Rückschau: Jemen
El Kaidas neue Terrorbasis?
Sendeanstalt und Sendedatum: NDR, Sonntag, 10. Januar 2010

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Noaman Al-Salfi zieht zwei Kalaschnikows aus einem Motorraum. Der Kühler ist ein beliebtes Versteck für Handfeuerwaffen, doch da findet er nichts. Die Männer mit den Sturmgewehren behaupten sie seien die Schutztruppe eines Stammesführer aus der Provinz, haben aber keine Waffenscheine und wollen dann auch noch mit Kalaschnikows ins Zentrum der Hauptstadt Sanaa fahren.
Noaman Al-Salfi: "Da Waffen versteckt wurden, ist das für uns ein Zeichen, dass wir es möglicherweise mit Terroristen zu tun haben. Die Waffen konfiszieren wir und verhaften die Leute."
USA geht der Anti-Terrorkampf nicht weit genug
Doch ob es gelingen kann, Terroristen bei diesen Kontrollen rauszufischen, ist mehr als zweifelhaft. Aus Sicht der US-Regierung reichen diese weichen Anti-Terroraktionen, wie zum Beispiel im Straßenverkehr, nicht aus. Sie will einen harten Anti-Terrorkampf im Jemen. Denn möglicherweise ist dort zum ersten ein Terroranschlag gegen die USA vorbereitet worden.
Umar Faruk Abdelmutallab, der in den USA vor Gericht steht, hat in Sanaa arabisch gelernt. Im Dezember flog er in die USA und versuchte im Landeanflug auf Detroit im Flugzeug Sprengstoff zu zünden. Das Attentat misslang.
Jemenitische Spezialeinheiten greifen eine Al-Kaida Stellung an. Es ist eine Übung. Die Anti-Terrortruppen stehen nach dem jüngsten Attentatsversuch gegen die USA unter Druck. Die amerikanische Regierung erwartet Erfolge im Kampf gegen Al Kaida. Jemenitische Spezialeinheiten werden deshalb mit Geld und Material versorgt, aber nicht nur: Antiterrorexperten aus den USA trainieren jemenitische Truppen.
Das bringt die Regierung in Schwierigkeiten, denn viele Jemeniten fragen sich: Gibt es eine Zusammenarbeit tatsächlich nur auf der Ausbildungsebene, oder auch im Gefecht?
Der stellvertretende Premierminister Rashed Al-Alimi dementiert: "Wir setzen in den Kampfoperationen nur auf jemenitische Kräfte - zu 100 Prozent. So war es in der Vergangenheit, ist es in der Gegenwart, und wird auch in der Zukunft so sein."
Die Opposition warnt vor irakischen Verhältnissen
Der Parlamentsabgeordnete Shauqi Al-Kadi von der Opposition glaubt nicht, dass alle Operationen gegen Al Kaida zu 100 Prozent jemenitisch waren. Auch er ist ein Gegner des Terrors, der für ihn zu tiefst unislamisch ist. Aber er befürchtet, dass der Westen mit seinem derzeitigen Engagement das Gegenteil von dem erreicht, was er bezwecken will und meint: "Wenn der Westen möchte, dass Al Kaida im Jemen noch stärker wird und die Extremisten noch mehr zu Lauf bekommen, dann muss der Westen nur militärisch eingreifen. Was dann passiert wissen wir doch, wie zum Beispiel im Irak. Dort ist die Situation jetzt noch viel schlimmer und gefährlicher als noch vor dem Krieg."
Für die Opposition ist der Terror im Jemen zunehmend eine Bedrohung, denn es werden immer neue Netzwerke enthüllt. Die Querverbindungen führen bis in die Hauptstadt. Der Schritt von der radikalen Rede hin zum Terrorakt ist im Jemen technisch gesehen ein leichter. Dies belegt ein Lager der jemenitischen Armee. Hier lagern Waffen, die von Agenten auf dem Schwarzmarkt eingekauft wurden. Darunter großkalibrige Luftabwehrgeschütze, Raketen und Sprengstoff, alles zu kaufen auf dem Schwarzmarkt und so hat Al Kaida leichten Zugang zu den tödlichen Mitteln des Terrors. Erschwerend kommt hinzu: Illegaler Waffenbesitz wurde bisher kaum strafrechtlich verfolgt.
Leichter Zugang zu Waffen

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Der relativ leichte Zugang zu den Waffen ist das eine Problem, hinzu kommt: Die Armee führt jenseits der Hauptstadt einen Krieg gegen die schiitische Minderheit im Norden und versucht gleichzeitig im Süden einen Aufstand von Separatisten einzudämmen. Und mittendrin soll die Armee auch noch Al-Kaida-Stellungen ausheben. Das sind zu viele Fronten, deshalb konnte Al Kaida relativ ungestört im Jemen zu einer größeren Organisation wachsen.
Und die Regierung ist nicht in der Lage die waffenstarrende Gesellschaft in den Regionen zu kontrollieren. Der Jemen braucht finanzielle und materielle Hilfe von außen. Doch das ist ein Dilemma: Denn eine Kooperation könnte sich zu einem Magneten für Terroristen entwickeln. Denn für Al-Kaida gibt es nur eine Antwort auf eine Zusammenarbeit mit dem Westen: Tod und Terror.
Beitrag: Alexander Stenzel, ARD-Studio Kairo
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 10.01.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

