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Sri Lanka: Wer schützt die Elefanten, wer schützt vor den Elefanten?

PlayZwei Elefanten in Sri Lanka stehen im Dickicht und fressen

Elefanten gelten auf Sri Lanka als heilige Tiere, werden verehrt. Mehr als 6.000 leben in den Wäldern und auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu Dörfern und Städten. Das führt inzwischen zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, denn für die hungrigen Elefanten sind Müllkippen oder Reisfelder willkommene Nahrungsquellen. Für viele Bauern sind die eigentlich so verehrungswürdigen Tiere zur Plage geworden. "Es wurden schon viele Zäune ausprobiert, sie waren nicht zu stoppen", erzählt Dr. Shanmugasundaram Wijeyamohan, der erfahrenste Elefanten-Forscher Sri Lankas. Jetzt hat er Zäune mit leichten Elektroschocks entwickelt, die vor allem auf den Kopf der Tiere zielen und abschrecken sollen.

Elefanten stehen unter besonderem Schutz

Ein Elefanten auf Sri Lanka
Seit Jahrtausenden gehören die imposanten Elefanten zum Leben auf Sri Lanka.

Sie sind ein imposanter Anblick, die wilden Elefanten im Nationalpark Udawalawe auf Sri Lanka. Seit Jahrtausenden gehören die Tiere zum Leben hier. Verehrt werden sie für ihre Stärke. Es gibt keine religiöse buddhistische Prozession ohne die Tiere. Die Pflanzenfresser ziehen kilometerweit durch die Landschaft, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Seit 20 Jahren erforscht sie der Zoologe Dr. Wijeyamohan. Rund 65 Prozent ihrer Wanderungsgebiete sind keine Schutzgebiete und liegen außerhalb von Sri Lankas 26 Nationalparks. Probleme zwischen Menschen und Tieren sind deshalb vorprogrammiert. 250 bis 300 Elefanten werden pro Jahr illegal getötet. Den aggressiven Elefanten fallen 50 Menschen zum Opfer.     

Müllkippe ist Schlemmerparadies für Elefanten

Elektrozaun
Mihilfe von hängenden Elektrozäunen sollen die Elefanten abgeschreckt werden.

Dr. Wijeyamohan ist auf dem Weg in die Kleinstadt Hambantota zur Müllkippe des Ortes. Eine Verbrennungsanlage gibt es nicht. Plastik, Unkrautvernichter, Lebensmittelabfälle – alles landet hier. Die Müllhaufen ziehen Elefanten magisch an. "Für uns ist das Abfall, für Elefanten ist das hier ein Supermarkt. Hier wurden schon verschiedene Zäune ausprobiert, aber die Elefanten haben alles durchbrochen. Sie waren nicht zu stoppen. Dann kam mir die Idee mit den hängenden Zäunen. Es sind horizontale Leitungen, über den Köpfen der Elefanten. Von dort oben hängen Drähte herab. Das ganze System steht unter Strom", erklärt Dr. Wijeyamohan. Jetzt liegt der Müll sicher hinter diesen Zäunen. Und auch die Angestellten müssen sich nicht mehr vor den Elefanten fürchten, sagt Chamara Kumara Sameeravon von der Stadtverwaltung: "Dr. Wijeyamohan hat uns nach seinen Studien die hängenden Zäune empfohlen. Vor drei Jahren haben wir sie hier installiert. Seitdem haben wir vor den Elefanten Ruhe." Mit wie viel Kraft die Elefanten versuchen, den neuen Zaun zu zerstören, hat der Zoologe in einem Video dokumentiert. Sie seien clever und hartnäckig, sagt er. Im Moment ist er ihnen mit seinen hängenden Zäunen einen Schritt voraus. Die Tiere bekommen einen leichten Stromschlag, sobald sie die Drähte berühren. Das schreckt sie ab.                  

Kaum zu gewinnender Kampf

Elefant bei Nacht
Nachts kommen die Elefanten und fressen den jungen Reis.

Der Wissenschaftler ist zu den Bauern in der Nachbarschaft unterwegs. Auch sie haben Probleme, denn ihre Felder liegen im Elefantengebiet. Die Männer bauen Reis an. Vier Monate leben sie hier und verteidigen ihre Pflanzen. Elefanten lieben die jungen Reispflanzen, aber aufgeben wollen die Männer nicht. Ihre Familien brauchen etwas zu essen. "Es ist ein täglicher Kampf. Zwischen sechs und sieben Uhr abends kommen sie zu unseren Feldern. Sie riechen unseren Schweiß und wissen, dass wir da sind. Sie haben feine Nasen. Bis zu 30 Elefanten kann eine Gruppe zählen. Aber nur fünf bis sechs von ihnen machen die Probleme. Die lassen uns nicht in Ruhe", berichtet Bauer Kelum Sanjeeva.

Sri Lanka hat die höchste Dichte an Elefanten weltweit im Vergleich zur Fläche. Damit die Tiere wandern können, hat die Regierung Korridore für sie eingerichtet. Regelmäßig stehen die Tiere auch bei Ajith Kumara im Garten hinter dem Haus. Sie kommen zum Wasserloch. Der Familienvater will jetzt sein gesamtes Grundstück mit hängenden  Zäunen schützen. Er sorgt sich um seine Kinder. Dass die Elefanten ganz vertrieben werden, will er aber auch nicht, denn die Tiere sind heilig. "Außerhalb von Sri Lanka sollte man verstehen, dass die Leute hier wilden Elefanten gegenüber extrem tolerant sind. Die Tiere gehören einfach zu unserer Kultur und zur Religion. Und weil das so ist, sind wir Sri Lanker so tolerant", sagt Dr. Wijeyamohan.    

Autorin: Sibylle Licht, ARD-Studio Neu Delhi       

Stand: 11.11.2019 12:08 Uhr

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