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Russland: Putins geheimer Palast?

PlayDrohnenansicht zeigt eine Villa an der Schwarzmeerküste
Russland: Putins geheimer Palast? | Bild: picture alliance/dpa/Navalny Life

Dass da etwas gebaut wird im Wald bei Gelendschik, wusste man seit mehr als zehn Jahren. 2011 gelang es Umweltschützern, auf die Baustelle zu kommen und einen Blick zu erhaschen auf das riesige Gebäude. Dann war Schluss: Geheimdienstbeamte nahmen ihnen die Kameras ab. Eine Speicherkarte konnten sie retten mit Fotos.

Residenz – Erholungsheim – Putin-Palast?

Eine Schwarzmeer-Residenz für Staatsgäste baue man hier, hieß es zunächst. Dann – ein Erholungsheim für Kinder. Aber schon damals sei klar gewesen, dass da jemand ganz anders einziehen wird. Ein Jahr später tauchten noch einmal Fotos auf: Selfies in protzigen Möbeln – Arbeiter fotografierten sich auf der Baustelle. Dann blieb es lange ruhig um das mysteriöse Anwesen. Es war zu gefährlich, darüber zu berichten.

Bis zu Nawalnys Paukenschlag: Ein zweistündiger Film, mit viel Polemik gegen Russlands Präsidenten. Der habe sich im Amt immer weiter bereichert. Und liebe den Luxus. "Ein Palast für Putin" heißt der Film. Nawalny zeichnet darin ein komplexes Geflecht von Firmen, Scheinfirmen und Putin-Freunden. Ein System von Schmiergeldzahlungen, das den Palast finanziere. Nawalnys Team gelang es, Drohnenaufnahmen zu machen – illegal. Über dem Anwesen gilt Flugverbot. Auf den Bildern soll eine Orangerie zu sehen sein, Weinberge und Flugplätze. Und, als Hügel getarnt, ein unterirdisches Eishockeyfeld.

Er fühlt sich wohl in Bunkern, sagt Nawalny frech, und zeigt ein Tunnelsystem, das zu einem versteckten Aussichtszimmer im Felsen führt. Einer der Bauunternehmer habe ihm die Pläne gesteckt, sagt Nawalny, Möbelfirmen und Bauarbeiter hätten Fotos und Infos geliefert. Aus all dem ließ Nawalnys Team ein virtuelles Modell nachbauen, inklusive Spielzimmer mit Mini-Formel 1-Bahn und Putins angeblichen Privatgemächern. Das Video ging viral.

Protest gegen Putin

Selbst im sibirischen Tomsk riefen sie gestern "Putin ist ein Dieb". Im ganzen Land demonstrierten Zehntausende: das klingt wenig, ist für russische Verhältnisse aber viel. In Moskau wurde Nawalnys Mitstreiterin Ljubow Sobol festgenommen – mitten im Interview.


Den Kreml lässt die Situation nicht kalt, das ist deutlich. Landesweit gab es Festnahmen. Und heute äußert sich tatsächlich Putins Sprecher zum Video über den Palast. Nawalny einfach zu ignorieren scheint nicht mehr zu genügen.

Laut Umfragen hat sich die Angst vor Repressionen in Russland in den letzten beiden Jahren verdoppelt. Auch deshalb gebe es keine Massenproteste, dennoch sei die Unzufriedenheit groß. Längst nicht alle dieser Leute sind Anhänger Nawalnys – aber er hat es geschafft, die Unzufriedenheit, die Proteststimmung im Land zu verkörpern. Und vielen imponiert sein Mut. Gleich mehrere Verfahren laufen gegen Nawalny. Das erste könnte schon Anfang Februar entschieden sein – und ihn für Jahre ins Straflager bringen.

Autorin: Ina Ruck, ARD Moskau

Quellen:

00:00-00:38 Quelle Dmitrij Schewtschenko
01:07-01:28 Quelle ruleaks.net
01.28-02.51 Nawalny-Video youtube
03:13-03.43 Nawalny-Video youtube
04:14-04.31 TVRain
04.44-05.06 Russisches Staatsfernsehen
05.54-06.06Twitter@navalny

Stand: 25.01.2021 09:39 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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