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Weltspiegel

Nordkorea: Provokation global - Parademarsch trotz Raketen-Flop:

Der Coup geriet zum Flop, der von der Weltöffentlichkeit verfolgte Raketenstart zum Desaster: Nordkorea unter seinem neuen Führer Kim Jong Un ließ eine Trägerrakete steigen, um damit angeblich einen Satelliten ins All zu befördern. Doch das gute Stück stürzte schon kurz nach dem Start ins Gelbe Meer. Peinlich: Die ballistische Machtdemonstration sollte parallel zum 100. Geburtstag des Staatsgründers und ?ewigen Präsidenten` Kim Il Sung erfolgen, zu dem sich die Hauptstadt Pjöngjang gerade herausputzt - als Schauplatz einer großen Jubelparade. Der stramm kommunistische Staat wird jedoch verdächtigt, mit dem mißglückten, vermeintlichen Satellitenstart in Wahrheit den Test einer Interkontinentalrakete verschleiern zu wollen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Weltraumraketen und ballistische Langstrecken-Militärraketen beruhen auf derselben Technologie. China, die USA, Südkorea, Japan und andere Länder hatten sich beunruhigt über die Pläne gezeigt und den Start auch trotz seines Scheiterns verurteilt, die NATO spricht sogar von einem klaren Bruch der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Dabei hatte das nordkoreanische Regime voller Stolz ausländische Journalisten zwecks Raketenschau ins Land geladen, darunter unseren Weltspiegel-Korrespondenten, um so Modernität und Offenheit zu demonstrieren. Doch hinter die Kulissen ließ man die Reporter nicht blicken, nicht mal den Raketenstart durften sie live verfolgen. Stattdessen gab es Ausflüge in Früchtefarmen und Seidenfabriken.

Autor: Philipp Abresch, ARD-Studio Tokio

Norwegen: Kurzer Prozess? - Attentäter Breivik vor Gericht: Am Montag, 16. April, ist Prozessbeginn gegen Anders Behring Breivik. Der Rechtsradikale tötete am 22. Juli auf der Insel Utøya 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Zuvor hatte er mit einer Autobombe in Oslo acht Menschen getötet. Das Urteil soll noch vor Ende Juni 2012 verkündet werden. Seit Wochenbeginn und einem neuerlichen psychologischen Gutachten steht nun fest: Breivik ist voll zurechnungsfähig und kann somit für seine Taten verantwortlich gemacht werden - was sogar sein Anliegen ist: Der Attentäter ist der Auffassung, dass ansonsten seine Ideologie in Zweifel gezogen werden könnte ...

In Tromsø, im hohen Norden Norwegens, lebt die jetzt 20jährige Eirin Kristin Kjaer. Sie hat Utøya überlebt - mit vier schweren Schusswunden in Arm, Achselhöhle, Bein und Bauch. Fast ein Dutzend Operationen liegen hinter ihr. Andere Teilnehmer aus dem sozialdemokratischen Jugendverband Tromsø, darunter Freunde Eirins, sind in Utøya brutal ermordet worden. Die junge Frau wird im Rahmen des Prozesses auch in den Zeugenstand geladen, auch auf eigenen Wunsch, um das schreckliche Ereignis noch besser bewältigen zu können. Unsere Korrespondentin hat die junge Frau besucht, und sie versucht zu ergründen, welche Veränderungen das Attentat bei den Opfern persönlich ausgelöst hat, aber auch in der norwegischen Gesellschaft - wie gehen die Menschen mit diesem Trauma um?

Autorin: Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Stockholm

Kanada: Titanic-Tourismus - Gedenkkreuzfahrt zum Wrack: 41°43'57"N, 49°56'49"W - Koordinaten einer Grabstätte. Hier liegen, in tausenden Metern Tiefe, die Relikte eines der größten Ingenieursträume der Neuzeit, das Wrack der Titanic - rund 300 Seemeilen südöstlich vor der Küste Neufundlands. Vor genau 100 Jahren, in den frühen Morgenstunden des 15. April 1912, sank das damals größte Passagierschiff der Welt nach Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt. Im Gedenken an die Tragödie begeben sich nun zwei Kreuzfahrtschiffe mit tausenden Passagieren zur Unglücksstelle - darunter zahlreiche Nachfahren ehemaliger Titanic-Passagiere -, das eine von Southampton in England aus, das andere von New York. Der Kult um die Titanic sowie der morbide Titanic-Tourismus erreichen damit einen Höhepunkt. An Bord wird genau jenes Essen serviert, das auch damals auf dem Teller lag, und Schiffsgäste von heute kleiden sich im Modestil von vor hundert Jahren ... Der Weltspiegel begibt sich mit auf die Reise nach Halifax und von dort weiter zum Ort des Untergangs, wo in der Nacht eine Gedenkfeier abgehalten wird. An der wollen auch acht Musiker des Konzerthauses Dortmund teilnehmen, um auf einem Ponton auf dem offenen Ozean das letzte, unvollendete Lied der verstorbenen Titanic-Musiker zu spielen: „Näher, mein Gott, zu Dir!"

