetzt kann er immerhin alleine aufrecht sitzen und sich per iPad-Tastatur mitteilen.

Weil seine Versicherung aber keinen elektrischen Rollstuhl und kein behindertengerechtes Gefährt mitfinanzieren wollte, machte er eine Seite auf der Website fundme.org auf. Und binnen weniger Wochen hatten dort – über Facebook – Freunde, Verwandte und auch unzählige Fremde genug gespendet, dass es für einen Scooter und einen Bus reichte. Das ermöglicht Joe wieder mehr am Familienleben teilzunehmen.