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Ägypten: Weihnachten bei den Kopten

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Ägypten: Weihnachten bei den Kopten | Bild: BR

Aida Sadiq Shenouda:

»Mir geht es wie den Kindern. Ich bin zwar schon Großmutter, aber in manchen Dingen noch ein kleines Mädchen.«

Egal wie das Jahr war, an Weihnachten muss es funkeln.

Für die Plätzchen ist die Nachbarin Dalia zuständig, sie sei schließlich nicht berufstätig sagt Aida. Aida selbst dagegen arbeitet als Beamtin in der Bezirksverwaltung. Obwohl hier im Viertel viele Christen wohnen, gehört Aida an ihrem Arbeitsplatz zur Minderheit. Während die Moslembrüder das Land regierten, fühlte sie sich ausgegrenzt. Ihrem Sohn Amir ging es genauso.

Amir Tadrus Hanna
Amir Tadrus Hanna | Bild: BR

Amir Tadrus Hanna:

»Als die Moslembrüder den Ton angegeben haben, sind einige meiner Kollegen in deren Partei eingetreten und haben sich wie die Islamisten Bärte wachsen lassen. Nach Mursis Abtritt waren die plötzlich alle wieder abrasiert.«

Aida feiert mit diesem Weihnachten auch das Ende der Moslembrüder-Regierung.

Aida Sadiq Shenouda:

»Du kannst es spüren: Die Leute sind glücklich, und das, obwohl die Umstände immer noch sehr hart sind. Ich sage nicht, dass die neue Regierung alles im Griff hat – überhaupt nicht – aber es wird besser, ich bin erleichtert.«

Aida und ihr Sohn nehmen mich mit zur Kirche. Weit kommen wir allerdings nicht. Ahmad, der Straßenhändler, will der Koptin ein gutes Neues Jahr wünschen. "Hier leben Christen und Muslime friedlich nebeneinander", sagt Aida. Nicht selbstverständlich in Ägypten. Immer wieder gab und gibt es Konflikte, und Politiker, die sich den Hass oder auch die Ängste zu Nutzen machen.

Dieser Tage stehen Warnungen in der Zeitung – die Christen sollten den Weihnachtsgottesdienst besser zuhause vor dem Fernseher verfolgen. Aida und Amir halten sich nicht daran.

Auch ihr Priester lässt sich von möglichen Anschlägen auf Kirchen nicht einschüchtern.

Pater Salib Sawiris
Pater Salib Sawiris | Bild: BR

Pater Salib Sawiris, Kirche St. Georg, Kairo:

»Nicht die Gebäude sind entscheidend, sondern die Heimat. Wenn unsere Kirchen abbrennen sollten, beten wir eben mit den muslimischen Brüdern in der Moschee. Und falls auch die Moscheen nicht mehr stehen, beten wir alle auf der Straße.«

Seit der Absetzung von Präsident Mursi wurden in Ägypten dutzende Kirchen und religiöse Einrichtungen angegriffen, und mehrere Menschen getötet. Die Auseinandersetzung zwischen Militärregierung und Moslembrüdern bedroht die Kopten besonders. Deshalb setzen die ihre Hoffnung auf eine neue Regierung, die irgendwann 2014 gewählt werden soll.

Ich frage Aida, was sie von der neuen Verfassung hält, über die ebenfalls demnächst abgestimmt wird und an der Christen mitgeschrieben haben.

Aida Sadiq Shenouda:

»Die Verfassung ist gut für uns – wir Christen sind sehr zufrieden damit und ich werde am 14. Januar auf jeden Fall dafür stimmen.«

Das Weihnachtsfest als politischer Neuanfang – das hoffen Aida und Amir.

Autorin: Esther Saoub, ARD Kairo

Stand: 15.04.2014 10:36 Uhr

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