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21.03.2010

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Rückschau: USA

Schwarz auf dem Vormarsch

Sendeanstalt und Sendedatum: SWR, Sonntag, 17. Januar 2010

Ein Jahr nachdem der erste Schwarze Präsident der USA wurde, gibt es immer mehr erfolgreiche schwarze Politiker. Wie im Kleinstädtchen Philadelphia im Bundesstaat Mississippi. Über Jahrzehnte war der Ort Hochburg des rassistischen Geheimbundes Ku Klux Klan. Seit kurzem regiert mit dem Demokraten James Young zum ersten Mal ein schwarzer Bürgermeister, der als sein Vorbild Barack Obama sieht. Und wie dieser ist er mit den gleichen Problemen konfrontiert: Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, soziale Ungleichheit.

James Young (Quelle: SWR)lupe Bildunterschrift: ]
Der Mann predigt sich die Seele aus dem Leib und den Schweiss auf die Stirn. Gott ist seine Motivation und Inspiration – und er hat ihn auf den Weg geführt. Den der Tugend und nicht nur dahin. Sonntags treibt er seine Schäflein von den Bänken und in die Arme des Herrn, von Montag bis Samstag ist Pastor Young Politiker - der Bürgermeister von Philadelphia, Mississippi. Der erste Schwarze, der es je so weit brachte. „Ihr wollt prüfen, was ich für einer bin. Und ob ich so handele wie ich predige. Wer ich bin, seht Ihr daran, wie ich in Zeiten der Not zu Euch stehe.“ Die Zeit der Not kommt schon am Montag morgen – es sind eine Reihe Bürger, die persönlich beim Bürgermeister vorsprechen. Sie suchen seine Hilfe, sie suchen Jobs. Und sie sind schwarz - wie er. James notiert alle Nummern, damit auch im weltlichen Leben, kein Schäflein verloren geht. Und draußen warten schon die nächsten Bittsteller. Er ist der erste schwarze Bürgermeister, den wir hier haben, ich erwarte eine Menge. Ich hoffe, er kann für alle etwas machen. Es fällt uns auf – hinter dem Tresen, da wo es Arbeit gibt, sitzen die weißen Bürger der Stadt.

Gedenktafel (Quelle: SWR)lupe Bildunterschrift: ]
„Wir konnten hier bei meiner Wahl auf der Welle des Wandels reiten, die Präsident Obama brachte“, erklärt Bürgermeister James Young. „Und unsere Wahlkampthemen waren die gleichen. Nur auf einem niedrigeren Level – Jobs , Respekt und volles Engagement für die Menschen.“ Es weht jetzt ein anderer Wind in Philadelphia, seit sie hier im Sommer James Young zum Bürgermeister machten, in der Kleinstadt, in der mehr weiße als schwarze Bürger leben. Das Provinznest hat Geschichte geschrieben, heute und vor 46 Jahren. Unrühmlich damals. Drei Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung verschwinden und werden später ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen laufen schleppend – zu mächtig sind die weißen Herrenmenschen vom Ku Klux Klan. Unweit der Stadt haben sie die Leichen damals verscharrt – heute erinnert eine Gedenktafel an die Morde, die Amerika die hässliche Fratze des Rassismus vorführten. Es hat sich einiges geändert – und doch leben sie immer noch getrennt – da die Weißen – hier die Schwarzen. Bürgermeister Young ist in der schwarzen Nachbarschaft geblieben, in der er schon als kleiner Junge lebte. „Wenn meine Amtszeit zu Ende ist , dann möchte ich, dass dieses Viertel anders aussieht. Dass die Menschen es hier besser haben.“ Dann biegt er ab zu seinem Elternhaus. „Viele gute Erinnerungen hab ich , aber auch die düstren. Als der Ku Klux Clan durch die Strassen zieht, hält mein Vater mit dem Gewehr auf dem Sofa Wache. Ich erinnere mich als kleiner Junge , dass nach den Morden Martin Luther King nach Philadelphia kam – und jetzt als Erwachsener bin ich Teil des politischen Systems , vom dem Dr. King träumte, in dem alle gleich sind. Ich fühle mich privilegiert und gesegnet.

Philadelphia, Mississippi (Quelle: SWR)lupe Bildunterschrift: ]
Und unter Dauer-Druck – die Wirtschaftskrise erreicht jeden Zipfel des Landes. Und Die Probleme des Präsidenten in Washington sind auch seine – Bürgermeister Young muss Jobs schaffen. Vorbei geht die Fahrt am Spielkasino, da haben sie gerade 500 Mitarbeiter entlassen. Er hat ein große Sache am laufen . Hier in die Hallen der alten Motorfabrik will er eine moderne Keramikfabrikation locken – Arbeit für 300 vielleicht sogar 500 seiner Bürger. Daran messen sie. „Das wäre die Feder am Hut – mein Superbowl. Es zählt, was Du schaffst und dass du sauber und transparent arbeitest, für alle“, sagt James. Frage : Ist ihre Hautfarbe Thema? „Nein – kein Thema, solange ich den Menschen helfe, Essen auf den Tisch zu bringen. Und ich erzähle immer mal wieder dies Beispiel – ich war hier in der Stadt lange Rettungs-Sanitäter – und habe vielen geholfen. Wenn einer blutend am Straßenrand liegt, und Hilfe braucht – dann denkt keiner über deine Hautfarbe nach, ob Du schwarz oder weiß bist.“

Foto von James Young (Quelle: SWR)lupe Bildunterschrift: ]
In der Lokalpresse gehen sie gut mit dem neuen Bürgermeister um. Er habe schon im Wahlkampf den richtigen Ton getroffen, sagen sie und dass er mit der Verschwendungssucht seines weißen Vorgängers aufräumt, verschafft Respekt. Er ist die Good News, die auch der republikanische Herausgeber pflegt, nach all den beschämenden Schlagzeilen der Geschichte. „Es gibt eine wirkliche Veränderung hier in Philadelphia und wohl auch in Mississippi insgesamt“, meint Jim Prince, Herausgeber des „Neshoba Democrat“. Und doch kann ich den Staat nicht komplett reinwaschen. Unter der Oberfläche gibt es noch die alten Probleme und Spannungen und sie wird es leider immer geben.“

Veteranen-Treffen (Quelle: SWR)lupe Bildunterschrift: ]
Am Abend haben ihn die Veteranen eingeladen. Der Empfang ist freundlich. Alles ältere Herrschaften, alle weiß – man trifft sich nach Hautfarbe getrennt. Aus Tradition. „Ich bin erfreut, dass hier ein schwarzer Mann gewählt werden kann“, sagt einer der Veteranen. „Er ist genauso qualifiziert wie jeder andere.“ Eine Frau meint: „Wir gucken nicht aufs Äußere – er ist unser Bürgermeister. Wie Obama unser Präsident ist. Ich bin Republikanerin – aber Obama ist auch mein Präsident.“ Er spricht über das Krankenhaus, neue Ansiedlungen, Lokales mit großer Vision „Ich will, dass die Leute in Zukunft anders über Philadelphia denken und ich will ein guter Botschafter für Euch alle sein.“ Ein halbes ist James im Amt – er hat die Wahl gewonnen, auch weil er wie Obama für ein Neues Amerika steht.

Ein Film von Hanni Hüsch

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 17.01.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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