SENDETERMIN Mo, 14.10.19 | 00:05 Uhr | Das Erste

"druckfrisch"-Musiker des Monats: Hochzeitskapelle

"Hochzeitskapelle"
"Hochzeitskapelle": Mathias Götz, Alex Haas, Evi Keglmaier, Markus Acher, Micha Acher | Bild: gutfeeling records

"druckfrisch"-Musiker des Monats Oktober 2019 sind die fünf von der "Hochzeitskapelle", die seit einiger Zeit mit dem selbsterfundenen Genre "Rumpeljazz" die Herzen, Straßen, Schiffe, Zelte und im Ausnahmefall – auch die Bühnen der Republik erobern.

Sie spielen am liebsten jenseits dieser Bühnen, ohne Licht, Verstärkung oder Eintrittskarten und versuchen so, die Musik aus ihrem selbstzerstörerischen Verwertungszusammenhang wieder herauszulösen und dem offenen Herzen anheimzustellen. Für ihre neue, dritte Platte "If I Think Of Love" (gutfeeling records) covern sie sich wieder mit Sousaphon, Banjo, Posaune, Viola und Schlagzeug fleißig durch die Geschichte der populären Musik von 60er-Filmmusik (Michel Legrand), japanischen Undergrund (Tenniscoats) bis zu Kermit dem Frosch.

Zum "druckfrisch"-Abspann spielt die mit dem Deutschen Filmpreis für die beste Filmmusik ("Wackersdorf") ausgezeichnete Kapelle das japanische Lied "Anohito" der befreundeten Band "Spirit Fest".

Begonnen hatte die Sendung mit etwas noch weit Obskurerem: einer Band namens "Rocket 808", die eigentlich nur aus dem gleichnamigen Drumcomputer (eben einer 808) und dem offenbar von früher Surfmusik faszinierten Gitarristen John Scooley aus Austin (Texas) besteht. Wenn die "Hochzeitskapelle" Rumpeljazz spielt, dann spielt "Rocket 808“ Schrubbelrock. Genial bis an die Grenze des magischen Diletantismus. Das perfekte Sendungsintro.

Frank Schätzing hingegen ist Perfektionist: Er startete 2004 seine Weltkarriere als Bestsellerautor mit einem legendären Interview in "druckfrisch", in dessen Zuge der Moderator Denis Scheck in das Hafenbecken von Nizza plumpste. Es war Frank Schätzings erstes großes Fernsehinterview. Jetzt hat er nachgelegt und debütiert live und begleitet vom Kölner Stargitarristen Helmut Krumminga (14 Jahre BAP) und der Cellistin Julia Hofer zum ersten Mal mit seiner Musik live im Fernsehen: "Ash and Honey" heißt sein – in den Akkordwechseln – an die frühen Pink Floyd anklingendes Lied, das so neu ist, dass es noch nicht einmal auf Franks neuer Musik-Debüt-CD "Taxi Galaxi" (Sony) zu finden ist.

Frank Schätzing bei "druckfrisch" | Video verfügbar bis 13.10.2024

Gegenüber dererlei Merkwürdigkeiten ist die äußerst merkwürdige Coverversion des durch Rod Stewards Timbre bekannt gewordenen Liedes "Sailing" fast schon normal. Die Norwegerin Stina Nordenstam hat ihre klapprige Version der Mitgrölnummer fragil bis zum akustischen Zerbrechen im Jahr 1998 aufgenommen (und offenbar vorher etwas mit dem Klavier angestellt). Es ist der Sonderfall "semantischer" (thematisch passender) Musik in "druckfrisch": "Sailing" von Nordenstam leitet das seemännische Gespräch über das Entdeckerschiff "Erebus" mit dem ehemaligen Monty-Python-Mitglied Michael Palin ein. Soll keiner sagen, das könne er auch – stimmt nicht, weil Stina einzigartig ist.

Akustische Erholung finden wir in dieser musikalisch weltabgewandten Sendung allein (aber überzeugend) in dem Knaller "Teen Angst (What The World Needs Now)" der amerikanischen Independent-Helden von "Cracker". Mit diesem Lied schaffte es Mastermind David Lowry (vormals bekannt durch sein eher obskure Band "Camper van Beethoven") 1991 fast bis an den Rand des amerikanischen Mainstreams. Er spielt es noch heute live und dann singen alle eine der schönsten Zeilen der Popmusik mit, die da lautet: "What the world needs now / Are some true words of wisdom / Like la la la la la la la la-la".

Dem ist nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen.

TitelInterpret
Digital BillboardsRocket 808
Teen Angst Cracker
Ash and HoneyFrank Schätzing
SailingStina Nordenstam
AnohitoHochzeitskapelle

Stand: 14.10.2019 09:19 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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