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Israel: Aussöhnung durch Begegnung

PlayBlick durch zerstörte Fensterscheibe auf Uri Jeremias (Uri Buri)
Israel: Aussöhnung durch Begegnung  | Bild: SWR

Aussöhnung durch Begegnung. Das ist der Leitgedanke von Uri Jeremias. Das war auch der Gedanke, als er vor vielen Jahren das weltberühmt Fischlokal Uri Buri in alten Hafen von Akko in Israel eröffnete. Jüdische und arabische Israels arbeiten dort seit jeher zusammen. Ein Platz der Gemeinsamkeit, in einer Region, in der viele das Trennende betonen und so regelmäßig blutige Konflikte schüren. So auch vor rund zwei Monaten, als tausende Raketen von Gaza auf Israel abgefeuert wurden und die israelische Armee ihrerseits Gaza beschoss. In Israel veränderte sich etwas: Menschen, die bis dahin mehr oder weniger gut zusammengelebt hatten, begegneten sich mit offenem Hass. Das Restaurant Uri Buri wurde angezündet. Aber Uri Jeremias wäre nicht er, wenn er sich vom Hass abhalten lassen würde. Während sein abgebranntes Restaurant wieder aufgebaut wird, hat er im Industriegebiet von Akko ein "Pop Up" eröffnet. Damit seine Mitarbeiter Arbeit haben und es weiter Raum für Begegnung gibt.

Das Symbol der Aussöhnung in Trümmern

Uri Buri mit Angestellten in der Küche
Hier arbeiten Juden, Muslime und Christen zusammen | Bild: SWR

Seine Eltern sind aus Nazi-Deutschland geflohen. In seiner Küche arbeiten Juden, Muslime, Christen. Er bietet gerne ungelernten Menschen eine Chance. Denn Uri ist selbst Autodidakt. Seine Rezepte: Aromatisch, raffiniert. Aus Zutaten verschiedener Kontinente. Seine Gerichte lieben sowohl arabische wie auch jüdische Israelis. Seine Gäste kommen aber auch, weil Uri Buri eine Insel der Aussöhnung und des gegenseitigen Respekts geschaffen hat. In einer Region, in der viele das Trennende betonen. "Ich sage, wenn einer ein Pessimist ist sein ganzes Leben, und am letzten Tag seines Lebens erfährt, dass er falsch war. Versaut er ein ganzes Leben und wenn jemand ein Optimist war sein ganzes Leben und am letzten Tag erfährt, dass er falsch war, hat er einen Tag versaut."

Restaurant mit Brandschäden
Restaurant und Hotel wurden angezündet  | Bild: SWR

Am 11. Mai schienen Hass und Pessimismus zu siegen. Uri Buri ist in allen Nachrichten. Sein Restaurant im Hafen von Akko brennt lichterloh. Auch sein nahes Hotel wird angezündet. Sinnbild für die jüngste Eskalation zwischen Palästinensern und Israelis. Die Hamas in Gaza hat einen Krieg mit Israel provoziert. Und während Raketen und Bomben abgefeuert werden, kommt es innerhalb Israels zu bürgerkriegsähnlichen Szenen. Am Tag danach steht Uri Buri vor den Trümmern seines Lebenswerks. Aus dem Restaurant konnten sich alle retten. Zu diesem Zeitpunkt, weiß er noch nicht, dass einer seiner israelischen Hotelgäste Wochen nach dem Brand an den Verletzungen verstirbt. "In diesem Fall haben die Radikalen ihr Spiel gespielt und Uri Buri als ein Symbol von Koexistenz war eines der ersten Ziele, die sie genommen haben, um ein Echo zu bekommen weltweit. Nicht, dass es mental eine leichte Sache ist, aber ich habe immer noch die Kraft und die Sucht, zu zeigen, dass es doch geht und dass wir doch zusammenleben können und müssen."

Ein Pop-Up-Restaurant für den Übergang

Arabische Jugendliche haben das Feuer gelegt. Aber für Uri Buri zählt viel mehr, dass seine arabischen Nachbarn und seine Mitarbeiter gekommen sind, um beim Aufräumen zu helfen. Einer davon ist Ahmad Abu Hadra. Zweieinhalb Monate später arbeitet er schon wieder als Souschef im Pop-Up-Restaurant, das Uri Buri im Industriegebiet eröffnet hat. "Das hier ist für mich viel mehr als nur ein Arbeitsplatz, das ist meine Familie, meine zweite Heimat, das ist mein Leben. Schwer zu beschreiben, was ich am Tag des Brandes gefühlt habe. Es war so unsagbar traurig."

Uri Buru
Uri Buri macht weiter  | Bild: SWR

Bis das ausgebrannte Restaurant und das Hotel wiedereröffnet werden können, beschäftigt Uri Buri alle seine Leute in diesem Pop-Up. Dank ihm konnten sie relativ schnell in ihren Alltag zurückfinden. Für die Stadt Akko gilt dies bisher nicht, wie seine jüdische Mitarbeiterin Daphne erzählt. "Auf den ersten Blick hat sich Akko nicht verändert. Aber die Leute fragen mich jetzt, ob ich dort Angst habe. Man merkt, die Sicht der Menschen auf die Stadt ist anders." Am Tag nach dem Brand war Daphne an Uri Buris Seite, als sie mit einem Sachverständigen den Schaden im Hotel besahen. Das "Efendi" ist sein Lebenstraum. "Entstanden aus ottomanischen Palästen, die er liebevoll restaurieren ließ. Als die Brandsätze nachts durchs Türfenster ins Foyer geworfen werden, ist es ausgebucht. Nachbarn löschen das Feuer, bevor es auf die oberen Stockwerke übergreifen kann."

Heute ist der Schaden weitgehend repariert. Uri Buri will das Hotel in drei Monaten wiedereröffnen. Aber dass einer seiner Gäste an den Brandfolgen gestorben ist lässt ihm keine Ruhe. Gerade deshalb will er nicht aufgeben, weiterhin Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zusammenbringen, ihnen eine Perspektive bieten und Orte schaffen, an denen sie sich mit Respekt begegnen können.

Autorin: Susanne Glass, ARD-Studio Tel Aviv

Stand: 26.07.2021 08:48 Uhr

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