SENDETERMIN Mo., 23.04.12 | 04:50 Uhr | Das Erste

Weltspiegel

GRIECHENLAND: Wählen in Zeiten des Kahlschlags:

Autor: Bernd Niebrügge / ARD Athen

Am 6. Mai sollen die Griechen ein neues Parlament wählen. Aber welche Wahl haben sie eigentlich? Nur die „für den Misthaufen zu stimmen, der weniger stinkt", wie ein Athener Bürger die weitverbreitete Stimmung zusammenfasst? Ziemlich düster beurteilen im Olympiajahr 2012 auch die griechischen Sportler ihre Aussichten. Der Traditionsverein Panathinaikos Athen sitzt auf einem riesigen Schuldenberg, der verschuldete Staat hat seine Zuschüsse drastisch gekürzt, Sponsoren ziehen sich zurück, Zuschauer haben kein Geld mehr für Eintrittskarten. Trainer und Spieler werden nicht mehr bezahlt: Ausverkauf! Auch im Sport.

Was den Profis weh tut, hat aber auch Folgen für Amateure und den Jugendsport: Weil das Geld für Mitgliedsbeiträge in vielen Familien mittlerweile fehlt, wird der Sport aus der Freizeitplanung der Kinder gestrichen.

BULGARIEN: Steuern eintreiben mit Chorgesang: Autorin: Susanne Glass / ARD Wien

Wenn in Sopot, einer kleinen Stadt im Herzen Bulgariens, ein Chor mit Volksliedern erklingt, wissen alle, dass hier einer seine Rechnung nicht bezahlt hat. Seitdem die „Schwarzen Engel", der Chor der mittlerweile praktisch pleite gegangenen Waffenfabrik des Ortes, von Bürgermeister Veselin Lichev als musikalisches Mahnverfahren eingesetzt werden, sprudeln die kommunalen Steuereinnahmen. Denn der Ehrbegriff gilt, neben einem ausgeprägten Sinn für Ironie, als ein Wesensmerkmal der Menschen in Sopot. Und so blättern säumige Zahler schon beim Auftakt der ihnen gewidmeten Weise hastig in ihren Steuerunterlagen. Denn obwohl der Chor einwandfrei und schön singt, ist der Anlass für das Gratisständchen den meisten dann doch eher unangenehm. Auch Amtskollegen aus Griechenland haben sich

beim Sopoter Bürgermeister bereits über die ungewöhnliche Methode Steuern einzutreiben informiert.

TUNESIEN: Salafisten wollen Scharia-Staat: Autor: Stefan Schaaf / ARD Madrid

Theaterleute werden bei einer Veranstaltung bedroht, ein Fernsehsender wird attackiert und eine Universität gar für Monate lahm gelegt: Immer häufiger kommt es in Tunesien, dem Musterland des arabischen Frühlings, zu gewaltsamen Zwischenfällen mit Salafisten. Diese wollen eine Rückkehr zur Urform des Islam erzwingen und lehnen eine Demokratie nach westlichem Vorbild ab. Sie sind zwar noch in der Minderheit, aber radikal und gut organisiert. Und so erlebt das Maghreb-Land über ein Jahr nach seiner Revolution eine entscheidende Phase. Künstler, Journalisten und Intellektuelle stehen unter Druck und sind um ihre gerade erst errungenen Freiheiten besorgt.

Angeblich kontrollieren die Salafisten bereits ein Fünftel aller Moscheen in Tunesien und ihr Einfluss wird immer größer. Der Weltspiegel hat einen dieser extremen Islamisten getroffen: Mohammed Bakhti. Für ihn ist klar: die Macht soll von Gott kommen, nicht vom Volk. Und er sagt offen: „Ich bin gegen die Demokratie." Tunesien steht vor schwierigen Zeiten.

CHILE: Patagoniens Natur im Visier der Energiewirtschaft: Autor: Michael Stocks / Rio de Janeiro

Eine Kulisse, wie aus einem Traum: Hohe, mit Gletschern bedeckte Berge, weite Täler, Sümpfe, Seen und bizarre Wälder. Im Valle Chacabuco in Chiles Patagonien ließen Viehbarone einst tausende Schafe und Rinder weiden. 2004 kaufte die amerikanische Multimillionärin Kristine McDivitt Tompkins, ehemalige Geschäftsführerin der Outdoormarke Patagonia mit ihrer gemeinnützigen Stiftung Conservaciòn Patagonica das Chacabuco-Tal, das bis nach Argentinien hineinreicht - insgesamt 263.000 Hektar Land, eine Fläche größer als das Saarland. Sie will diese Region wieder in ihre Ursprünglichkeit zurückversetzen und die grandiose Natur schützen. Das hat die 62-Jährige schon weitestgehend geschafft, doch in nächster Nachbarschaft plant Chiles Regierung große Veränderungen: Stauseen sollen gebaut, Landflächen geflutet werden. Mit Wasserkraft soll Strom für den Norden des Landes produziert und über riesige Hochspannungsleitungen transportiert werden. Patagoniens Bild würde sich dramatisch verändern, mit vielen Auswirkungen auf die Natur, fürchtet die engagierte Naturschützerin.

CHINA: Korruption, Mord, Knast - Politthriller um die Macht in der KP: Autorin: Ariane Reimers / ARD Peking

Hinter den Kulissen scheint in Peking derzeit ein Machtkampf zu toben, wie ihn die chinesische Führung seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 nicht mehr erlebt hat. Da nur wenige Informationen aus dem Machtapparat dringen, wird die Gerüchteküche täglich weiter angeheizt. Bestätigt ist, dass ein Polizeichef sich ins amerikanische Konsulat geflüchtet hat. Dann wird dessen Chef Bo Xilai, eine schillernde aufstrebende Parteipersönlichkeit und ein sogenannter Prinzling (Sohn eines der so genannten „acht ewigen Revolutionäre") gestürzt. Plötzlich ist er ein Niemand. Verhaftet? Auf jeden Fall verschwunden. Seine Frau wird wegen des Verdachts des Mordes an einem Engländer verhaftet. Der verschwundene Bo Xilai war auch einer der heißen Kandidaten für den ständigen Ausschuss des Politbüros - der inoffiziellen Regierung Chinas und des Entscheidungszentrums der Macht. Findet ein Machtkampf im innersten Zirkel der Partei statt? Schließlich wird im Herbst Chinas neue Regierung bestellt, die die Geschicke der aufstrebenden Weltmacht in den nächsten 10 Jahren bestimmen wird.

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Bayerischer Rundfunk
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