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USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste

PlayFeuerwehrmann in einem brennenden Waldstück.
USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste | Bild: AP/dpa / Noah Berger

Ein Wald in der Nähe des Yosemite-Nationalparks war einmal das zu Hause von Drew und Allyson Brooks. Zum ersten Mal kehren die beiden hierher zurück. Sie wollen sehen, was das Feuer übrig gelassen hat. Viel ist es nicht. Aus den Trümmern rettet Allyson einen Gartenzwerg – als Erinnerung an glückliche Zeiten: "Ich wurde hier geboren. Es ist wirklich hart für mich, denn mein Vater hat das alles gebaut. Meine Mutter scherzte immer, dass sie am Anfang keinen richtigen Fußboden hatten. Aber mein Vater baute nach und nach wundervolle Häuser für unsere ganze Familie", erinnert sich Allyson Brooks. Sie liebte ihr Leben mit der Großfamilie hier im Einklang mit der Natur. Als fast genauso schmerzhaft wie den Verlust des Gebäudes, empfindet sie die Schäden, die das Feuer am Wald hinterlassen hat: "Ich war einfach nicht auf den Anblick der Bäume vorbereitet. Die Bäume sind so wichtig für uns. Ich habe sie mein ganzes Leben lang wachsen sehen. Ich könnte zu jedem einzelnen erzählen, welche Bedeutung er für mich hat." Allyson ist Professorin für Biologie und arbeitet für eine Naturschutzorganisation. Sie denkt, dass es mehrere Ursachen für das verheerende Feuer gibt: "Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Die schreckliche Hitze und starke Winde. Und dann noch die Tatsache, dass viele tote Bäume hier als Brennmaterial lagen."

Waldbrände sind zum Wahlkampfthema geworden

Feuerwehrmann in einem brennenden Waldstück.
Oregon, Washington und Kalifornien sidn von den Bränden betroffen. | Bild: AP/dpa / Noah Berger

Noch immer wüten in Kalifornien 27 Waldbrände gleichzeitig. In diesem Jahr haben die Feuer hier bereits eine Fläche vernichtet, die zwei Millionen Fußballfeldern entspricht. Die Feuerwehrleute arbeiten oft 16 Stunden am Stück. Geschlafen wird meistens am Rande des Einsatzortes – in Zelten oder auf den Dächern der Löschfahrzeuge. Chuck Mills ist seit 22 Jahren Feuerwehrmann. Er hat eine Entwicklung beobachtet. "Die Feuer sind in den letzten paar Jahren heftiger geworden. Ich weiß nicht, ob es an der globalen Erwärmung liegt oder so, aber das ist auch ein politisches Ding. Meine persönliche Erklärung ist, dass es durch den Klimawandel bedingt ist."

Die Frage nach der Ursache für die immer schlimmer werdenden Waldbrände ist in den USA auch zum Wahlkampfthema geworden. Der Demokrat Joe Biden macht vor allem den Klimawandel verantwortlich. Präsident Trump hingegen zieht schlechtes Forstmanagement als Erklärung heran. Die Feuerwehrleute hier vermeiden die große Politik in ihren Pausen als Gesprächsthema. Niemand will in Streit geraten. Schließlich ist Teamwork gefragt, wenn man gemeinsam gegen das Feuer kämpft.

Um 7.00 Uhr morgens beginnt die Einsatzbesprechung. Zuerst wird routinemäßig auf die Gesundheitsgefahr beim Einatmen von Rauch aufmerksam gemacht. Dann bekommen die Feuerwehrleute ihre Waldgebiete zugewiesen und die jeweiligen Aufgaben werden verteilt. James Cottrell hat den Auftrag, Löschwasser aus einem Bach zu pumpen. Auch er hat beobachtet, dass die Sommer immer trockener und heißer werden. Bis zu 54 Grad Celsius habe er schon erlebt. Doch die Politik ignoriere die Entwicklung. "Es ist schwer mit dem Kerl im Weißen Haus übereinzustimmen. Mit jemandem, der die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht unbedingt ernst nimmt. Wenn er das täte, wären wir wohl in einer anderen Situation." Wenn die Politik nicht endlich reagiere, werde es immer häufiger zu Feuerkatastrophen kommen.

Von den Ureinwohnern lernen

Ein Mann spricht in ein Mikrofon.
"Feuer ist ein Werkzeug. Man muss Feuer benutzen", sagt Ureinwohner Ron Goode. | Bild: NDR

Ron Goode füttert noch einmal seine Rehe. Um ihnen eine Überlebenschance zu geben, wird er sie freilassen müssen, wenn das Feuer näher kommt. Ron ist der Häuptling der North Fork Mono Ureinwohner. Seine Vorfahren hätten bewusst kleine Feuer gelegt, um große Katastrophen zu verhindern: "Feuer ist ein Werkzeug. Man muss Feuer benutzen und nicht Angst davor haben. Aber das ist ein Teil des Problems. Wenn die Leute darüber sprechen, sind sie ängstlich. Aber du musst verstehen, was das Feuer für dich tun kann." Mit kontrollierten, "guten" Feuern könne man das trockene Unterholz beseitigen, das jetzt zu den Bränden führe. Allein in diesem Teil der Sierra Nevada gebe es 150.000 Millionen tote Bäume. Denn jahrzehntelang sei von der Regierung nicht genug Geld in die Wälder investiert worden. Es sei an der Zeit, von den Ureinwohnern zu lernen. "Die Ureinwohner haben hier Tausende von Jahren gelebt. Denn sie denken immer an die Enkelkinder ihrer Enkelkinder. Die Entscheidungen, die ich heute treffe, müssen für auch für sie gut genug sein."

Allyson ist mit Ron befreundet. Der Häuptling besucht sie, um sich zu erkundigen, wie es ihr und ihrem Mann ergangen ist. Ron wünscht den beiden, dass sie ihr Haus größer und besser wieder aufbauen. Die Familie darf übergangsweise auf der Ranch der Naturschutzorganisation wohnen, für die Allyson arbeitet. Immerhin gibt es hier Pferde, ein kleiner Trost für die Kinder. Während viele Familien wegen der Brände mit dem Gedanken spielen, wegzuziehen, will Allyson auf jeden Fall bleiben: "Wir versuchen einfach die Hoffnung hochzuhalten, dass es Veränderungen geben wird. Und unsere Gemeinde hier ist wirklich motiviert, etwas zu verändern – auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist und wir unseren Wald in Zukunft besser verwalten. Das kann hoffentlich zu einer großen Bewegung führen."  Allyson will den Rat des Häuptlings beherzigen. Auch die Enkelkinder ihrer Enkelkinder sollen noch in der Natur Kaliforniens leben können.

Autor: Jan-Philipp Burgard, ARD Washington

Stand: 20.09.2020 20:38 Uhr

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