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San Francisco: Asiaten erobern die Bay Area

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San Francisco: Asiaten erobern die Bay Area | Bild: BR
Anson Liang und Angela Pan
Anson Liang und Angela Pan  | Bild: Bild: BR

Es riecht nach Peking, schmeckt nach Shanghai und klingt nach Hongkong, doch dies sind die USA! San Franciscos Chinatown zeigt Asiens Einfluss auf Amerika. Als einfache Arbeiter waren im 19. Jahrhundert die ersten Chinesen in die neue Welt gekommen. Ihre Nachfahren feiern ihre Tradition beim Asienfestival mit Tai Qi-Spektakel. Anson Liang und Angela Pan sind vor fünf Jahren aus Singapur eingewandert. Dem Paar war es in der Heimat zu eng.

Anson Liang, Gründer Trustleaf:

»Es war mein Traum, mit eigener Firma im Silicon Valley erfolgreich zu sein! Hier will ich meine Karriere vorantreiben. Die Menschen in San Francisco sind einfach offener, sie tauschen Ideen aus. Sie teilen Ressourcen genauso wie Träume!«

Der Erfolgshunger junger Amerikaner mit asiatischen Wurzeln beflügelt San Franciscos Boom. Für Anson und Angela dreht sich alles um den Aufstieg, sie wollen sich auf dieser Seite des Pazifiks durchsetzen. Und wie viele Zuwanderer aus Asien verbinden sie konservative Werte mit einer erstaunlichen Anpassungsfähigkeit. Sie genießen die kreative Freiheit Amerikas und brauchen doch auch Buddhas Segen.

Anson will ganz nach oben. Er nutzt mit seiner neugegründeten Firma eine von etablierten Konzernen geförderte Bürogemeinschaft für Jungunternehmer im Silicon Valley. Ansons Geschäftsidee: Eine Online-Plattform für Darlehen aus dem Freundes- und Familienkreis. Seine Ziel-Gruppe: Firmengründer wie er selbst. Doch Anson hat von seinem Geschäftspartner Daniel gelernt, dass er hierzulande mit asiatischer Zurückhaltung nicht weit kommt.

Anson Liang
Anson Liang | Bild: Bild: BR

Anson Liang, Gründer Trustleaf:

»Ich möchte extrovertierter sein und anders als dieses Klischee, das uns Asiaten als zurückhaltend und konservativ beschreibt, als Leute, die ihre Ideen lieber für sich behalten anstatt sie mit Freunden, Verwandten und Kollegen zu teilen.«

Unter dem US-Banner mit ungewohnten Freiheiten umgehen und dabei die eigene Tradition bewahren – San Franciscos erfolgreiche Asiaten schaffen diesen Spagat und demonstrieren Selbstbewusstsein beim Asienfestival. Schon ein Drittel der Bevölkerung hat asiatische Wurzeln. Viele Einwanderer und ihre Nachfahren haben sich rasch emporgearbeitet in Amerikas Mittel- und Oberschicht.

Das Leben an der kosmopolitischen Pazifikküste hat viele Asiaten verändert. Nun verändern sie Amerika.

Sportunterricht im Silicon Valley, an der Mission San Jose Highschool. Nirgendwo lässt sich der wachsende asiatische Einfluss deutlicher ablesen. Hier spielen sie besser Tischtennis und Badminton als American Football.

Als Zach Larsen diese Schule besuchte, waren fast all seine Mitschüler Weiße. Heute kommen knapp 90 Prozent der 2200 Schüler aus asiatischen Familien. Der Direktor erzählt, wie dies das Klima verändert.

Zach Larsen
Zach Larsen | Bild: Bild: BR

Zach Larsen, Direktor Mission San Jose High School:

»Die witzeln hier, die Note Zwei sei für Asiaten wie eine Fünf, solche Streberscherze eben. Aber alles in allem arbeiten die Kinder hart und sind einfach sehr, sehr gut. Unser Notendurchschnitt liegt bei etwa Eins minus. Die hängen sich rein und das merkt man!«

Ob Formeln oder Fremdsprachen, hier pauken sie fleißig und wissbegierig. Aber auch der Konkurrenzdruck unter den Schülern ist spürbar und die hochfliegenden Erwartungen vieler asiatischer Eltern. Ihre Sprösslinge sollen die Besten der Besten sein. Konflikte gibt es deshalb kaum, starker Ehrgeiz ist hier normal. Und gegen allzu viel Schulstress gründeten sie eine Selbsthilfegruppe. Denn vor allem Schüler mit asiatischen Wurzeln haben Angst, zu versagen.

