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Griechenland: Mit Windkraft zur "Batterie Europas"

PlayDer kleine Hafen einer Insel
Griechenland: Mit Windkraft zur "Batterie Europas" | Bild: BR

Die Kykladeninsel Amorgos – ein Naturparadies und Geheimtipp unter Individualurlaubern. Aber das wird es wohl nicht bleiben.

Akis und Elena machen sich früh am Morgen vom Hafenort Katapola auf den Weg, um die Inselbewohner über die Pläne der Regierung aufzuklären. Sie sind Teil einer Bürgerbewegung. Die beiden wollen uns mit auf die Inseln nehmen.

70 Windräder mit 150 Metern Höhe

Auf dem unberührten Bergrücken von Amorgos sollen über 70 Windräder mit einer Höhe von mehr als 150 Metern errichtet werden, hintereinander aufgereiht über die gesamte Länge der Insel. Die Wenigsten hier wissen, was wirklich geplant ist.

Wir fahren nach Kinaros, eine Stunde östlich von Amorgos. Auch hier sollen Windanlagen errichtet werden. Kein Problem, sagen die offiziellen Stellen, die kleine Felseninsel sei unbewohnt. Aber das stimmt nicht: Irini ist hier aufgewachsen und lebt seit dem Tod ihres Mannes allein auf der Insel. Man kennt sie und viele schauen nach ihr. Einmal pro Woche kommt sogar ein Versorgungsschiff. Und trotzdem existiert sie offiziell für die Behörden nicht. Ohne ihre Tiere will sie nicht weg – sie hat zwei Dutzend Hühner und eine Ziege. Aber wo sollen sie hin, wenn die Windräder kommen?

Energiewende in Griechenland

Die griechische Regierung will den Ausbau erneuerbarer Energien mit aller Kraft vorantreiben und hat während des Lockdowns ein Gesetz geändert. Dadurch können Windkraftwerke wesentlich schneller und ohne komplizierte Genehmigungsverfahren gebaut werden – sogar in Naturschutzgebieten.

Wir erreichen Levitha: was hier geplant ist, stellt noch das Vorhaben von Kinaros in den Schatten: 30 Windräder sollen auf der Insel aufgestellt werden. Und wieder sagen die Behörden, die Insel sei nicht bewohnt. Dabei lebt die Familie Kamposos seit 200 Jahren hier. Sie erzeugen sogar ihren eigenen Strom aus Wind und Sonne. Die Söhne bewirtschaften die Felder – so ist es seit zwei Jahrhunderten, seit die Familie von Patmos hierherzog. Weil die Lebensbedingungen hier besser waren. 13 Menschen leben im Sommer zusammen auf dem Hof. Im Winter ziehen die Kinder mit den Verwandten nach Patmos und die Brüder versorgen die Landwirtschaft allein. Jetzt sollen sie plötzlich nicht mehr existieren.

Unternehmen als Gewinner

Es profitieren viele von den Windkraftplänen: Griechische Baufirmen erschließen die Inseln und gießen Betonfundamente. Dann kommen die Unternehmen zum Zug, die Windkraftanlagen bauen, hauptsächlich Firmen aus dem Ausland, auch aus Deutschland.

Zurück in Amorgos. Die unberührte Landschaft ist beliebt bei Individualurlaubern. Wanderwege durchziehen die Insel und bieten spektakuläre Ausblicke.

Hier machen sie sich besonders große Sorgen, denn wer kommt noch, wenn sich auf dem gesamten Bergrücken Windrad an Windrad reiht. Im Café von Yorgos, der auch Bergführer ist, das Gesprächsthema Nummer eins: "Einige Wandergruppen aus verschiedenen Ländern, auch aus Deutschland, haben mich schon besorgt angerufen, weil ja für die Windräder Straßen gebaut werden, die die Wanderwege auf Amorgos zerstören."

Yorgos kennt jeden Winkel der Insel. Besonders gerne führt er Urlauber zu dem berühmten Felsenkloster im Osten der Insel. Die Klippen sind spektakulär und dienten schon öfter als Filmkulisse. Doch ob es diesen Ausblick in zehn Jahren noch geben wird, ist derzeit ungewiss.

Autorinnen: Anja Miller, ARD Rom und Anna Küch, BR

Stand: 25.10.2020 20:19 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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