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USA: Konservative ziehen weg aus liberalen Staaten

PlayEin Paar im Interview
USA: Konservative ziehen weg aus liberalen Staaten | Bild: NDR

Kalifornien ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort - für Channa Lee und Jay Ewing ist es eigentlich Heimat. Doch sie wollen nur noch weg. Ihr Ziel: Texas. "Ich baue Überwachungsanlagen ein. Ich verlasse Kalifornien wegen der hohen Lebenshaltungskosten, des bedrückenden politischen Klimas und unglaublich hoher Steuern“, sagt der gebürtige Kalifornier Ewing. Channa Lee ergänzt: "Ich vermittle Immobilienkredite in Laguna Beach. Der Staat ist außer Kontrolle geraten. Wir suchen ein besseres Leben."

Im demokratisch regierten Kalifornien fühlen sie sich nicht mehr zuhause. Ihre konservativen Überzeugungen lehnen hier die meisten ab. Genauso wie ihren Respekt für US-Präsident Trump. "So ist das hier. Wenn man eine andere Meinung hat, dann wollen sie nichts mit einem zu tun haben. Dann ist man schlecht", sagt Lee. "Alles ist sehr gespalten. Die Haltung ist, wir gegen die anderen", erklärt Ewing.

 Mit dem Bus auf Immobiliensuche

Also – ab nach Texas. In einem Bus, voller Kalifornier, geht es auf Wohnungssuche. Die Bustour wurde von Marie Bailey organisiert. Alle Tourteilnehmer haben Bailey über eine Facebook-Gruppe kennengelernt. Auf ihr gibt die Immobilienmaklerin Tipps für den Umzug nach Texas. 99 Prozent von Baileys Kunden kommen aus Kalifornien. Die Frau, die selbst vor ein paar Jahren Kalifornien den Rücken kehrte, hat eine lukrative Marktlücke gefunden.

Der Norden von Dallas ist eine Art Exil für konservative Kalifornier. "Die Häuser sind bezahlbar, im Vergleich zum Wohnungsmarkt in Kalifornien", sagt Andrew Simich. Mike Renck fühlt sich in Kalifornien eingeschränkt: "Dort gibt es viele Einschränkungen beim Waffenkauf. Eine Waffe zu bekommen ist fast unmöglich."
"Für mich ist der wichtigste Grund medizinische Freiheit für unsere Kinder", sagt Ashley Bustos. Sie ist gegen die Impfpflicht in Kalifornien. Und sie hat die Suche bereits hinter sich. Ihr neues Zuhause, ein Traum auf dem texanischen Land. Die hohen Steuern an der Westküste waren für sie kein Umzugsgrund. 

 Keine Freiheit in Kalifornien

Ein Bus parkt in einem Wohngebiet am Straßenrand.
Der Norden von Dallas ist eine Art Exil für konservative Kalifornier. | Bild: NDR

Gina Armstrong ist ebenfalls nach Texas gezogen: "Ich bin Ehefrau und Mutter von fünf Kindern. Wir sind nach Texas wegen der Freiheit, unsere Kinder zu erziehen und zu leben, wie wir das wollen."  Ginas Kinder sind zwischen fünf und fünfzehn Jahren alt. Die 43-Jährige lehnte die Schulausbildung in Kalifornien ab. Sexualkunde im Unterricht? Für die religiöse Mutter zu offenherzig. Gina begann, ihren Nachwuchs selbst zu unterrichten: "Viele Leute waren gegen den Heimunterricht. Sie sagten, eure Kinder gehören in die Schule, sie tun sich schwer, Kontakt zu finden, was ja nicht stimmt. Es war einfach nicht gut angesehen und wurde immer stärker kritisiert."

In Texas ist Heimunterricht nichts Negatives. Armstrong gefällt, dass der Staat hier das Leben der Einzelnen möglichst wenig beeinflussen soll – im Gegensatz zu Kalifornien: "Es fühlt sich nicht mehr wie Amerika an. Ich hasse es, das zu sagen. Kalifornien ist ein schöner Staat, aber es gibt keine Freiheit. Die Menschen haben das satt. Frei zu sein, das macht doch Amerika aus." 

Ihre neue Heimat Waxahachie ist eine beschauliche Kleinstadt. Man kennt sich. Armstrong erzählt immer wieder begeistert, wie freundlich alle seien. In diesem Geschäft berichtet eine Verkäuferin, wie oft inzwischen Kalifornier auf Haussuche vorbeikommen. Doch so wohl Gina sich unter all den Gleichgesinnten fühlt, sie kennt auch die Risiken: "Nur in einer Blase zu leben, ist nicht sicher. Für eine gewisse Zeit ist es gut, wenn man Kinder großzieht, aber ich verheimliche nichts. Sie sollen wissen, was in der Gesellschaft vor sich geht."

 Umzug nach Texas

Das neue Haus von Channa Lee und Jay Ewing liegt ganz in der Nähe von Gina Armstrongs Familie. Mit Anfang 50 können sich die beiden zum ersten Mal ihre eigenen vier Wände leisten. Sie können es kaum erwarten, Kalifornien zu verlassen: "Die größte Attraktion in Texas ist für mich, dass Individualität nicht bestraft wird. Man hat nicht unrecht, nur weil man unabhängig ist", sagt Ewing. Channe Lee füngt hinzu: "Wenn das Land den Bach runtergeht, dann ist Texas ein sicherer Platz, weil sie sich nichts gefallen lassen. Ich sag das grad heraus. Ich glaube das wirklich."
Beide sind sich sicher, sie werden Kalifornien nicht vermissen. Kein Blick zurück in Wehmut.   

Autorin: Claudia Buckenmaier, ARD Studio Washington

Stand: 19.01.2020 19:52 Uhr

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