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Nordkorea: Angespannte Ruhe - aktuelle Lage

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Nordkorea: Angespannte Ruhe - aktuelle Lage | Bild: WDR
Stacheldraht am Straßenrand
Stacheldraht am Straßenrand

Stacheldraht am Straßenrand - schon kurz hinter Seoul. Hier schwelt ein kalter Krieg, feucht und ein bisschen diesig noch dazu. Die Autobahn 1: diese Strasse soll einmal quer durch das wiedervereinigte Korea führen. Von Süd nach Nord. Eine Strasse wie ein Versprechen.

Wenn man sich das Straßenschild hinter mir anguckt, könnte man meinen, die Wiedervereinigung wäre längst geschehen. Die Leute hier sagen, mit dem Taxi sin des nur 2 Stunden nach Pyongyang, Nordkoreas Hauptstadt.

Nur 2 Stunden? Träumen darf man an der gefährlichsten Grenze der Welt. Mehr nicht. Der Norden kommt zwar in Sicht. Aber Pyongyang bleibt unerreichbar.

Kyeonggi-do: Näher dran an der Grenze wohnt kaum ein Mensch. Gleich unterhalb des Checkpoints: die Dorfkirche. Pfarrer Choi, Myeong-guk hat gerufen. Und zehn fromme Kirchgänger sind gekommen. Zum Gottesdienst an der Bruchstelle zwischen den Welten.

Choi, Myeong-guk Pfarrer:

»Sie hören ständig Drohungen aus Nordkorea. So nah an der Grenze, wie lebt es sich damit? Ich müsste lügen, wenn ich sage, ich habe keine Angst, sagt Pfarrer Choi. Aber am Ende denke ich: Wenn wir Krieg haben, dann ist es egal, ob nah dran oder weiter weg. Tote sind überall schlimm.«

Mittagessen in der Kirche: Die meisten hier waren noch Teenager als der Krieg ausbrach. Und das Land zerrissen wurde in Nord und Süd. Vor genau 60 Jahren war das.

Kim, Jung-suk:

»Warum droht Nordkorea schon wieder mit Krieg? Wer weiß, warum. Ich finde, die sind einfach nur böse, das sind echte Schurken. «

Jeon, Kwi-soon:

»Die haben doch gar kein Geld für Bomben, die Menschen sterben da an Hunger, vor allem die Kinder und die wollen Bomben bauen. Ich kann das kaum glauben.«

Die Nachbarn in Kyeonggi-do tragen camouflage. Allgegenwärtig und doch gut getarnt: die südkoreanische Armee. Bunker und Straßensperren. Der Krieg ist zwar kalt aber die Grenze heiß.

Die beiden Koreas legen Wert auf Abstand: Hinter diesem Tunnel kommt eine Panzersperre aus Stahl, ein Checkpoint mit Soldaten, ein zwei Meter hoher Zaun mit doppeltem Stacheldraht, dann folgt das Niemandsland, ein Streifen, 4 Kilometer breit. Danach wieder Zaeune und Wachtürme. Und erst dahinter beginnt das kommunistische Nordkorea.

Und dann überraschender Besuch. Ein paar Kanadier auf Sonntagsausflug.

OTON Wir haben ein paar Fotos von so einem Panzerdepot gemacht. Aber von da haben sie uns verjagt. Die waren ein bisschen nervös, da sind wir freundlicherweise abgezogen. Meine Mama würde ausflippen, wenn die wüsste, wo ich gerade bin. Die wäre richtig sauer. Im Ausland flippen alle aus, aber nicht hier, Da hinten lassen sie sogar entspannt Drachen steigen. Das Geheimnis, glotz keine Nachrichten.

Dabei haben die Nachrichten-Crews heute viel zu bieten. Neugierige Blicke auf dem Berg Odu. Von nirgendwo sonst lässt sich Nordkorea besser bestaunen. Das koreanische Fernsehen hat gleich eine Studiokamera mitgebracht, ein Riesenobjektiv. Wie mit dem Hubble-Teleskop, Blick hinein in eine fremde Welt.

„Ich bin sehr traurig, dass wir immer noch im Krieg miteinander sind. Wir sollten uns nicht wehtun.

„Wenn die beiden Koreas morgen wiedervereinigt würden? Wir könnten uns nichts schöneres vorstellen. „

Nebenan geht der Reporter auf Sendung. Heute sei nichts passiert, erzählt er den Zuschauern. Auch keine Rakete gestartet.

Kim, Joo-Young Journalist:

»Nach 60 Jahren Krieg: Warum gibt es noch immer keinen Frieden? Die Sache ist ziemlich kompliziert, es geht nicht nur um die beiden Koreas. Es geht immer auch um die Großmächte. Um Russland, China, USA. Das ist alles internationale Politik. Und wie sieht die Lösung aus? Eine Lösung. Das ist hart. Kim Dju-Young muss lange überlegen.Auch für einen hartgesottenen koreanischen Journalisten, eine schwierige Frage. Ich habe kein Rezept. Vielleicht müssen beide Seiten einfach miteinander reden.«

Miteinander reden, in Rufweite sind beide Koreas ja. Choi, Myeong-guk, der Pfarrer, hat uns mitgenommen zu seinem eigenen kleinen Aussichtshügel.

Choi, Myeong-guk Pfarrer:

»Wenn sie hier stehen und rüber gucken, nach Nordkorea, was fühlen sie da? Mir tun die Leute drüben leid. Sie leben in Armut. Für sie und für uns wünsche ich mir nichts sehnlicher, als die Wiedervereinigung. Und ich glaube fest daran. «

Eine Wiedervereinigung mit dem kommunistischen Korea: nach den Kriegsdrohungen scheint sie weiter entfernt denn je. Dabei wäre 60 Jahre nach Kriegsende die Zeit reif für einen Friedensvertrag. Vielleicht sollte Kim Jong Un lieber diese Initiative zuenden. Sie würde ganz gewiss einschlagen. Und zwar auf beiden Seiten.

Autor: Philipp Abresch

ARD Studio Tokio

Stand: 22.04.2014 13:48 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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