Autorin: Anja Bröker, ARD-Studio New York

Australien: Verriegelt das Tor! - Farmer gegen Gasindustrie: Der Bundesstaat Queensland ist im Gasrausch. Das Hinterland hier ist bekannt für seine fruchtbaren Äcker. Doch neuerdings sprießen überall Gasbrunnen aus dem Boden. 4000 sind es bereits jetzt, 40.000 sollen es in wenigen Jahren sein. Denn tief unter der Erde liegen riesige Vorkommen an wertvollem Flözgas. Eine Handvoll internationaler Energieriesen hat das Land unter sich aufgeteilt. Für sie ist der Nordosten Australiens ein Schlaraffenland: gewaltige Ressourcen, kaum Einwohner, aber industriefreundliche Gesetze. Dem neuesten Rohstoffboom down under steht eigentlich nichts im Wege - wären da nicht die aufmüpfigen Farmer. Sie wehren sich dagegen, plötzlich mitten in einem Gasfeld zu wohnen, ohne sich dagegen wehren können. Denn den Farmern gehört nur die oberste Erdschicht, nicht aber das wertvolle Gas, das darunter liegt. Das gehört dem Staat, der Milliarden durch Lizenzgebühren einnimmt. Im Gegenzug können die Energieriesen nach so viel Gas bohren, wie sie wollen. Die Farmer fühlen sich quasi zwangsenteignet - von den Konzernen genauso wie von der eigenen Re-gierung. Immer mehr werden zu Anti-Gas-Aktivisten. Ihre Bewegung nennt sich "Lock the Gate" - Verriegelt das Tor. Der Name ist Programm: Die Farmer blockieren ihre Grundstücke, organisieren Protestmärsche und sagen "nein" zur Gasförderung auf ihrem Land. Vielen geht es dabei um mehr als nur ihr Land, sondern um eine Grundsatzfrage: Soll Australien vor allem den weltweiten Rohstoffhunger stillen oder den Hunger auf selbstangebaute Le-bensmittel?

Autor: Norbert Lübbers, ARD-Studio Singapur

Brasilien: Arbeitseinsatz - Knackis bauen WM-Stadien: Zwölf Austragungsorte, nur noch gut zwei Jahre bis zum Anpfiff und trotz wie-derholter Verzögerungen und häufiger Streiks bei den Vorbereitungen: Die Fußball-WM 2014 in Brasilien nimmt Gestalt an. Es soll nicht nur alles pünktlich fertig, sondern auch eine der besten Weltmeisterschaften überhaupt werden. Das jedenfalls verspricht Brasilien und sieht dieses sportliche Highlight - noch vor den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land - als weiteren Impuls für den wirtschaftlichen Aufschwung, den das Land bereits seit mehreren Jahren erlebt. Und dann gibt es da noch eine schöne Randerscheinung: Die WM ist auch die Chance für einen Neuanfang einiger Dutzend Krimineller. „Neuanfang", so nämlich heißt das Resozialisierungsprogramm, das Regierung und der brasilianische Fußballverband ausgehandelt haben. Strafgefangene, die sich durch gute Füh-rung auszeichnen, bekommen die Möglichkeit, auf den Baustellen einiger WM-Stadien mitzuarbeiten und damit ihre Haftstrafe zu verkürzen. Drei Tage Bauarbeiten ergeben dabei einen Tag Haftverkürzung. Ein Job, der neue Per-spektiven und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft erleichtern soll. So auch für Antonio Lima, bereits dreimal verurteilt wegen Drogengeschäften, der gerade eine neunjährige Haftstrafe verbüßt. Sieben Jahre davon hat er hinter sich und nun, vor wenigen Monaten, die Chance erhalten, an diesem Programm zum Neuanfang in seiner Heimatstadt Fortaleza im Norden Brasiliens teilzunehmen. Eine Chance, die sich der ehemalige Dealer nicht entgehen ließ. Als Hilfsarbeiter ackert er nun auf der Baustelle des Stadions „Castelao", in dem insgesamt sechs WM-Spiele stattfinden werden. Mehr als stolz ist der 39jährige, dass er an diesem historischen Bauwerk mitwirken, seinen Teil zur WM beitragen und sein Leben neu gestalten darf.

Autor: Michael Stocks, ARD-Studio Rio de Janeiro

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