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18.03.2010

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Rückschau: Haiti

Das Engagement der USA

Sendeanstalt und Sendedatum: SWR, Sonntag, 17. Januar 2010

Die USA sind die Einzigen, die in diesem Chaos Ordnung schaffen können – so sehen das viele Beobachter in Haiti. In der Stunde Eurer größten Not steht Amerika Euch bei hat Präsident Obama den Haitianern versprochen. Nicht zum ersten Mal übrigens in der Geschichte Haitis: Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die US-Amerikaner schon einmal - aber als Besatzer. Und in den politischen Wirren der 80er und 90er Jahre unter Präsident Aristide zogen sie immer wieder die Strippen. Jetzt aber landen sie als humanitäre Supermacht, mit Flugzeugträgern, Lazarettschiffen und geplanten 10.000 Soldaten. Sie kommen in ein Land, dessen Führung orientierungslos ist.

Ein ohnmächtiger Präsident – Rene Preval auf dem Weg zu seinen Mitarbeitern. Gerade mal 4 Männer in einem kleinen Büro – das ist der Krisenstab des Präsidenten. „Wir haben keinen Ort, um ein Treffen abzuhalten. Der Präsidentenpalast ist zusammengebrochen. Viele Ministerien zerstört.“ Viele Minister sind tot - der Ministerpräsident hat überlebt. Doch wirklich handlungsfähig ist er nicht. „Mein Zuhause ist mein Auto. Hier schlafe ich seit 3, 4 Tagen“ meint Jean-Max Bellerive. „Die Regierung trifft sich, wo es eben geht. Meine Mitarbeiter schlafen im Innenhof. Wir versuchen, die zu retten, die noch begraben sind. Wir hören ihre Stimmen.“

Der Rest der Regierung hält sich am Flughafen auf – dem einzigen Ort im Land, wo derzeit die Verwaltung des Staates wieder aufgebaut werden kann. Hier haben US-Militärs das Kommando übernommen. Einige Tausend sind es bereits – morgen sollen es Zehntausend sein. De facto haben sie die Macht. Die US-Außenministerin Clinton befürchtet, dass das schiefe Bild einer Besatzung entstehen könnte. „Ich wende mich direkt an das haitianische Volk: Wir sind hier, weil Eure Regierung uns eingeladen hat, zu helfen.“ Die Hilflosigkeit der eigenen Regierung kleidet Präsident Preval in diplomatische Worte. „Wir freuen uns von Herzen über den Besuch von Außenministerin Clinton. Vor allem, um gemeinsam die Prioritäten zu klären und die Bedürfnisse des Landes mit der amerikanischen Regierung zu koordinieren.“

Ohne die US-Soldaten geht in Haiti praktisch nichts. Dort wo sie hinkommen funktioniert die Verteilung von Essen und Wasser relativ reibungslos. Dort wo sie nicht sind, entsteht Chaos. „Es ist schrecklich, wie sie Lebensmittel hier aus den Hubschraubern ziellos abwerfen“, klagt ein Mann. „Die meisten hier bekommen kein Essen. Die Menschen fangen an, sich die Köpfe einzuschlagen. Das absolute Chaos.“ Nach Tagen geduldigen Wartens kippt mancherorts die Stimmung: Der Stärkere nimmt sich, was er braucht – die Schwachen bleiben auf der Strecke.: „Ich habe nicht gekämpft“, sagt einer. „Wenn sie uns doch nur etwas zu essen geben könnten! Es ist unfair! Ich bin vernünftig – ich kämpfe nicht!“

UN-Blauhelme sind zwar schon im Land und sorgen für ein gewisses Maß an Sicherheit. Doch sind sie für wirklich kritische Situationen nicht in dem Maß ausgebildet wie die US-Spezialeinheiten. Sie sind Stabilisierungskräfte. „Wir sind vom Welt-Ernährungsprogramm hier und bringen humanitäre Hilfe. Die muss jetzt direkt zu den Menschen. Wir versuchen natürlich zu verhindern, dass Unruhen entstehen.“ Die Sicherheitslage ist angespannt in Port-au-Prince. Doch tiefer im Land – zum Beispiel in der Stadt Leogane ist noch kaum Hilfe angekommen - obwohl das Beben hier die schlimmsten Zerstörungen angerichtet hat. Doch solange weder UN noch US-Truppen hier massiv präsent sind, werden auch viele Hilfsorganisationen diese Stadt meiden – aus Angst vor Gewalt und Plünderungen.

Ein Film von Matthias Ebert

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 17.01.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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