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Mali: Überfordert: Krankenhäuser im Ebola-Grenzgebiet

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Mali: Überfordert: Krankenhäuser im Ebola-Grenzgebiet | Bild: NDR
Warnschild zu Ebola im afriaknischen Liberia.
Der Ebola-Virus breitet sich weiter aus. | Bild: picture alliance / dpa

"Bauchschmerzen, Malaria, sexuelle Probleme? Ich kann Euch helfen, ich bin der beste Arzt in der Stadt!" Sekou Cisse mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Der traditionelle Heiler hat in dem kleinen Ort Kourémalé an der Grenze Mali zu Guinea gut zu tun. Mithilfe seines Gebräus seien die Magenbeschwerden in fünf Stunden vorbei, verspricht Sekou Cisse dem Metzger des Ortes. Umgerechnet zwei Euro verlangt er für seine Heilkunst - für viele Menschen hier ein Tageslohn.

Ob er schon von der Ebola-Epidemie im Nachbarland gehört habe, fragen wir ihn. "Ja, aber ich habe noch nicht die Gelegenheit gehabt, einen Ebola-Kranken zu treffen. Ich glaube an meine Medizin und bin überzeugt, dass ich helfen könnte."

"Wir haben große Angst"

Dr. Berthe arbeitet als Arzt in Kourémalé.
Dr. Berthe arbeitet als Arzt in Kourémalé.  | Bild: NDR

Nicht weit entfernt liegt die staatliche Gesundheitsstation. Leiter Dr. Berthe ist ein vielbeschäftigter Mann. In der Malaria-Hauptsaison zwischen Juli und November werden die Kinder einmal im Monat untersucht und kostenlos mit Medikamenten versorgt. Denn gegen Malaria können die Ärzte etwas tun. Und: Es ist es nicht ansteckend.

Gegen Ebola gibt es keine Prophylaxe und Dr. Berthe mag sich gar nicht ausmalen, was wäre, wenn er hier in Kouremale plötzlich mit der Epidemie zu kämpfen hätte: "Wir haben Angst, große Angst, dass Ebola herkommt. Aber was sollen wir machen? Heute habe ich hier glücklicherweise nur Kinder aus Mali gesehen, aus Guinea sind keine Mütter und Kinder dabei. Das beruhigt mich ein bißchen."

Wir schaffen so eine Krise nicht alleine

Ein Mädchen wird in Kourémalé untersucht.
Ein Mädchen wird in Kourémalé untersucht - noch gab es keine Ebola-Fälle. | Bild: NDR

Auch Aichata Coulibaly ist mit ihren beiden jüngsten Kindern zur Malaria-Prophylaxe gekommen. Die vierjährige Fanta schluckt den bitteren Saft tapfer. Von Ebola haben sie hier alle schon gehört und Mama Coulibaly weiß dank Dr. Berthe, wie sie sich vor der Krankheit schützen muss: "Um kein Ebola zu bekommen, muss man sich regelmäßig die Hände waschen, keine schmutzigen Sachen anfassen, kein Wildfleisch essen und nicht zu Beerdigungen gehen. Daran halten wir uns."

Aichata und ihr Mann Ndji leben vom Handel mit dem von der Epidemie betroffenen Nachbarland Guinea. Sie haben einen gut gehenden Krämerladen ganz in der Nähe der Grenze. Hier gibt es Erdnüsse und Seife, Zucker, Reis und Benzin. Das meiste kauft Ndji günstig in Guinea ein. Aber seit Ebola ausgebrochen ist, ist alles anders. "Dieses Problem hat unser Geschäft ziemlich kaputt gemacht. Früher war ich dreimal im Monat in Guinea und jetzt schon seit zwei Monaten gar nicht mehr. Wir brauchen Hilfe, Länder wie unsere schaffen so eine Krise nicht alleine", sagt Ndji.

Anders als andere westafrikanische Länder hat Mali seine Grenze zur betroffenen Region bisher nicht geschlossen. Nach wie vor findet reger Handel statt. Für Mali ist das natürlich ein Risiko. Seit März werden alle, die aus Guinea einreisen, so streng wie möglich kontrolliert - mit einem Infrarot-Fieberthermometer.

Notdürftige Isolierstation am Ortsrand

Was passiert, wenn jemand mit den typischen Ebola-Symptomen Fieber, Erbrechen, Durchfall ankommt? Etwas außerhalb von Kourémalé hat das Gesundheitsministerium eine Isolierstation errichtet - ein paar provisorische Hütten. "Im April hatten wir hier drei Verdachtsfälle, die waren zum Glück aber alle negativ", erzählt Dr. Berthe.

Dr. Doumbia im Interview.
Dr. Doumbia hat eine private Praxis in Kourémalé. | Bild: NDR

Eine Privatklinik in Kouremale betreibt Dr. Doumbia. Kurz bevor Ebola ausbrach, hat er sich hier niedergelassen.Der Labormitarbeiter kann Blut auf typische Krankheiten untersuchen. Aber auch hier können sie nicht Ebola diagnostizieren. Die meisten Patienten in der Privatklinik leiden an Malaria.

Wer zu Dr. Doumbia kommt, muss es sich leisten können. Er verlangt umgerechnet drei Euro pro Untersuchung, hinzu kommen Medikamente, Labor, Ultraschall. Zu teuer für viele, aber sein Angebot ist das beste.

"Ich habe mich hier niedergelassen, weil unser staatliches Gesundheitssystem nicht genug Ärzte hat. Wenn ein Patient nicht die Mittel hat, um sich in der Hauptstadt behandeln zu lassen, stirbt er unter Umständen. Deswegen habe ich diese Klinik aufgemacht - um der Bevölkerung zu helfen", erzählt Dr. Doumbia.

Hoffen, dass die Katastrophe ausbleibt

Am späten Nachmittag schreibt Dr. Berthe seinen täglichen Bericht ans Gesundheitsministerium in Bamako. Die Malariakampagne war erfolgreich, keine besonderen Vorkommnisse bei den Ebola-Kontrollen an der Grenze. Dr. Berthe kann nur hoffen, dass sich daran nie etwas ändern wird.

Autorin: Sabine Bohland, ARD-Studio Nairobi

Stand: 13.11.2014 13:04 Uhr

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