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Schnappschuss Schweiz: Wozu braucht man Schmutzstreifen?

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Schnappschuss Schweiz: Wozu braucht man Schmutzstreifen? | Bild: WDR

Die Schweiz wie aus dem Bilderbuch. Appenzeller Berglandschaft mit Kühen und saftigen Wiesen. Mittendrin: Daniel Fäh mit seinem Benzinrasenmäher. Es kommt auf jeden Halm an. Nicht etwa des schmucken Vorgartens wegen. Das Gras hat eine ganz besondere Bestimmung.

»Daniel Hechler:
„Das ist ein original Gras-Schmutzstreifen. Eine eidgenössische Spezialität. Riecht ein bisschen wie Gras, sieht aus wie Gras. Aber was soll das eigentlich? Da wird’s dann kompliziert.“«

Erst einmal muss das Gras klein gehäckselt, dann zu einer flüssigen Pampe gepresst werden. Eine mühsame, stundenlange Prozedur in einem Spezialinstitut.

Das Flüssig-Gras wird hier dann zum Endprodukt verarbeitet. Beim weltgrößten Schmutzstreifenproduzenten in St. Gallen.

Flüssig-Gras wird hier verarbeitet
Flüssig-Gras wird hier verarbeitet

Fäh ist der stolze Inhaber des 25-Mann-Betriebs. Einst wissenschaftlicher Angestellter bei einer eidgenössischen Behörde. Jetzt millionenschwerer Unternehmer mit 1.700 Kunden weltweit. Und doch wird er für seinen Job als professioneller Verschmutzer gerne mal belächelt.

»Daniel Fäh:
„Auch meine Kollegen sagen manchmal, das kann mein Kind auch, aber ein Kind kann es nicht produzierbar machen und wir machen es reproduzierbar und genau.“«

Allerdings! Aus porentief-rein giftgrün zu machen, erfordert einiges an High-Tech und Präzision. Schmutz made in Switzerland. Das verpflichtet natürlich.

»Daniel Fäh, Unternehmer:
„Es braucht sehr, sehr viele kleine Schritte, um einen definierte Schritte, um einen Schmutzstreifen herzustellen, und das macht vielleicht auch die Schweiz aus.“«

"Professioneller Verschmutzer"
"Professioneller Verschmutzer"

Als Schmutzfleck besonders populär: Rotwein. Fäh lässt jährlich 4.000 Liter Alicante aus Spanien ankarren, echter Qualitätswein. Für Schokoladenflecken muss es Kakao vom Schweizer Schokihersteller sein. Und für Fettflecken die Haut eidgenössischer Rinder. So entsteht am Ende ein grellbunter Mix von Flüssigkeiten, die auf Klamotten ein Alptraum sind. Die sorgfältig eingeschmutzten Stoffbahnen werden dann noch zurechtgeschnitten und zusammengenäht. Und ab in die Waschmaschine, aufgefüllt mit Geschirr- und Handtüchern, Kopfkissenbezügen und Unterhosen. Der durch genormte Waschgang: ein ultimativer Test darauf, was Waschmaschine und Waschmittel taugen. Für Fähs Kunden, Henkel, Miele & Co. geht es da um etliche Millionen.

»Daniel Hechler:
„Ein irrer Aufwand, um am Ende möglichst nichts zu sehen. Bei dem Teststreifen hat das ganz gut geklappt. Die Flecken sind relativ gut rausgegangen. Bei dem hier müssen Waschmittel- oder Waschmaschinenhersteller noch nacharbeiten.“«

Schmutzwein zur Probe. Der Beweis, es ist kein Fusel. Schade eigentlich um Tausende von Liter.

Autor: Daniel Hechler/ARD Genf

Stand: 05.01.2015 09:29 Uhr

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