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Indien-Schnappschuss: Warum tragen Frauen Kuhmasken?

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Indien-Schnappschuss: Warum tragen Frauen Kuhmasken? | Bild: NDR

Auf dem Ganges bei Kalkutta, vor dem Unabhängigkeitsdenkmal oder vor dem India Gate in Delhi: Frauen mit Kuhmasken. Jeden Tag werden hier vor dem India Gate Tausende von Fotos geschossen. Hochzeiten, Touristen, Schulklassen. Keines hat so viel Aufmerksamkeit erregt wie das von der Frau mit der Kuhmaske. Aber warum trägt die Frau auf dem Bild überhaupt diese Kuhmaske? Sujatro Ghosh ist 23 Jahre alt. Von ihm stammt die Fotoserie. Gosh sagt, er sei Fotograf, Aktivist und Feminist. Mit seiner Kampagne will er zeigen: Frauen sind in Indien weniger Wert als Kühe. "Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kühe geschützt werden, aber Frauen nicht", erzählt er. "Das ist mein Protest dagegen. Wenn wir Kühe beschützen können, warum dann nicht auch Frauen?"

Schnell ein Handy-Bild und gleich wieder weg

„Einige Leute schrieben, ich solle gelyncht werden“, sagt der 23-Jährige.
„Einige Leute schrieben, ich solle gelyncht werden“, sagt der 23-Jährige. | Bild: NDR

Seine Fotoshootings gleichen Guerilla-Aktionen. Schnell ein Handy-Bild und gleich wieder weg, bevor es Ärger gibt. Denn Kühe sind den Hindus äußerst heilig. Rindfleischesser wie zum Beispiel Muslime werden schnell zu Feinden. In solchen Propaganda-Videos brüsten sich Extremisten damit, Muslime zu verprügeln, weil sie Kühe geschlachtet haben sollen. Selbst vor Lynchmorden schrecken die extremistischen Kuhschützer nicht zurück. Auch Sujatro Ghosh hat für sein Fotoprojekt schon Drohungen erhalten. "Einige Leute schrieben, ich solle gelyncht werden und auch die Frauen, die ich fotografiert habe", erzählt er. "Unsere Körper sollten an Fleischesser verfüttert werden. Das ist ziemlich erschreckend."

Cleverer Schachzug in der hysterischen Kuhdebatte

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich die Fotos millionenfach.
In den sozialen Netzwerken verbreiten sich die Fotos millionenfach. | Bild: NDR

Die Fotos von Sujatro Ghosh haben offenbar einen Nerv getroffen. In den sozialen Netzwerken haben sie sich millionenfach verbreitet. Ein cleverer Schachzug des jungen Fotografen, die hysterische Kuhdebatte mit der Frage der Gewalt gegen Frauen zu verbinden. Dieses Thema schwappt sonst nur bei besonders grausamen Vergewaltigungen an die Öffentlichkeit und führt dann zu Protesten. Häusliche Gewalt aber, unter der Frauen in Indien besonders leiden, wird tabuisiert. Indira Basu will das ändern, deshalb stand sie bei der Fotoaktion Modell. "Das sogenannte moderne und fortschrittliche Indien versteckt gerne die Gewalt", sagt sie. Aber es gibt sie vor allem hinter verschlossenen Türen und in den Familien. Über Missbrauch von Frauen wird öffentlich überhaupt nicht gesprochen."

Und so fotografiert Sujatro Ghosh weiter provokante Bilder, um seine Landsleute aufzurütteln.

Autor: Peter Gerhardt, ARD-Studio Neu Delhi

Stand: 16.07.2019 07:08 Uhr

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