Gespräch mit Anneke Kim Sarnau

Katrin König (Anneke Kim Sarnau) sucht das Gespräch zur Tochter Sylvia Schultes (Pauline Rénevier).
Katrin König sucht das Gespräch zur Tochter Sylvia Schultes. | Bild: NDR / Sandra Hoever

Katrin König sucht während der Ermittlungen im Fall Schulte stets die Auseinandersetzung mit den Figuren aus dem rechten Milieu. Sie argumentiert mit Verve. Fühlt sie sich provoziert?

Katrin König positioniert sich natürlich sehr klar gegen diese rechten Parolen. Sie lässt sich nicht einschüchtern – ebenso wenig von hohen Parteifunktionären wie von Hells Angels oder Fußballhooligans. Sonst wäre sie nicht Polizistin geworden. Ihr Idealismus ist ihr Motor. Sie beugt sich anderen nicht, nur weil sie mehr Macht haben, denn sie kämpft für eine gewisse Ordnung und Menschlichkeit. Trotzdem kommt König hier zwischendurch an ihre Grenzen; sie hat das Gefühl, sie kämpft gegen Windmühlen, weil diese Leute sich ihrer so sicher sind in ihrer Haltung. Manche sind einfach so überzeugt von dem, was sie da sagen, dass sie einen auslachen, wenn man ihnen mit Moral und ethischen Argumenten kommt.

Ihr Kollege Sascha Bukow findet König in ihrer Argumentation zu abgehoben. Zu Recht?

Bukow kommt aus der Gegend und kriegt auch Dinge mit, die an ihr in ihrem verkopften Dasein teilweise einfach vorbeigehen. Weil er bodenständiger ist, kann er die Angst und den Frust der Leute, glaube ich, besser nachvollziehen, aber natürlich hält König dagegen: Was für ein Leben wäre das, wenn alle aus Angst ihre Ideale über Bord werfen? Hier kommt wieder ihr Idealismus zum Tragen. Letztlich findet sie aber auch, dass die Überzeugung der Menschen über Fakten passieren muss, über konkretes Engagement. Da liegen die beiden, denke ich, nicht so weit auseinander.

Vor dem bevorstehenden Disziplinarverfahren herrscht dicke Luft im Kommissariat. Hat Katrin König Schuldgefühle, dass sie Bukow in die Sache mit reingezogen hat?

Sie hat tatsächlich ein schlechtes Gewissen, aber sie würde es nie zugeben und kämpft tierisch dagegen an. Gleichzeitig ist sie sauer, dass sie sich seinetwegen schlecht fühlen muss, denn im Grunde hat er sich ja selbst in diese Lage gebracht. Dass sie jetzt in diese Bredouille kommt, macht sie wütend. Das Ganze ist auch so ein Mann-Frau-Ding: Er wollte sie retten, aber sie will sich nicht retten lassen. Um zu verhindern, dass irgendwer etwas gegen sie in der Hand hat, steht sie zu dem, was sie gemacht hat, mit allen Konsequenzen. Allerdings schafft sie es auch nicht, ihm das herzlich rüberzubringen.

(Interview: Birgit Schmitz)

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