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Norwegen: Surfen und Entschleunigen

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Norwegen: Surfen und Entschleunigen | Bild: SWR

Der eine war gut bezahlter Profi-Sportler, der andere ein erfolgreicher Gourmetkoch. Beide hatten genug von der Hektik des Lebens und beschlossen, wenigstens das eigene zu entschleunigen. Sie suchten sich einen paradiesischen Ort an der Küste Norwegens und verdienen sich ihr Leben nun mit der nördlichsten Surf-Station Europas.  Über das Lebensgefühl von jungen Aussteigern.

Clas Oliver Richter, Studio Stockholm

Wer nach Hoddevik kommt, der hat sich verirrt, oder sucht etwas ganz besonderes: Mads Jonsson hat hier sein Paradies gefunden. Entdeckt hat er die Bucht auf der Suche nach einem neuen Leben. Mit möglichst wenig Stress, viel Zeit für sich selbst und fürs Surfen! "In diesen Tälern werden die Wellen vor zu viel Wind geschützt, deshalb kann man das ganze Jahr über surfen. Das Wasser ist ziemlich kalt, aber mit diesen Schutzanzügen können wir es gut aushalten."

Vom Snowboard zum Surfbrett

Ortsschild Hoddevik
Im abgeschiedenen Hoddevik haben sich zwei Aussteiger ihren Traum erfüllt.  | Bild: SWR

Eine alte Strandvilla haben Mads und ein paar Freunde zu einer einfachen Pension umgebaut. Mehr als zehn Jahre war Mads als gutverdienender Snowboard-Profi überall auf der Welt unterwegs. Videos über seine Flug-Einlagen schaut er sich immer noch gerne an. Irgendwann wurde ihm der bunte Zirkus aber zu viel. Mads stieg aus. "Es war eine Idee, die sich Stück für Stück entwickelt hat. Dazu kam, dass ich für die Sponsoren nicht mehr so interessant war. Vor drei Jahren habe ich überlegt, was ich mit meiner Zukunft anfange. Ich wollte wieder nach Hause, und nur noch zum Spass Snowboard fahren. Es war eine Befreiung für mich."

Nebenan bearbeitet ein anderer Aussteiger das Abendessen für die Gäste. Johnny Miccio aus den USA, ein alter Freund von Mads. Viele Jahre hat der Koch ein exquisites Sushi-Restaurant in Los Angeles geführt. Jetzt kümmert er sich um die einfachen Schnitzel. Und ist froh, mit der Hektik aus seinem alten Leben nichts mehr zu tun zu haben. "Als ich zum allerersten Mal hier ankam, war es überwältigend. Die Sonne, die Wellen – perfekt. Und am nächsten Morgen sind wir dann zum Fischen raus, da wurde es immer besser."

Hoddevik - bis jetzt noch Geheimtipp

Surfer reitet auf Wellen
Sechs Grad - je kälter, desto besser die Wellen. | Bild: SWR

Hoddevik, ein altes Fischerdorf. Wenn sich der Alltag irgendwo entschleunigen lässt, dann an diesem Flecken. Weil aber auch hier niemand nur von der guten Luft und Liebe leben kann, bringt der ehemalige Snowboarder einer Studentengruppe heute das Surfen bei. "Dieser Ort ist einer der weniger bekannten Ziele für Surftouristen", sagt Mads. "Obwohl viele davon gehört haben, ist es noch ein Geheimtipp." Vor allem junge Leute verschlägt es in die einsame Surf-Pension. Wem Einzelduschen wichtig sind, ist hier am verkehrten Ort. Aber – viele suchen gerade das Einfache, das Schlichte. Atmosphäre wie im Schullandheim als Urlaubserlebnis!

Mads und Johnny sind froh, dass sie inzwischen einigermaßen über die Runden kommen. Während ihre Gäste den Tag ausklingen lassen, kümmern sich die beiden um das Menü für Morgen. "Das hier ist wie einkaufen", meint Johnny. "Das hier ist unser Supermarkt, jedermanns Supermarkt." Als plötzlich der Motor streikt, wird der stets gut gelaunte Johnny dann doch ein wenig nervös. So viel Entschleunigung muss dann doch nicht sein! "Kannst Du es bitte reparieren!" "Natürlich", beruhigt Mads, "wir müssen schon nicht an Land rudern." Bei der Regenfront, die gerade aufzieht, wäre das auch kein guter Abschluss für diesen Tag gewesen.

Coldwater-Surfing, also Kaltwasser-Surfen, kann man hier das ganze Jahr über. Je kälter, desto besser die Wellen, heisst es. Aber mit Wärme von oben macht das Wellenreiten doch mehr Spass. Heute scheint die Sonne, da traut sich auch Johnny aus Kalifornien zu den anderen in das sechs Grad kalte Wasser. Dann sind Mads, Johnny und ihre Freunde wieder ganz alleine am Strand. An Abenden wie diesen planen sie die Zukunft. Unser Traum ist, nicht zu viele Leute hier zu haben. Hoddevik ist perfekt, so wie es ist. Es wäre aber noch besser, wenn sich die Touristen auf das ganze Jahr verteilen würden." Und nach erholsamen Tagen hier gerne wieder abreisen. Denn am liebsten haben sie ihre Bucht an diesem Ende der Welt ganz für sich!

Stand: 05.07.2019 11:17 Uhr

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