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Katar: Wirtschaftsboom durch Embargo

PlayHühnerfabrik in Katar
Katar: Wirtschaftsboom durch Embargo | Bild: BR

Für Owaida al Kuwaris war es ein Geschenk Gottes: Seit der Blockade gegen Katar blüht sein Hühnerimperium auf. Ställe so weit das Auge reicht. Und das ist erst der Anfang: "Ich bin sehr stolz. Wir alle hier sind stolz darauf, dass Katar sich heute selbst versorgen kann."

Massentierhaltung "Made in Qatar": Stolz präsentiert uns al Kuwaris seine Brutmaschinen. Vom Ei bis zum verpackten Huhn sind es nur 30 Tage. 1,2 Millionen Tiere hält der Multimillionär, klinisch rein, dicht gedrängt und abgekühlt auf 28 Grad. Die Technik kommt aus Deutschland und Italien. Nichts bleibt hier dem Zufall überlassen. 100 Millionen Euro Umsatz macht der Ex-Buchhändler mittlerweile, längst nicht genug: "Wir wollen mit den entwickelten Staaten auf Augenhöhe mitspielen. Sie haben unsere moderne Technik ja selbst gesehen. Sie wird uns dabei helfen, die anderen am Ende sogar einzuholen. Es gibt in Katar eine Aufbruchstimmung."

Zwei Jahre Blockade

Doha zwei Jahre nach Beginn der Luft-, Land- und Seeblockade, eine Strafaktion der Nachbarländer Saudi-Arabien, der Emirate und Bahrein, angeblich wegen Terrorunterstützung, tatsächlich, um den gas- und ölreichen Zwergstaat in die Knie zu zwingen. Der Emir stellt auf stur, trimmt Katar über Nacht auf Selbstversorgung, Unabhängigkeit. Heute steigt die Börse wieder, die Exporte ziehen kräftig an, die Wirtschaft wächst.

Der Chef von Agrico wittert damals seine Chance, verdoppelt in zwei Jahren seine Anbaufläche. In 23 Gewächshäusern gedeihen Früchte und Gemüsesorten, die in Katars Wüste keine Überlebenschance hätten: Tomaten, Papaya, Gurken, Bananen und ja, selbst Pilze. Die Erde aus Sri Lanka, die Samen aus den Niederlanden. Und Arbeiter aus Südostasien. 260 Euro bekommen sie pro Monat in einem Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Kühlanlagen regeln die Gluthitze vom Golf um bis zu 25 Grad herunter. Meerwasser wird aufwändig entsalzt. All das frisst reichlich Energie. Die allerdings gibt es in Katar fast geschenkt. Und so sprudeln die Gewinne des cleveren Gemüsepioniers.

Boom lokaler Produkte

Tatsächlich boomen auf lokalen Märkten Früchte und Gemüse von der Halbinsel am Golf. Die Menschen schätzen Frische, Preise und das gute Gefühl, einen Dienst am Vaterland zu leisten.
Doch nicht überall läuft es so rund. Der Recycling-Firma Elite brechen mit der Blockade über Nacht die Absatzmärkte weg: Saudi-Arabien, die Emirate, Bahrein. Die größte Recycling-Firma Katars steht vor dem Aus. Eigentümer Abdalla vor einem Scherbenhaufen. Der 24-jährige Öko-Unternehmer ist ratlos.
Er krempelt die Firma um, senkt Kosten. Das Altpapier lässt er an Schulen und Behörden abholen, produziert mit chinesischen Maschinen und billigem Strom. Sein Papier verkauft er nun auch in Oman, Bangladesch und China, viermal so viel wie noch zuvor.

Das Wüstenemirat hat mit der Blockade viel gewonnen. Kein Weg führt mehr zurück.

Autor: Daniel Hechler, ARD Kairo

Stand: 01.07.2019 00:38 Uhr

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