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Israel: Die strengen Regeln der ultraorthodoxen Juden

Liebe, Sex, Tabu – weltweit

PlayFrau und Mann an einem Esstisch
Israel: Die strengen Regeln der ultraorthodoxen Juden | Bild: BR / Susanne Glass

Ein kurzes Lächeln, mehr gibt es nicht zur Begrüßung. Umarmung oder Küssen vor anderen – das ist tabu. Denn die 45-jährige Rivka und der 48 Jahre alte Itzhak Ravitz lieben und leben strikt nach den religiösen Gesetzen ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde. Sie haben vor 25 Jahren geheiratet – ohne sich vorher gekannt oder gar geliebt zu haben.

Nur wenige Treffen und die Ehe war beschlossene Sache. Berührungen sind bei solchen Treffen nicht erlaubt. Wenn man sich in religiösen Vierteln umsieht, in Parks oder Hotellobbys, fallen sie auf – die jungen ultraorthodoxen Männer und Frauen – bei ihrer Art von Speeddating – vermittelt durch Matchmaker wie Tami Mittelman.

Vermittelte Heiraten

Die Heiratsvermittlerin hat auch für eine von Rivkas Töchtern einen Mann gefunden. Für sie ist das eine heilige Aufgabe, eine Berufung: "Was das erste Treffen angeht, gibt es bestimmte Gepflogenheiten: Normalerweise dauert es ungefähr anderthalb bis zweieinhalb Stunden. Es ist ein Treffen, um sich überhaupt kennenzulernen. Wenn einen der beiden irgendetwas stört, ist gleich klar, dass es keine Fortsetzung geben wird. Wenn beide den Wunsch haben, weiterzumachen, geht man zu einem zweiten Treffen über."

Und wenn es nicht klappt, sucht Tami in ihren Notizen nach einem neuen Match. Damit es so weit gar nicht erst kommt, will sie vorher so viel wie möglich über die jungen Frauen und Männer erfahren. Am Anfang des Prozesses spricht sie mit den Müttern, die Partner für ihre Söhne und Töchter finden wollen. Wie sie die Dienste der Heiratsvermittlerin entlohnen – mit Geschenken oder Entgelt – entscheiden die Eltern. Die Heiratsvermittlung beginnt, wenn die Kinder etwa 18 Jahre alt sind.

Oft sind es wie bei Rivka und Itzhak wenige Treffen bis zur Verlobung. Vor 25 Jahren haben sie ihre Hochzeit gefeiert. Männer und Frauen getrennt – nur zur Vermählung kommt das Paar zusammen.

12 Kinder – mehr als die 6,7 Kinder Durchschnitt

Wenn Rivka etwas anspricht, was die Kinder nicht hören sollen, sagt sie es auf Englisch. Allerdings versteht es dann auch der Ehemann nicht. 12 Kinder haben sie mittlerweile, die älteste Tochter ist 25, der jüngste zwei Jahre alt. Ultraorthodoxe Frauen in Israel bekommen im Schnitt 6,7 Kinder. Rivka sagt, das Geheimnis für die Leidenschaft liege in der Mikwe, dem rituellen Reinigungsbad. Dorthin gehen verheiratete Frauen einmal im Monat - nach ihrer Periode.

Rivka und Itzhak leben mit ihrer Familie in Kiriat Jearim. Itzhak ist Bürgermeister des kleinen Ortes westlich von Jerusalem. Zu seinen Aufgaben gehören auch Schulbesuche.

Seit ihrer Kindheit leben sie nach diesen strengen Regeln, die auch das Zusammenleben zwischen Mann und Frau vorgeben. Für sie ganz wichtig: der Donnerstagabend nur zu zweit. Rivka: "Das ist nicht immer so romantisch. Wir gehen einfach zusammen was essen, manchmal sehen wir uns davor den Sonnenuntergang am Meer an." Itzhak: "Egal wo wir uns befinden, wir haben immer sehr viel, worüber wir reden wollen. Manchmal sitzen wir einfach im Auto, trinken Cola Zero und unterhalten uns."
Das Donnerstagsritual ist aber nur der zweitwichtigste Grund, warum ihre Lust und Liebe weiterbestehen. Der wichtigste: Die zweiwöchige Enthaltsamkeit. Und wer weiß, vielleicht wächst Rivka und Itzhaks Familie ja noch weiter – für sie wäre das ein Geschenk Gottes.

Autorinnen: Susanne Glass und Sophie von der Tann, ARD Tel Aviv

Stand: 21.02.2022 00:17 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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