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Äthiopien – Der heißeste Ort der Welt

Danakil Wüste

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Äthiopien - Der heißeste Ort der Welt | Bild: WDR

Die Karawanen brauchen drei Tage bis zum Salzsee. Drei Tage durch die Wüste. Mit dem Auto ist man schneller. Dafür bin ich die Hitze nicht gewohnt. Fast 45 Grad im Schatten. Aber Schatten gibt es hier nirgendwo.

Es sind Männer vom Volk der Afar, die hier das Salz herausbrechen und zu Platten formen. Vor tausenden von Jahren hat das nahe Rote Meer die Danakil - Senke überflutet. Das Wasser ist verdampft. Das Salz blieb zurück.

Bei den Dreharbeiten begleitet uns eine Handvoll Soldaten. Vor knapp zwei Jahren sind in der Gegend fünf Europäer, darunter zwei Deutsche erschossen worden. Banditen sollen es gewesen sein, die auf Lösegeld aus waren. An dem Salz hatten sie kein Interesse.

Peter Schreiber:

»(Das Salz schmeckt mild. Ein bisschen prickelnd. Und die Menschen sagen: Nur das Salz aus der Danakil-Wüste eignet sich für eine Chili-Soße, Barbara, eine äthiopische Spezialität.)«

Negasi Teklay ist einer von rund 400 Arbeitern, die sich in einer Kooperative zusammengeschlossen haben. Sein Lohn: umgerechnet 1 Euro 50 am Tag.

Negasi Teklay, Salzarbeiter:

»(Von dem Geld unterstütze ich meinen Vater und meine Mutter. Ein Höllenjob ist das hier bei der Hitze. Aber in der Gegend gibt es nun mal keine andere Arbeit.Um weg zu gehen, braucht man Geld. Und um zu heiraten auch. Fünf Jahre arbeite ich schon hier und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich genügend gespart habe.)«

Salzhacker
Salzhacker

Die Kamele warten bereits auf den Abtransport.

Das Kamel gehört Futsum Zbelos. Fünf weitere Tiere hat er sich geliehen, um die Salzplatten in die nächste Stadt zu bringen.

Kameltreiber – das ist ein Gewerbe, das vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. Aber wie lange noch? – Die äthiopische Regierung baut eine Asphalt-Straße in die Danakil-Wüste.

Wird das, frage ich, seine Arbeit, sein Leben nicht grundsätzlich verändern?

Futsum Zbelos, Kameltreiber:

»(Die Straße an sich ist ja nicht schlecht. Dann sind wir hier nicht mehr so abgeschnitten. Und haben auch etwas vom Fortschritt. Aber Lastwagen und Kamele, die vertragen sich nicht – vielleicht ist die Straße doch nicht so gut.)«

Kameltreiber
Kameltreiber

Noch ist die Straße nicht fertig. Und Kamele tragen die Salzplatten durch die Wüste.

Die einzige menschliche Siedlung am Rande des ausgetrockneten Salzsees, ist Hamedila. Ich lasse die Karawane ziehen und machen einen Zwischenstopp.

In einfachen Hütten leben hier die Familien der Salz-Arbeiter. Während die Männer draußen malochen, kümmern sich die Frauen um die Kinder.

Hassena Noor hat jung geheiratet und acht Kinder zur Welt gebracht. Aber nur ihre Tochter Meriam hat überlebt. Zu hart ist das Leben in der Wüste, zu weit das nächste Krankenhaus. Über der Feuerstelle werden Kaffeebohnen geröstet. Ein allabendliches Ritual.

Hassena Noor:

»(Die Händler, die hier durchkommen, sind gut gekleidet, essen Reis und Nudeln.Wir können uns das nicht leisten. Unsere Männer arbeiten im Salzsee, wir Frauen flechten Matten. So ist eben unser Leben.)«

Der Kaffee jedenfalls ist köstlich. Und so bleibe ich bis zum nächsten Morgen.

Die Nacht habe ich auf einem Feldbett geschlafen. Das ist Luxus pur. Wasser haben wir im Auto mitgebracht. An die Dusche allerdings muss ich mich gewöhnen.

Peter Schreiber:

»(Viel Wasser gibt´s hier nicht. Da muss man schon sparsam sein.)«

Die Salz-Karawane hat während der Nacht nur eine kurze Rast gemacht. Mit dem Auto holen wir sie ein, als sie gerade aus einer Schlucht kommt.

Zwei Tage und drei Nächte sind die Kamele unterwegs, bis sie am Rande der Wüste das Dorf Berhaile erreichen. Das größte Haus im Ort ist das Salzlager.

In der Halle werden die Platten zwischengelagert, bevor sie später auf Lastwagen weitertransportiert werden. Über eine Million Tonnen Salz jedes Jahr.

Über die angelieferten Platten wird genau Buch geführt. Von der Größe und Form der Platten, weiß der Lagerverwalter genau, von welcher Kooperative das Salz kommt.

Kidhane Berhe, Lagerverwalter:

»(Der Preis für das Salz schwankt. Unterm Strich bekommen wir gutes Geld dafür. Und wenn nicht, können wir auch nichts machen. Wir leben nun mal vom Salz. Deshalb schätzen wir es und unsere Arbeit auch.)«

Während sich die Kamele ausruhen, mache ich einen Abstecher zum Vulkan „Erta Ale“. Die Einheimischen, so hat man mir gesagt, nennen ihn die „Pforte der Hölle“, - wo der Teufel die Erde umgepflügt hat. Der erste Eindruck gibt ihnen recht. Nur – wie kommt man hin. Auch die Soldaten, die mich begleiten, sind sich nicht sicher.

In der Abenddämmerung laufen wir los. Wegen der Hitze, ist eine Besteigung des Vulkans ausschließlich während der Nacht möglich. Und die Nacht kommt in der Nähe des Äquators schneller als man denkt.

Peter Schreiber:

»(Mittlerweile ist es 23 Uhr und immer noch 35 Grad. Das ist kaum zu ertragen.)«

Je höher wir kommen, umso stärker der Geruch von Schwefel. So, wie man es vom Teufel erwartet. Der Blick vom Kraterrand dennoch überraschend.

Immer wieder reißt der Kraterboden auf, und glühende Lava schießt nach oben.

Ich denke: Die einheimischen Afar haben recht. Wenn es eine Hölle gibt, dann ist das hier die Pforte.

Autor: Peter Schreiber, ARD Studio Nairobi

Stand: 15.04.2014 10:37 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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