Interview mit dem Regisseur Dror Zahavi

Franziska Lüttgenjohann, die Assistentin der Kommissare Ballauf und Schenk, ist in großer Gefahr. Als Zuschauer erleben wir Franziska nahezu den ganzen Film über in einer Extremsituation – gefangen in einem Raum von ihrem Kidnapper. Wie halten Sie als Regisseur die Spannung?

Es ist eine besondere Herausforderung, einen ganzen Film an einem Drehort zu realisieren. Die Voraussetzung dafür ist zuallererst ein sehr gutes Drehbuch. Das hatte ich. Ein sehr dichtes Drehbuch von Jürgen Werner. Eine weitere Voraussetzung sind sehr gute Schauspieler. Die ich mit Tessa Mittelstaedt, Hinnerk Schönemann, Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt hatte. Es ist ihnen zu verdanken, dass die Spannung in diesem Kammerspiel gehalten werden konnte.

Gedreht wurde "Franziska" in einem Gefängnis, in dem wenige Monate zuvor noch Häftlinge eingesessen hatten. Mit welchen Gefühlen fuhren Sie während der Drehzeit zur Arbeit im Knast? Wie war die Stimmung am Set?

Es herrschte dort eine sehr merkwürdige Atmosphäre, und wir haben alle das ganz besondere Karma gespürt. Der Fakt, dass bis vor kurzem dort Menschen inhaftiert waren, hat die Stimmung beeinflusst. Es war unangenehm, kalt und bedrückend, aber es hatte vielleicht auch einen Vorteil, weil dadurch die Schauspieler und das Team sich besser in die Situation hineinversetzen konnten.

Franziska hat Angst um ihr Leben: Wie intensiv waren die Dreharbeiten mit Tessa Mittelstaedt? Wie bringen Sie als Regisseur eine Schauspielerin dazu, "alles" zu geben?

Man kann Tessa Mittelstaedt nicht ohne Hinnerk Schönemann erwähnen und umgekehrt. Beide sind gefangen in der Zelle. Das Katz- und Maus-Spiel hätte nicht funktioniert, wenn nicht beide zur Höchstform angelaufen wären und das Dunkelste aus ihren Seelen herausgeholt hätten. Die Arbeit mit ihnen war sehr intensiv und ging an die Nieren.

Franziska weiß nicht, ob sie ihrem Kidnapper vertrauen kann: "Gut oder Böse": Ist das die zentrale Frage dieses Krimis?

Für mich ist das zentrale Thema viel mehr die Wechselbeziehung zwischen den beiden, das psychologische Spiel, was da getrieben wurde. Tessa Mittelstaedt agiert in ihrer Notlage sehr professionell. Im ersten Teil des "Tatorts" führt sie die Szenerie, um den Kidnapper dazu zu bringen, aufzugeben oder zu verhandeln. Sie merkt aber nicht, dass der, der ihr gegenüber sitzt, ein sehr intelligenter Psychopath ist.

Der Film wird aus Jugendschutzgründen erst um 22 Uhr in Das Erste gezeigt. Was sagen Sie zu dem späten Sendetermin?

Natürlich macht mich die Tatsache, dass "Franziska" um 22 Uhr gesendet wird, ein wenig traurig. Ich hätte es viel lieber, wenn der Film um 20:15 Uhr und vor vielen Millionen Zuschauern laufen würde. Das ist doch klar. Es ist aber auch eine Tatsache, und darüber bin ich sehr erfreut, dass es im deutschen Fernsehen Bestimmungen gibt, die das junge Publikum vor für sie ungeeigneten Filmen schützt. Ich stand im guten Kontakt zum Sender und zur Produktion und war über alle Überlegungen, die für oder gegen den 20:15-Uhr-Sendetermin sprachen, stets informiert. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass die Entscheidung anders fällt, kann sie aber nachvollziehen. Hätte ich ein zwölfjähriges Kind, wüsste ich selber nicht, ob ich es den Film hätte sehen lassen.

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