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Japan: Wie lebt es sich im Puppendorf?

PlayEntdeckt – Japan: Was ist ein Puppendorf?

Klaus Scherer: "Es ist ein etwas abgelegenes Dorf in Japans malerischem Süden, in das wir unterwegs sind. Es hat vor Jahren auf sich aufmerksam gemacht, weil ein Teil seiner Bewohner Puppen sind. Inzwischen stellen sie im Dorf sogar die Mehrheit. Deshalb wollen wir wissen: Wie lebt es sich denn so, im Puppendorf?"

Die Frage geht an Frau Ayano, die all die Figuren herstellt. An wem arbeitet Sie gerade? "Eine Oma wird das, deshalb nähe ich die Wangen ab. Das macht alt", erklärt Tsukimi Ayano, Puppennäherin.

Entdeckt – Japan: Tsukimi Ayano ist die Puppennäherin und Erfinderin des Puppendorfes
Entdeckt – Japan: Tsukimi Ayano ist die Puppennäherin und Erfinderin des Puppendorfes

Baumwolle, Wattefüllung, ein bisschen Sperrholz. Später dann die Kleider. Angefangen hatte alles mit einer Vogelscheuche gegen die Krähen im Garten, vor 18 Jahren. Seitdem wurden es hunderte Puppen. "Bald kamen erste Besucher und blieben stehen. So kam wieder Leben ins Dorf", so Tsukimi Ayano.

Tatsächlich half bisher kaum etwas gegen das Dörfersterben hier oben. Der Bus bleibt leer. Kaum 30 Leute leben hier noch, obwohl die Haltestelle voll ist. Früher hätten wir hier da noch nett in die Runde gefragt. Frau Ayano kannte sie alle. Und ersetzte bald jeden, der weggezogen oder gestorben war.

Puppen gegen Einsamkeit

"Das war mein Großvater, er rauchte immer. Sogar sein Gesicht wusch er sich einhändig und rauchte", erzählt Tsukimi Ayano. Da gab es noch eine Post und Arbeit, sagt sie. Sogar einen Tabakladen und ein Badehaus. Irgendwann aber fiel alles aus der Zeit. Selbst ihre Puppen ersetzt sie alle zwei Jahre, bevor sie vergammeln. Die Dorfschule. Die letzte Klasse, die hier abging, zählte nur noch zwei Schüler. Abgewandert wie so viele. "Alle weg", sagt Frau Ayano. Das Leben von einst, als Puppenstube. Einmal im Jahr immerhin, kommen nun manche zurück, zum Puppenfest. "Dann tanzen wir wieder wie in den alten Zeiten", sagt uns Frau Ayanos Nachbar.

"Wir tun unser Bestes gegen die Einsamkeit. Und die Puppen helfen dabei, nicht nur bei dem Fest. Sie verbinden uns mit der Welt", sagt Tsukimi Ayanos, Nachbar. In der Tat, sogar aus Hong Kong und Amerika reisten zuletzt Puppenfreunde an.

"So, nun hinterlässt man als Gast ja gerne ein persönliches Geschenk, das machen auch wir, persönlicher geht es gar nicht. Wir hinterlassen mich", erklärt Klaus Scherer. Eine Auftragsarbeit, nach Fotovorlage und Körpermaßen. Ich bin hingerissen. Oder: "happy", wie Frau Ayano. Der erste Reporter im Puppendorf Nagoro. Immer gern, es ist uns eine Ehre.

Autor: Klaus Scherer

Stand: 04.11.2019 10:56 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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