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Venezuela: "Operation Freiheit" gescheitert?

PlayDemonstranten mit große venezolanischer Fahne
Venezuela: "Operation Freiheit" gescheitert?  | Bild: dpa / picture-alliance

Immer wieder sammeln sich die Unterstützer des selbsternannten Übergangspräsidenten Guaidó zu neuen Massendemonstrationen. Doch noch immer ist Maduro im Präsidentenpalast von Caracas. Ist die Oppositionsbewegung gescheitert, oder hat sie noch eine Chance, ihre Forderung nach einem Regimewechsel durchzusetzen? Xenia Böttcher, ARD-Studio Mexiko

"Guaidó, Guaidó, Guaidó…", die Rufe erklingen noch immer auf den Straßen von Caracas. Doch sie kommen diesmal nur von einigen wenigen. Katiuska Camargo hat lange gesucht, um überhaupt eine Gruppe der Opposition zu finden. "Ich war eben noch deprimiert, weil verdammt, es ist niemand auf der Straße! Aber Venezuela braucht dich Bürger, damit du das Land zurückgewinnst."

Demonstranten mit Plakat auf Strasse
Die Opposition läßt nicht locker | Bild: SWR

Kühlt die Straße ab? Überall in Caracas sollten möglichst viele Bürger den Militärs ein Angebot von Oppositionsführer Guaidó übergeben. Für eine bessere Zukunft. Wie und wann sie das hinbekommen, dafür gab es keinen Plan: "Wir sind die Friedlichen!", ruft eine Demonstrantin.  Doch die Polizei versperrt den Weg, eine Übergabe an das Militär soll es nicht geben. Langsam nähern sie sich den Polizisten. Die Toten und Verletzten der letzten Tage in Erinnerung. "Ich bin sicher, dass alle die hier stehen, am liebsten an unserer Seite stehen würden", meint Katiuska Camargo, "ganz sicher." Doch die Nationalgarde rückt gegen die vielleicht 150 Männer und Frauen an, bewaffnet nicht nur mit Tränengas.

"Der Mistkerl Maduro soll verschwinden!"

Am Tag davor. Pressekonferenz mit Juan Guaidó, der ruft gerade zur Aktion auf den Straßen auf. Fotograf Donaldo Barros sucht sein Bild: "Das Foto machen, dass der Politiker will? Nein, das gibt es für mich nicht. Mich interessiert nicht, was jemand darstellen will, sondern der Mensch." Der Künstler verdient sein Leben mit abstrakter Fotografie, doch seit Januar dokumentiert er Zeit-Geschichte.

Fotograf Donaldo Barros mit Kamera beim Fotografieren
Donaldo Barros dokumentiert den Machtkampf in Venezuela mit der Kamera | Bild: SWR

Dreieinhalb Monate sind seitdem vergangen. Was macht der Machtkampf mit den Menschen? "Der Mistkerl Maduro soll verschwinden!", ruft ein Autofahrer. Barros hat Guaidó über Wochen begleitet, habe dabei aber fast kein Wort mit ihm gewechselt. Donaldo zeigt Fotos: Da die Mahnung: enttäusch mich nicht. Der Blick hinter die Fassade. Der Rückflug nach Venezuela als Guaidó Verhaftung drohte. "Er verharrte lange so. Allein. Er dachte vielleicht über die Konsequenzen nach, die ihn erwarten."

Da die Anhänger der Regierung … dreieinhalb Monate Machtkampf. Dreieinhalb Monate Versprechen. Ankündigungen. "Vielleicht braucht es die Verknüpfung der Botschaft von: Straße, Hoffnung, Straße Hoffnung. Aktion, Reaktion, damit die Menschen den Glauben nicht verlieren", meint Donaldo Barros.

"Das Militär ist sehr unzufrieden"

Polizisten in Reihe aufgestellt
Immer wieder kommt es zur Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten | Bild: SWR

Zurück zu Katiuska. Oppositionelle auf der einen Seite, Nationalgarde und Polizei auf der anderen und die Luft zum Schneiden. "Hier ist das Dokument", sagt ein Oppositioneller und übergibt ein Schriftstück an einen Polizisten. Ohne auch nur ein Blick darauf zu werfen, geht das Angebot an das Militär in Flammen auf. "Unter keinem Vorwand wird sich das Militär erpressen lassen, wir werden kein Vaterlandsverrat begehen." Diesmal gibt es keine Gewalt. Aber auch kein Durchdringen. Seit Januar protestiert Katiuska schon auf der Straße und hat Angst: sie kann bald nicht mehr: "Es reicht! Wie lange wollen sie die Bürger terrorisieren, wir fordern unser Recht, wir wollen unseren Rechtsstaat zurück, wo ist das Problem, um Gottes willen?"

Eine Antwort finden wir in Cucuta, Kolumbien. Am 23. Februar rief Guaidó hier das Militär auf zu desertieren und Hilfsgüter ins Land zu lassen. Aber nur wenige wagten den Schritt. Nicol Abraham und Frank Rengifo gehörten zu ihnen. "Das Militär ist sehr unzufrieden", meint Frank Rengifo, ehemaliger Sergeant der venezolanischen Armee. "In den unteren Rängen will niemand Präsident Maduro unterstützen. Aber andererseits, alle Kameraden, die rebellieren, werden verhaftet oder getötet." Und Nicol Abraham, ex-Soldat der venezolanischen Armee sagt: "Wenn sie den Soldaten nicht finden, wird die Familie bedroht. Viele haben Angst um ihre Familie." Dass sie Guaidós Ruf gefolgt sind, habe sie jetzt in Not gebracht. Sie wohnen im Hotel, ohne Einkommen und Zukunftsperspektive: "Ich fühle mich im Stich gelassen, wir werden wenig beachtet", klagt Nicol Abraham.

Guaidó oder Maduro? Wer wird am Ende siegen?

Juan Guaidó mit Mikrofon bei Rede
Juan Guaidó gibt nicht auf | Bild: SWR

Vor wenigen Tagen scheitert Guaidós nächster Versuch einer Revolte. Wieder fordert er das Militär zum Umsturz auf. Wieder schließen sich Soldaten an, wieder sind es wenige. Die Aktion, die viele Verletzte brachte, wirkte planlos. Wir treffen einen Informanten. Er will anonym bleiben und behauptet: "Es gab Verhandlungen mit dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofes und der Verteidigungsminister sollte Maduro 'einladen', das Amt abzugeben. Die These ist, dass dieser Plan durchgestochen wurde." – Läuft dieser Prozess noch oder ist er vorbei? – "Es sieht so aus als laufe der Prozess noch."

Stimmen die Behauptungen, oder sind es gezielt gestreute Gerüchte zur Verunsicherung der Regierung? Präsident Maduro präsentiert sich jedenfalls vor geschlossenen Reihen. Katiuska vertraut weiter auf Guaidó. Aber mahnt, nicht die Hoffnung der Menschen zu verbrauchen: "Wir sagen: Auf die Hoffnung muss man aufpassen, weil Hoffnung sehr zerbrechlich ist."

Stand: 06.05.2019 11:19 Uhr

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