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Ukraine: Ein Land in Alarmbereitschaft

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Ukraine: Ein Land in Alarmbereitschaft | Bild: BR

Heute Mittag, Hunderte von Ausländern, die in Kiew leben, demonstrieren vor gerührten Ukrainern ihre Solidarität mit dem Land am Rande eines Krieges.

Trauernde Frauen
Trauernde Frauen | Bild: BR

Auch heute sind Zehntausende zum Maidan gekommen.

Die ukrainische Hymne macht ihm noch Schwierigkeiten, aber alle hier hoffen darauf, dass Europäer und westliche Welt ihnen beistehen in diesen Stunden.

"Helden sterben nicht!" rufen sie. Es klingt, als wollten sie sich Mut machen. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass Reservisten einberufen werden, selbst in Janukowitsch-nahen Regionen wie Saparoje sollen sich heute viele Freiwillige gemeldet haben. Doch vor dem Parlament wollen sie, dass jeder Mann mitkämpft.

Ein Kosake:

»Als erstes müssen wir jetzt alle mobilisieren, und allen Waffen geben. Alle müssen bereitstehen. Die sollten allerdings nicht zur Krim gehen – darauf warten die Russen doch nur.«

Wohl aber die Ostukraine verteidigen: Im Parlament heute viele warnende Stimmen: Putin hat sich vorbehalten, in seinem Gespräch mit Obama, Russlands Interessen auch in der Ost-Ukraine zu wahrzunehmen. Das Parlament tagt hinter verschlossenen Türen. Doch die Gerüchte sind schnell. Der Luftraum über der Ukraine wird für Militärmaschinen gesperrt, die Europäer sollen helfen, Ukraines Kernkraftwerke zu schützen, die Weltgemeinschaft soll internationale Beobachter auf die Krim schicken.

Andrej Parubij
Andrej Parubij | Bild: BR

Andrej Parubij, Sekretär Nationaler Ukrainischer Sicherheitsrat:

»Der Generalstabschef und der Kommandeur aller ukrainischen Streitkräfte sollen unverzüglich die Armee und alle angeschlossenen militärischen Einheiten in volle Gefechtsbereitschaft versetzen.«

Premierminister und Übergangspräsident dann Seite an Seite: Ein dringender Appell an Russland, seine Truppen abzuziehen. "Wir stehen am Rand einer Katastrophe", sagt Jazenjuk.

Ein Rekrutierungsbüro des Verteidigungsministeriums: Keine langen Schlangen, aber alle paar Minuten ein Freiwilliger.

Ist er wirklich bereit, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen?

Viktor
Viktor | Bild: BR

Viktor, Manager, 29 Jahre:

»Ja, wenn es keinen anderen Ausweg gibt, dann dürfen wir uns doch nicht verstecken. Wenn die uns angreifen, müssen wir würdig antworten…«

Er ist Top-Manager, sagt er, der nächste Freiwillige Automechaniker.

Sergej, Automechaniker:

»Alle Ukrainer, die noch können: Kommt, verteidigt euer Land. Ihr dürft keine Angst haben. Die Russen sind unsere Brüder, aber sie sind völlig falsch informiert.«

Eine Reihe Soldaten marschiert an einem Gebäude entlang
Eine Reihe Soldaten marschiert an einem Gebäude entlang | Bild: BR

Das Verteidigungsministerium in Kiew gibt keine neuen Erklärungen. Doch alle wissen: 140.000 Mann, die Mehrheit Berufssoldaten – das ist nicht viel gegen eine russische Streitmacht, auch wenn sich jetzt viele Reservisten melden.

Kerzen, Blumen und Fotos von Männern
Kerzen, Blumen und Fotos von Männern | Bild: BR

Aber hier waren wir doch auch in der Minderheit, sagen viele, und haben es trotzdem geschafft, dank all der mutigen Verteidiger. Aus Dankbarkeit und Trauer speist sich heute auf dem Maidan eine fast trotzige Durchhaltementalität. Dann werden eben Partisanen die Russen vertreiben, sagen die Jungen, und nur die Alten erinnern sich noch, welches Leid solch ein ungleicher Kampf tatsächlich bringt.

Autor: Udo Lielischkies, ARD Moskau

Stand: 15.04.2014 10:45 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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