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USA: Gott nutzt Donald Trump

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USA: Gott nutzt Donald Trump | Bild: NDR

Gott hat es gut gemeint mit Iowa: fruchtbares Land und fromme Menschen, Nachfahren niederländischer Protestanten. Die Kleinstadt Pella ist typisch für Amerikas Evangelikale. Sie sind Stammwähler der Republikaner. Wahlkampfthema Nummer eins ist hier die strikte Ablehnung von Abtreibungen. PellaProLife! Es klingt wie ein Heilsversprechen.

Zäune brauchen sie nicht in dieser eingeschworenen Gemeinschaft bibeltreuer Christen. Der Schöpfer sieht alles, die lieben Nachbarn auch. Der Vater spricht das Dankgebet, für Familie Fransman gehört die Bibel zum täglich Brot. Ihre vier Kinder besuchen christliche Privatschulen, Mike und Tara haben 2016 für Trump gestimmt, folgen auch zu den Kongresswahlen ihrem Wertekompass: konsequent konservativ.

An Trump scheiden sich die Geister

Familie Fransmann
Zu einer besonders konservativen Gemeinde der evangelisch reformierten Kirchen gehören die Fransmans. | Bild: NDR

"Ich denke, wir sollten unser Land wieder dahin lenken, wo die Bibel steht: keine Babys abtreiben und die Ehe als heiliger Bund zwischen einem Mann und einer Frau", sagt Tara Fransman. An Trump scheiden sich die Geister, die Fransmans finden vor allem seine Abwehrhaltung gegenüber muslimischen Flüchtlingen moralisch verwerflich. "Wir sind Nachfahren von Einwanderern – wie fast jeder in den Vereinigten Staaten. Deshalb muss Einwanderung weiter möglich sein. Wir sind dafür, wollen aber, dass dies legal passiert", sagt Mike Fransman.

Ihre Sprösslinge sollen sich in Demut und Disziplin üben, aber auch gewappnet sein für die Welt da draußen. Der christlichen Privatschule haben die Fransmans ihre Jüngsten anvertraut. Tara ist Lehrerin hier, leitet auch die Bücherei. 5.000 Dollar pro Kind und Jahr kostet das Schulgeld. "Es geht um christliche Perspektive für alle Fächer, inklusive Disziplin. Meine Kinder lernen Mathe, aber in dem Sinne, dass Gott der Gott der Ordnung ist und das System erschaffen hat", erklärt Tara Fransman.

Hand aufs Herz zur Hymne, ein amerikanisches Ritual vor dem Footballmatch der Eagles, der stolzen Schul-Mannschaft. Sogar Cheerleader hat die Pella Christian High School, eine Privatschule. Es dauerte Jahrzehnte, die Gemeinde zu überzeugen, dass dieser ruppige Sport keine Ketzerei auf Kunstrasen ist, dass American Football auch fromme Schüler beflügeln kann. Pellas junge Athleten werden professionell betreut. Der Coach stählt Körper und Charakter. Respektvoll soll es zugehen bei den christlichen Eagles. Präsident Trump ist da kein Vorbild, findet der Direktor Dan Van Kooten: "Ich denke an sein Wutgeheul, an seine abfälligen Bemerkungen über Frauen, das war schwierig. Die Tatsache, dass er äußerst wohlhabend ist, aber dabei sehr arrogant, das kam hier nicht gut an. Das widerspricht allen Werten, die die Menschen hier haben."

"Alles, was Amerika ausmacht, basiert auf unserem Glauben"

Gottesdienst
In den Augen der Evangelikalen in Iowa sind Trumps persönliche und politische Sünden zu vernachlässigen. | Bild: NDR

Sonntags fühlen sie sich dem Schöpfer noch näher in Pellas vielen Gotteshäusern. Zu einer besonders konservativen Gemeinde der evangelisch reformierten Kirchen gehören die Fransmans. Frauen im Kirchenvorstand ist hier für die Bibeltreuen unvorstellbar. Vor Versuchungen und Sünde warnt der Pfarrer von der Kanzel, ein Sittenwächter und Hirte – niemand aus der Herde soll vom rechten Weg abkommen. Keiner soll sich verwirren lassen vom allzu weltlichen Wahlkampfgetöse. Hier zählt das Wort des Geistlichen.

Dann ist die leidige Politik doch wieder Thema. Die Älteren vermissen ihr republikanisches Idol Ronald Reagan und klagen über das Kreuz mit diesem Präsidenten. "Wenn der mein Junge gewesen wäre, ich hätte den ordentlich übers Knie gelegt, um es klar zu sagen. Aber ich versuche, über seine Schwächen hinwegzusehen, so ist er halt", sagt Irene Blom. "Aber vielleicht bellt Trump auch nur und beißt nicht!"

So sehen es viele hier, einen Fanclub hat Trump bei den Pellas Christen nicht, aber die Fransmans und ihre Gemeinde verzeihen viel, solange der Präsident konservative Richter beruft. "Alles, was Amerika ausmacht, basiert auf unserem Glauben. Dass Menschen füreinander da sind, statt des ewigen Ich, Ich, Ich, das wir heute so häufig sehen", sagt Mike Fransman.
Mögen sie mit Trump hadern, die Stimmen der Nachfahren niederländischer Siedler sind seinen Republikanern sicher. Bei den Konservativen machen die meisten Christen Amerikas ihr Kreuz.

Autor: Stefan Niemann, ARD Studio Washington

Stand: 04.11.2018 20:33 Uhr

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