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Schweiz: Erfinder des Hände-Desinfektionsgels

PlayDidier Pittet
Schweiz: Erfinder des Hände-Desinfektionsgels | Video verfügbar bis 20.12.2021 | Bild: dpa / picture-alliance

Wer hat’s erfunden? In diesem Fall ist es wirklich ein Schweizer. Didier Pittet heißt er. Und seine Erfindung ist noch gar nicht so alt: Der Infektiologe hatte zusammen mit dem Apotheker William Giffith die gute Idee, medizinischen Alkohol mit dem Weichmacher Glycerol zu mischen. Die Hände werden keimfrei, aber trocknen nicht aus. Aber die Erfindung ist das eine, weit wichtiger ist: Didier Pittet hat sein Patent an die Weltgesundheitsorganisation WHO verschenkt. Damit kann jeder auf der Welt – auch in den armen Regionen – das Gel herstellen. Ein aktiver Beitrag zur Weltgesundheit.

Hand-Desinfektion: hautschonend und effektiv

Mann erklärt Kindern richtiges  Händewaschen
Richtige Handhygiene will gelernt sein | Bild: SWR

Das kennt mittlerweile wohl jeder. Hände desinfizieren. Eine der wirksamsten Waffen gegen Infektionen: das Handdesinfektionsgel. Und er hat’s erfunden. Didier Pittet, ein Schweizer Infektiologe. Hier in der Apotheke der Uniklinik Genf hatte Anfang der 90er Jahre alles begonnen. "Die Herausforderung war eine Lösung zu produzieren, die man nicht patentieren kann und die gleichzeitig hautverträglich und so wirksam wie möglich ist." Alles was es bis dahin gab, trocknete die Hände aus, bis sie wund waren. Anderthalb Jahre suchten Pittet und der Apotheker William Griffith nach einer Mischung, die die Haut schonte. Heraus kam ein Gel. Die Zutaten: Alkohol, Glycerol und Wasser. Klingt einfach. War es aber nicht. "William Griffith hatte jede Woche verschiedene Zusammensetzungen vorbereitet, die das Pflegpersonal auf den Händen ausprobierte." Didier Pittet hatte ein Problem erkannt, und er ließ nicht locker, bis er eine Lösung dafür hatte.

Verzicht aufs Patent

Fläschchen mit Desinfektionsgel werden etikettiert
Hilft weltweit gegen Infektionen: Desinfektionsgel | Bild: SWR

Als junger Mediziner findet er in den 90er Jahren heraus, dass sich Ärzte und Pflegepersonal nicht oft genug die Hände waschen, weil es solange dauert. Ein Hygieneproblem. Das neue Handgel ist praktischer als Wasser und Seife. "Stellen Sie sich vor, in Genf haben wir innerhalb von drei Jahren die Todesfallrate wegen Infektionen um 50 Prozent senken können, sage und schreibe um die Hälfte!" Das an sich macht Didier Pittet und seinen Kollegen schon zum Helden. Aber sie gehen noch weiter: Die beiden schenken der Welt die Rezeptur. Verzichten auf Patentgebühren. So können in Entwicklungsländern wie hier in Guinea preiswerte Handdesinfektionsmittel selbst hergestellt werden. Ein Patent kam für Didier Pittet nie in Frage. "Nein, weder William Griffith noch ich hatten je die Absicht dazu. Wir wollten, dass das Gel weltweit benutzt wird und deshalb sollte es so günstig wie möglich sein, am besten umsonst."

Eine Erfindung, die acht Millionen Leben rettet

Als WHO-Botschafter reist Pittet um die Welt, wirbt unermüdlich für saubere Hände. Sein Credo: mit einem Mal desinfizieren ist es auf keinen Fall getan. Um seine Botschaft in die Welt zu tragen stellt er sich sogar vors Mikrofon, obwohl er eigentlich nicht richtig singen kann. Pittet ist gefragt: er berät den französischen Präsidenten Macron. Und für seinen Einsatz wurde er mehrfach ausgezeichnet. Die Queen verlieh ihm sogar den Ritterorden. Corona hat seine Erfindung auch außerhalb der Krankenhäuser bekannt gemacht. Pittet hofft, dass sie so oft wie möglich zum Einsatz kommt, damit sich weniger Menschen anstecken.

Autor: Wolfgang Wanner, ARD-Studio Genf

Stand: 21.12.2020 09:13 Uhr

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