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USA – Die Angreifer auf das Kapitol – Helden für rechte Verschwörungs-Erzähler?

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USA – Die Angreifer auf das Kapitol – Helden für rechte Verschwörungs-Erzähler?  | Bild: NDR

"Sie sind ein echter amerikanischer Held!", "Ich möchte ihre Hand schütteln. Sie sind aktuell mein Held!" In Hamilton, im US-Bundesstaat Montana, haben Republikaner einen Vortragsabend organisiert. Ihr Stargast: Couy Griffin. Das FBI sieht in ihm einen Straftäter – ermittelt, weil er beim Sturm auf das Kapitol dabei war. Am 6. Januar 2021 dringen Trump-Anhänger gewaltsam in das US-Kapitol ein. Abgeordnete fliehen, die formelle Bestätigung der Wahl von Joe Biden wird unterbrochen. Inmitten der Randalierer draußen steht Couy Griffin: "Wir weichen nicht von der Stelle. Ein Nein akzeptieren wir nicht. Wir lassen uns die Wahl nicht  klauen. Wir holen unser Land zurück – koste es, was es wolle."

Wenige Meter von Griffin entfernt kämpfen Polizisten verzweifelt um eine letzte Barrikade: eine Tür.  Sie sind in Lebensgefahr. Michael Fanone, Polizist Washington DC, erinnert sich: "Sie haben mich gefoltert und geschlagen. Ich wurde mit einem Taser auf meinen Kopf geschlagen – mehrfach." Couy Griffin sagt, er sei nicht im Gebäude gewesen, will keine Gewalt gesehen haben. Doch nur einen Tag später machte er in einem später gelöschten Facebook-Video eine Kampfansage: "Wir könnten eine Demo für das Recht auf Waffen auf denselben Stufen abhalten, auf denen wir gestern waren. Und wenn wir das tun, wird das ein trauriger Tag, denn es wird Blut aus dem Gebäude fließen."

Griffin gründete "Cowboys für Trump"

Couy Griffin
Couy Griffin ist ein Star bei denen, die an eine linke Verschwörung durch die Demokratische Partei glauben. | Bild: picture alliance / Pacific Press | Lev Radin

Knapp neun Monate nach dem Sturm auf das Kapitol ist Griffin auf Einladung von Theresa Manzella nach Montana gekommen. Sie sitzt als Abgeordnete für die Republikaner im Senat des Bundesstaates. Griffin kommt gut an – auch, weil er die  Organisation "Cowboys für Trump" gründet und deshalb sogar ins Weiße Haus eingeladen wurde. Er durfte stolz mit Trump posieren. Er hatte also Zugang zu dem Mann, den sie hier noch heute als ihren Präsidenten ansehen. "Als Präsident Trump alle Patrioten aufrief, am 6. Januar nach Washington zu kommen, sagte ich: 'Du kannst  auf mich zählen! Ich bin bereit!' Es war der patriotischste, schönste Tag meines ganzen Lebens!", sagt Griffin.

Elf Tage nach dem Sturm auf das Kapitol wird Griffin festgenommen. Die Anklage: Hausfriedensbruch und Behinderung der Wahlzertifizierung. Er sieht sich als Opfer, weil er drei Wochen inhaftiert wurde: "Ich glaube an die Todesstrafe und Zwangsarbeit, aber jemanden so in einen Käfig einzusperren, wie sie es bei mir gemacht haben, war einfach unglaublich grausam."

Die Angeklagten des Sturms auf das Kapitol sind in Montana gefeierte Märtyrer. "Die Kriminellen in Washington sperren unschuldige Opfer ein", sagt ein Zuschauer. Die republikanische Abgeordnete Theresa Manzella, meint: "Ich denke, Couy ist ein Held, und er ist standhaft geblieben und hat die Regierung herausgefordert. Couy sagte, er sei nicht ins Kapitol reingegangen. Er war keiner von denen, die reingegangen sind. Verurteile ich die, die reingegangen sind? In den Videos, die ich gesehen habe, haben die Polizisten die Leute hereingewunken."

Griffin bereut bis heute nichts

Theresa Manzella und Couy Griffin werden gemeinsam fotografiert.
Die Angeklagten des Sturms auf das Kapitol Seit an Seit mit der Politik. | Bild: NDR

Fakt ist: Polizisten versuchten die Trump-Anhänger aufzuhalten – unter Lebensgefahr. "Viele der Menschen, für die ich mein Leben aufs Spiel gesetzt habe, spielen das Geschehene herunter oder leugnen es ganz. Dabei bin ich für sie durch die Hölle gegangen", erinnert sich Polizist Michael Fanone.

Polizisten und Trump-Anhänger starben. Vier weitere Polizisten, die versuchten, sich dem gewaltsamen Mob entgegenzustellen, nahmen sich später das Leben. Über 600 Personen wurden wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung am Sturm auf das Kapitol angeklagt, einige bereits verurteilt. Der Prominenteste, Jacob Chansley, muss für laut erster Instanz 41 Monate ins Gefängnis. Griffins Gerichtstermin ist auf März 2022 angesetzt. Ihm droht eine Haft- oder Geldstrafe. Doch Griffin bereut bis heute nichts. Und bis heute verbreitet er Trumps Lüge von der geklauten Wahl: "Ich kenne die Fakten nicht. Der Grund, warum ich glaube, dass Donald Trump die Wahl gestohlen wurde, ist, dass ich zwei Jahre lang vor Ort die Kraft hinter den Trump-Kundgebungen gesehen habe. Und bei Joe Biden habe ich nichts gesehen." US-Gerichte haben die Rechtmäßigkeit der Wahlergebnisse mehrfach bestätigt.

Auch gegen Hank Muntzer ermittelt das FBI. Er stürmte sogar in das Kapitol. "Ich bin einfach nur dankbar, dass ich am 6. Januar dabei war. Es war der beste Tag in meinem Leben." Er verbreitet krude Verschwörungsideologien von QAnon. Eine Bewegung, die glaubt, ein Pädophilen-Netzwerk würde die Gesellschaft unterwandern. Selbst er wird beklatscht. Auch sein Prozess soll im nächsten Jahr stattfinden. Das FBI wirft ihm unter anderem Unruhestiftung vor. "Ich mach die fertig. Und wenn wir das komplette FBI und das Justizministerium, ja die komplette Regierung stürzen müssen. Ich glaube, das Militär wird für uns kämpfen, wenn wir, das Volk, aufbegehren", sagt Muntzer.

Die Angeklagten des Sturms auf das Kapitol Seit an Seit mit der Politik – mit einem gemeinsamen Ziel: Trump soll zurück ins Weiße Haus – mit allen Mitteln.             

Autoren: Jonas Schreijäg, Ibrahim Naber

Stand: 05.12.2021 20:21 Uhr

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