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Ukraine: Schule in Kriegszeiten

PlayEine Frau und zwei junge Männer räumen Bücher aus einem Regal in einem beschädigten Raum aus.
Ukraine: Schule in Kriegszeiten | Bild: picture alliance / Photoshot | -

So sollte eine Schulklasse nicht aussehen. Über Wochen haben russische Soldaten diese Räume als Hauptquartier genutzt. Damals hatten sie versucht die ukrainische Hauptstadt Kiew zu besetzen. Über Vororte wie Hostomel sind sie nicht hinausgekommen.

Wolodymyr Sachljupanyj, Schulleiter Hostomel: “Das sind unsere Metalltafeln. Normalerweise spielen die Kinder darauf Schach oder Käsekästchen. Diese Tafel hing da hinten. Und die russischen Soldaten haben sie genommen und sie als Zielscheibe zum Schießen verwendet. Sie haben Wände bemalt. Einfach nur Barbarei.”

Eine Schule nach der russischen Besetzung

Vom 5. bis zum 30. März waren die russischen Soldaten in seiner Schule. Sie haben Türen zerstört, technische Geräte gestohlen, Fenster zerschlagen – ein finanzieller Schaden in Millionenhöhe. Was sich nicht bemessen lässt, ist der Schmerz, den sie alle hier erlitten haben.
Natalia Sachljupana, Mathelehrerin: “Ich komme in meine Klasse, aber sie fühlt sich nicht mehr an wie meine. Vielleicht wird es irgendwann wieder so sein wie früher. Aber jetzt fühlt es sich so an, als würde die Klasse jemand anderem gehören. Das tut weh. Es tut weh, das alles zu sehen. Wir haben hier so viel reingesteckt mit den Eltern und Kindern.”

Auch deshalb legt die Schule großen Wert auf psychologische Betreuung. Kateryna Trotsenko will dabei helfen, dass die blutenden Wunden tief im Innern zu Narben verheilen.

Diese Aufnahmen zeigen ein brennendes Schulgebäude in Avdiivka, im Osten des Landes, vor knapp zwei Wochen. Mehr als 2000 Schulen in der Ukraine wurden seit Beginn des russischen Angriffskriegs beschädigt, mehr als 200 vollständig zerstört.

In den besetzten Gebieten wird die ukrainische Sprache aus dem Curriculum verbannt.

Schulabschluss im Krieg

Sie war gerade dabei, für Prüfungen zu lernen und ihre Zukunft zu planen. Dann kam der Krieg. Trotzdem hat Bohdana in diesem Jahr in Hostomel ihren Abschluss gemacht: “Unsere Abschlussfeier sollte wunderschön werden. Aber jetzt wird es ganz anders kommen. Erstens ist kaum jemand hier, nur wenige sind zurückgekommen. Und außerdem ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um irgendetwas zu feiern. Vielleicht kommen wir nochmal alle zusammen. Aber es wird nicht so festlich, wie wir es uns vorgestellt haben. Dafür sind wir nicht in der Stimmung.”

Denn an dieser Schule in Hostomel wissen sie nicht nur aus Geschichtsbüchern, was Krieg bedeutet. Umso größer ist ihre Hoffnung auf Frieden in ihrem Land - in einer freien Ukraine.

Autor: Vassili Golod, ARD Kiew

Stand: 04.07.2022 12:47 Uhr

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