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USA: Texaner fordern Unabhängigkeit

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USA: Texaner fordern Unabhängigkeit | Bild: BR
Eine Straße in Gonzales
Eine Straße in Gonzales | Bild: BR

Gonzales ist die Heimat der texanischen Revoluzzer. Tapfere Cowboys schlugen hier die Mexikaner in die Flucht, als die versuchten, das Städtchen zu entwaffnen. Das war 1835. Heute wollen sie wieder eine Revolution anzetteln. Es gilt, ihre Heimat vom fernen Washington zu befreien. Texas soll endlich wieder eine unabhängige, stolze Nation sein!

Der schwarze Mann im Weißen Haus beschert den Abtrünnigen enormen Zulauf. Viele Texaner können Präsident Obama nicht mehr sehen, seine liberale Politik kaum noch ertragen.

Seit seiner Wiederwahl steht für Tommy, Norman und Dave fest: Amerika geht den Bach runter. Die Männer gehören zum Texas Nationalist Movement. Hauptquartier der Nationalisten ist die Redaktion der Lokalzeitung Gonzales Cannon, Reporter Dave Mundy ihr Wortführer.

»"Texas war von 1836 bis 1845 schon mal ein unabhängiger und anerkannter Staat. Das können wir wiederholen: schließlich haben wir 28 Millionen Einwohner, sind die zwölftgrößte Wirtschaft der Welt!" Dave Mundy, Texas Nationalist Movement«

Die Abtrünnigen fühlen sich stark, stark genug, den USA good bye zu sagen.

Tommy Kidd
Tommy Kidd | Bild: BR

Dave, Norman und Tommy würden Texas sofort befreien von Washingtoner Tyrannei, all den überflüssigen Behörden.

»"Die Umweltschutzbehörde, den Heimatschutz, weil sie ihre Kompetenzen weit überschreiten, und abschaffen würde ich auch all diese Sozialprogramme.“ Tommy Kidd, Texas Nationalist Movement«

Die Flagge mit dem einsamen Stern soll wieder ihr Nationalbanner werden. Und natürlich brauchen sie eine Armee, schon wegen der Grenze zu Mexiko.

Reporter Dave Mundy hat die Fahnen eingepackt. Es geht nach Austin. Ausgerechnet in der liberalen Hauptstadt von Texas wollen die Nationalisten heute um Unterstützung werben. Sie hoffen, dass ihre Demonstration nicht von allzu radikalen Randgruppen gestört wird.

»"Die bewaffneten Bürgerwehren, die wollen wir nicht dabeihaben. Und auch all die Rassisten, die dem alten Süden nachtrauern, die meiden wir auch. Wir sind inzwischen viel gemäßigter geworden.“ Dave Mundy, Texas Nationalist Movement«

Liberale Lunchladies
Liberale Lunchladies | Bild: BR

Trotzdem könnte es ungemütlich werden in Austin. Denn in der Hauptstadt will die Mehrheit keine Abspaltung von den USA. Vor allem linke Feministinnen bilden eine selbstbewusste Gegenbewegung: Frauenpower auf texanisch. "Liberale Lunchladies“ nennt sich diese Truppe. Ihre schärfste Waffe ist das Wort:

»"Diese abtrünnigen Jungs sind wirklich zu doof zum Mäusemelken! Gott segne sie.“«

»"Kurz gesagt: die sind echt engstirnig! Mag sein, dass sie Obama politisch ablehnen oder sie sind Rassisten! Tut mir Leid, dass ich das sage, aber so fühlt es sich oft an.“«

»"Wir hier in Austin haben schon damit gedroht, dass wir uns von Texas abspalten, wenn Texas die USA verlässt. Dann machen wir uns eben auch unabhängig!”«

Die Frauen von Austin beschließen, die angereisten Separatisten einfach zu ignorieren. Dave und seine Gesinnungsgenossen zeigen trotzdem Flagge: ein paar Hundert sind gekommen, darunter viele Waffenfetischisten:

»"Wir Texaner lieben unsere Waffen. Wir wollen sie nicht verstecken müssen und lassen sie uns auch nicht von irgendwem wegnehmen.“«

»"Ohne unsere Waffen wären wir doch wie ein Drittweltland und nur noch Sklaven.“«

»"Inzwischen diktiert Washington uns Texanern doch, was wir hier tun dürfen und was nicht!“«

Daniel Miller
Daniel Miller | Bild: ^BR

Auch frustrierte Tea Party-Konservative haben sich angeschlossen. Nach der verlorenen US-Wahl setzen sie nun auf Texas und auf ihn: Daniel Miller, glatzköpfiger Führer der Nationalisten.

»"Texas ist ein freier und unabhängiger Staat!“ Daniel Miller, Vorsitzender Texas Nationalist Movement«

Sie jubeln ihrem Frontmann zu. Das ist der Stoff, über den Lokalreporter Dave am liebsten schreibt.

Nun wollen die motivierten Abtrünnigen ihren Volksvertretern den Marsch blasen. Die sollen wenigstens ein unverbindliches Referendum zur Abspaltung von den USA zulassen. Doch auf den steilen Treppen des Parlaments geht einigen Revoluzzern die Puste aus. Die Freiheitskämpfer wirken wie eine brave Besuchergruppe, sind ganz verzückt beim Anblick einer Senatorin:

Donna Campbell ist erzkonservative Republikanerin, aber von einer Abspaltung will sie nichts wissen. Geschmeidig verspricht sie den Separatisten, Texas’ Interessen stets zu wahren. Ein warmer Händedruck - auf Wiedersehen!

Texas-Separatistin mit Flagge
Texas-Separatistin mit Flagge | Bild: BR

Die große Revolution ist erst mal vertagt, müde fahren die Freiheitskämpfer nach Hause.

Bei tröstlicher Countrymusik und einem ordentlichen Schluck im heimischen Saloon: Manöverkritik. Ist es vielleicht doch noch zu früh für die Unabhängigkeit, die Zeit noch nicht reif für die Republik Texas? Dave Mundy und die Seinen sind zufrieden mit dem Tag in Austin. Ihre Demo sei ein wichtiger Weckruf gewesen für wahre Patrioten.

»"Immer mehr Texaner wachen auf und stellen fest: wir müssen was tun! Viele glauben immer noch, sie könnten das System ändern, aber ihnen ist nicht klar, dass das nur in Texas geht, nicht in Washington. Deren System wird bestehen, bis jemand einen militärischen Umsturz wagt.“ Dave Mundy, Texas Nationalist Movement«

Für einen bewaffneten Ritt ins verhasste Washington fehlen ihnen dann doch noch ein paar Freiwillige. Die Obama müden Cowboys von Gonzales werden sich weiter gedulden müssen.

Vielleicht kommt sie ja eines Tages doch, die Volksabstimmung. Dann wird sich zeigen, wie viele Texaner sich am Ende wirklich trauen, aus dem Staatenverbund USA auszuscheren und einen eigenen Weg zu finden.

Autor: Stefan Niemann / ARD Washington

Stand: 22.04.2014 14:13 Uhr

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