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Iran: Wie viele Tote gab es bei den Unruhen wirklich?

PlayDemonstranten blockieren eine Straße im Iran.
Iran: Wie viele Tote gab es bei den Unruhen wirklich? | Bild: picture alliance / abaca

Präsident Ruhani hat das subventionierte Benzin auf 60 Liter im Monat rationiert und verteuert. Wer mehr tanken will, muss sogar das Dreifache bezahlen. Wegen der Benzinpreiserhöhungen kam es zu landesweiten Protesten. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten soll es nach Angaben staatlich kontrollierter Medien im Iran neun Tote gegeben haben.

Arian hat vor zwei Jahren auch im Iran demonstriert, wurde zusammengeschlagen und verhaftet. Dann kam er nach Deutschland. Und hat Asyl bekommen. Er erzählt, dass sich die Proteste im Iran sehr von den letzten Aufständen 2018 unterscheiden. Die Bevölkerung ist heute noch erschöpfter bedingt durch Armut, US-Sanktionen und korrupte Politiker und deren Missmanagement, sagt er. "Der Unterschied ist, dass die Proteste von Mal zu Mal aggressiver werden. Die Menschen sind es leid. Dementsprechend brutaler reagiert das Regime bei den Protesten jetzt."

"Habt keine Angst", ermutigen sich die Demonstranten auf den Straßen gegenseitig im Iran. "Wir sind alle zusammen." Sie wissen, warum sie Mut brauchen. Die Sicherheitskräfte gehen gegen sie vor. Sie zeigen kein Erbarmen, schießen mit scharfer Munition. Augenzeugen berichten selbst aus Hubschraubern heraus, rein in die Menge. Amnesty International spricht von mehr als 100 Toten. Die Islamische Republik von neun Toten.

Immer mehr Handvideos zeigen Tote. Ein junge Mann war gemeinsam mit seiner Mutter demonstrieren. Dann – keine Bilder mehr. Das Internet wird gesperrt, totaler Shutdown.

Fünf Tage lang haben 80 Millionen Menschen im Iran kein Internet. Es soll damit verhindert werden, dass Informationen, Bilder und Videos von den Protesten verbreitet werden. Nach einer Woche zeigt das Staatsfernsehen den Generalstaatsanwalt und gibt bekannt, dass die Anführer der Unruhen in den Großstädten identifiziert und verhaftet worden sind. Die Drahtzieher kämen aus dem Ausland. 

"Das stimmt einfach nicht", sagt Arian. "Wenn die Menschen Hunger haben, dann schreien sie auf. Wenn Du kein Brot hast zum Essen, kein Gehalt mehr, dann braucht es niemanden, der dir sagt: 'Komm auf die Straße und demonstriere.' Du gehst von selbst auf die Straße und schreist. Diese Unterstellungen sind Lügen und Gehirnwäsche, das wollen sie so über das Staatsfernsehen den Menschen einreden. Aber es stimmt einfach nicht.

Autorin: Natalie Amiri, ARD Teheran

Stand: 25.11.2019 10:53 Uhr

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