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Belize: Die Rettung des Riffs

PlayRiff vor Belize
Belize: Die Rettung des Riffs | Bild: SWR

Vor der Küste des mittelamerikanischen Landes Belize liegt das zweitgrößte Korallenriff der Welt. Es ist eine beindruckende Artenvielfalt – mit 7.000 Jahre alten Korallen. Ein Riff aber, das im Sterben lag und langsam wieder aufersteht. Dass dieser Schatz erhalten bleibt, dafür kämpft Monique Vernon, die für die Nichtregierungsorganisation "Fragements of Hope" arbeitet. Sie gehört zu den Menschen, die in ihrem Leben genau das tun, wofür ihr Herz schlägt. Schon als Kind wusste die heute 25-Jährige, ich werde Riff-Retterin: "Ich fahre hier so oft raus und denke: Gott bin ich gesegnet. Wenn ich das Riff betrachte, denke ich: Hoffentlich ist das nicht eines Tages nur noch eine Erinnerung."

Die Menschen im Küstenort Placencia leben vom Fischfang und vom Tourismus. Beides hängt am Riff. Unter Wasser zeigt sich, was dem Riff zu schaffen macht: tote Korallen, denn das Meer wird zu warm, zu sauer. Zu viele Wirbelstürme, die zu heftig wüten. Der Klimawandel hinterlässt hier schleichend ein graues Nichts.

Erfolgreiche Korallenaufforstung

Eine Frau hält ein Stück Koralle in die Kamera
Monique Vernon mit einem Stück Koralle – "Fragment of Hope". | Bild: "Fragements of Hope"

Zusammen mit der Meeresbiologin Lisa Carne forstet Monique die Korallen wieder auf. "Wir sind überfällig, es gibt keine Zeit zu verlieren. Korallen sind im Prinzip ein Wald im Meer, so wie der Wald Heimat und Schutz für Tiere ist, machen die Korallen dasselbe am Riff", erklärt Lisa Carne und ergänzt: "Das hier löst nicht das Problem des Klimawandels, das hier ist eine Art Pflaster, das uns etwas Zeit schenkt für die Menschen, die hier vom Riff leben."

Mit äußerster Vorsicht, nach langer Recherche und Auswahl, entnehmen sie wenige Bruchstücke einzelner Korallen, die besonders widerstandsfähig sind und schnell wachsen. Die werden sie anderorts einpflanzen. Microfragmenting heißt das. Zunächst wird die Koralle in fünf Zentimeter große Stücke zersägt. Dann werden diese halbiert – die "Fragments of Hope". Die kleinen Korallenstücke bringen sie überall dort an, wo andere gestorben sind. Mehrmals die Woche sind sie draußen, setzen die Kroallenteile in Zementfundamente, denn sie brauchen festen Halt. "Es ist eine Menge Arbeit, aber es ist für die Zukunft und nur darauf kommt es an", sagt Monique Vernon. Projektgelder und Spenden machen die Arbeit der Naturschützer möglich. Voller Stolz zeigen sie uns: In acht Jahren sind die Korallen hier von weniger als sechs auf bereits über 50 Prozent angewachsen. Die Mühe lohnt sich. Die Vielfalt kehrt zurück.

Auch die Fischer sind Riff-Schützer

Fischer auf seinem Boot
Das Riff ist die Lebensgrundlage für Fischer Edlin Leslie. | Bild: NDR

Das ist auch gut für die Fischer. Fischfang mit und ohne Touristen – davon lebt Edlin Leslie, wie schon zuvor sein Vater und Großvater und jetzt auch sein Sohn. Edlin beobachtet den Pelikan, wo der seine Beute findet, findet er seine Köder: "Ich bin hier draußen aufgewachsen und bin mit meinem Vater zum Fischen raus. Meine Schule ist der Ozean." Auch als Fischer versteht sich Edlin als Riff-Schützer. Große Fangnetze kommen niemals infrage. Die töten zu viele Tiere und Korallen. "Wenn du kein gesundes Riff hast, hast du keinen Fisch, denn das Riff beschützt die Fische. Und wenn du keine Fische hast, die das Riff reinigen, hast du andererseits keine gesunden Korallen", erklärt Edlin Leslie.

Die Regierung hat das Belize-Riff zum Schutz in Zonen unterteilt. Jeder darf nur in seinem Bereich fischen, damit sich alle Tierarten wieder erholen. Das bedeutet Verzicht. Aber Edlin setzt sich genau dafür ein: "Ohne Naturschutz gibt es keine Zukunft für unsere Kinder. "Wenn wir nicht alles rausfischen, was wir könnten, wird die Zukunft wunderbar." Edlin verkauft seinen Fang des Tages an ein kleines Fischrestaurant. Vom Meer direkt auf den Teller.

Die Menschen in Belize kämpfen um ihr Riff

Taucherin an einer Korallenzucht
Die Mühe der Korallenaufzucht ist erfolgreich. | Bild: "Fragements of Hope"

Er hat sich durchaus mit der Regierung angelegt. Die hatte großzügig Lizenzen verteilt, nach Erdöl zu suchen. Die Bilder der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor neun Jahren rüttelten alle wach. Edlin machte mit bei einer Petition, die Vereinten Nationen machten Druck. Erst dann hat die Regierung die Ölsuche gestoppt. "Wir wollen kein Erdöl in Belize, wir wollen keine Bohrinseln, nichts davon. Denn: Nur ein Ölleck und unser Riff ist tot", sagt Leslie.

Die Menschen in Belize kämpfen um ihr Riff. Durch alle Maßnahmen konnte sich das Riff erholen. "Ich sage: Es braucht allein den politischen Willen. Ich sage: Wir können alles erreichen, wenn wir zusammenstehen, wir können es schaffen", sagt Monique Vernon. Die Hurricane-Saison beginnt bald und für Monique heißt das, ihre Korallen müssen bis dahin fest einwachsen, damit sie stark genug sind, jedem Sturm standzuhalten.

Autorin: Xenia Böttcher, ARD Studio Mexiko

Stand: 03.06.2019 14:21 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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