Nina Krishnan:

»Ich habe viele weiße Freunde, deren Ehrgeiz konzentriert sich sehr auf Sport. Da wollen sie alles erreichen. Ich stamme von indischen Einwanderern ab. Meine Eltern wollen, dass ich mich aufs Lernen fokussiere.«

Austin Whaley:

»Es ist sehr entspannt hier: außer wenn es um Noten geht! In anderen Schulen spielen die Noten nicht so eine große Rolle. Aber an unserer High School erwarten alle immer eine Eins.«

Andrew Nguyen:

»Wenn ich bei einer Prüfung versage, weiß ich, dass ich meine Eltern enttäusche. Das stresst mich schon sehr….«

Doch im Silicon Valley setzt sich nur durch, wer unbedingten Willen zum Erfolg mitbringt, sich gut verkauft. Branchenriese Microsoft lädt 500 Start Ups zur Präsentation ihrer Geschäftsidee. Auch Anson Liang und sein Partner Daniel Lieser buhlen um die Dollarmillionen der Investoren. Der leise Jungunternehmer aus Singapur ist schon energischer geworden.

Anson Liang, Gründer Trustleaf:

»Wir sind sehr aufgeregt, hier dabei zu sein; eine der wichtigsten Präsentationen im Raum San Francisco. Umso großartiger, dass wir unter die letzten zehn gekommen sind!«

Sie sind heute unüberhörbar, die asiatischen Stimmen im kosmopolitischen Chor Amerikas. Neben neuen Einwanderern wie Anson machen vor allem gebildete Nachkommen der ersten Immigranten Karriere. Die Journalistin Noelle Chun arbeitet erfolgreich bei Motorola. Sie ist in San Francisco geboren, fühlt sich als waschechte US-Bürgerin.

Noelle Chun
Noelle Chun | Bild: Bild: BR

Noelle Chun, Angestellte Motorola:

»Meine Freunde scherzen, dass ich nur noch Amerikanerin sei, weil meine Familie seit fünf Generationen hier lebt. Aber das ist zu einfach, denn ich fühle immer noch eine sehr starke Verbindung zu meiner chinesischen Herkunft, würde allerdings nie behaupten, zu wissen, wie es wäre, Chinesin in China zu sein!«

Fast Food vom Chinesen. Noelles Onkel Douglas bewirtet die Großfamilie. Der Schönheitschirurg hat es zu Wohlstand gebracht, wohnt mit Blick auf die Skyline San Franciscos. Seine Vorfahren waren einst als einfache Arbeiter zum Eisenbahnbau nach Amerika gekommen.

Douglas Chin, Schönheitschirurg:

»Wir sind nicht nur Gäste in diesem Land, wir haben entscheidend zur US-Gesellschaft beigetragen, ob in der Armee oder beim Bau der Eisenbahn.«

Olga Chin:

»Die harte Arbeit haben immer wir Chinesen gemacht, die Iren kamen stets mit den leichten Jobs davon. Immer und immer wieder hat mein Großvater diese Geschichten erzählt. Damals gab es noch sehr viel Diskriminierung….«

Douglas Chin, Schönheitschirurg:

»Aber das Zusammenwirken all dieser Nationen in Amerika ist auch einzigartig! Ich bin überzeugt, dieselben hart arbeitenden Asiaten hätten anderswo nicht dasselbe er-reicht wie hier in den USA.«

Familie Chin beim Essen
Familie Chin beim Essen | Bild: Bild: BR

Familie Chin und viele andere Amerikaner mit asiatischen Wurzeln verbindet eine Mischung aus Stolz und Dankbarkeit. Sie haben viel erreicht und sie wollen mehr: Chinatown symbolisiert die einfachen Jobs von einst. Top ausgebildet soll die nächste Generation der Asiaten in Amerika neue Horizonte erobern.

Autor: Stefan Niemann / ARD Washington

Stand: 05.01.2015 09:30 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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