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China: Die Lehren aus Wuhan

PlayWuhan im Angesicht des Corona-Virus.
China: Die Lehren aus Wuhan | Bild: dpa/picture alliance / Cheng Min

Busse – aufgereiht bis zum Horizont. Die neuen Corona Maßnahmen treffen vor allem Dorfbewohner hart. Morgens hatten sie hier die Nachricht bekommen, ihre Sachen zu packen. Mit Kind und Kegel – alle müssen ihr Zuhause verlassen. Nur ihre Tiere bleiben zurück. Wohin sie gekarrt werden, für wie lange? Sie wissen es nicht.

Die zweite Infektionswelle

Dieses Mal wird bei jedem Verdachtsfall, sogar bei jedem Kontakt zu einem Verdachtsfall hart durchgegriffen. Chinas Vorgehen in der Pandemie ist noch konsequenter geworden. Unabhängige Journalisten sind dieses Mal nicht in abgesperrten Gebieten. Solche Videos in den chinesischen Sozialen Netzwerken sind schon nach ein paar Stunden wieder gelöscht. Auch Zensur und Kontrolle hat der Staat jetzt perfektioniert. In den betroffenen Städten sind die Menschen seit zwei Wochen auf ihren in China üblichen Wohnanlagen eingesperrt: in Shijiazhuang elf Millionen Menschen.
Essen können sich die Einwohner an den Eingang zu ihrer Wohnanlage bestellen. Einmal am Tag wird geliefert. Ein Blogger erzählt, dass er seit drei Stunden ansteht. Jeder bekommt den gleichen Inhalt geliefert: Nudeln, eine Auswahl an Obst und Gemüse, eine Fertigwurst und frisches Fleisch. Die zweite Welle ist in der Provinz ausgebrochen, die an Peking angrenzt. Das Machtzentrum der Partei soll um jeden Preis geschützt werden. Ohne Vorwarnung wurde die Stadtgrenze in der ersten Januarwoche vielerorts dichtgemacht. Panik brach aus unter den Pendlern.

Das Stadtzentrum von Peking soll Covid-frei bleiben. Hier sieht da Leben weiter normal aus. Fast überall sind Restaurants und Läden geöffnet. Wer wo hingeht, wird mit der Gesundheits-App genau überwacht. Auch in Peking selbst sind 1,7 Millionen Menschen im Lockdown, denn in der Stadt wurden 49 Fälle identifiziert. Jede Virus-Spur wird ernst genommen.

Virus-Import aus dem Ausland?

In den chinesischen Medien sind Virus-Übertragungen von Objekten auf den Menschen ein großes Thema: Importe aus dem Ausland werden desinfiziert und getestet. Auch Deutschland war zwischenzeitlich in Verruf geraten. Die angeblich infizierten Autoteile seien aus Deutschland eingeführt worden. Wissenschaftler haben Zweifel daran, dass sich Menschen von Virusspuren an Objekten anstecken können.

Zurück in der Elf-Millionen-Stadt Shijiazhuang. Die Einwohner werden alle zwei Tage getestet – eine riesige logistische Aufgabe. Auch muss überwacht werden, dass sich alle an die Regeln halten. Dafür nutzt der Staat die Strukturen der kommunistischen Partei. Im ganzen Land haben nur etwa 2000 Personen COVID-Krankheitssymptome Der Preis dafür ist hoch.

Autorin: Tamara Anthony, ARD Peking

Stand: 25.01.2021 10:01 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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