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Verringern Luftreiniger die Ansteckungsgefahr?

PlayKomfortlüftung für einen Raum als Animation dargestellt.
Verringern Luftreiniger die Ansteckungsgefahr? | Video verfügbar bis 06.02.2026 | Bild: BR

In Innenräumen ist die Gefahr am größten, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Je mehr Menschen in einem schlecht belüfteten Raum sind, desto größer wird das Risiko. Masken und Abstand helfen hier nur bedingt, da sich die Viren über kleinste Partikel in der Atemluft, so genannte Aerosole, im ganzen Raum verteilen. Mit welchen Maßnahmen kann man diese Aerosole am besten bekämpfen?

Lüften, lüften, lüften

Das ist laut Umweltbundesamt immer noch die Maßnahme Nummer 1. Einfach, aber sehr effektiv. Für Schulen empfehlen die Innenraumexperten alle 20 Minuten zu lüften. Möglichst mit Durchzug. Nach fünf Minuten ist die verbrauchte Luft komplett ausgetauscht, der Raum ist virenfrei und dazu mit frischem Sauerstoff versorgt.

Der Hauptnachteil liegt im Winter auf der Hand: Die Raumtemperatur sinkt, die Schulkinder frieren, Heizenergie geht verloren. Und das ständige Lüften bremst den Unterrichtsfluss.

Mobile Raumluftreiniger

Mobiler Luftreiniger steht in einem Raum.
Bedingt zu empfehlen: mobile Luftreiniger. | Bild: BR

Sie sind in der Pandemie zum Verkaufsschlager geworden: mobile Raumluftreiniger. Sie stehen inzwischen in Büros, Schulen, Restaurants. Professor Christian Kähler von der Bundeswehruniversität München hat leistungsfähige Geräte in Schulen und Restaurants getestet. Sein Fazit: Die Geräte machen Innenräume sicherer. Wenn sie drei Voraussetzungen erfüllen:

  • Der Luftreiniger muss pro Stunde das sechsfache Raumvolumen filtern können.
  • Er muss Filter der Klasse HP 13 oder 14 haben.
  • Das Gerät muss natürlich so leise sein, dass es Gäste oder SchülerInnen nicht stört. 

Das Umweltbundesamt steht Luftreinigern skeptischer gegenüber. Hauptmanko: Sie bringen keine Frischluft. Innenraumforscher Dr. Wolfram Birmili empfiehlt sie nur für bestimmte Fälle – etwa, wenn lüften nicht oder nur schwer möglich ist.

Lüftungsanlage für Schulen aus Baumarktteilen

Dr. Frank Helleis vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie hat eine Abluftanlage aus Baumarkt-Teilen entwickelt, die pro Klassezimmer gerade mal 200 Euro kostet. An der Gesamtschule Mainz-Bretzenheim hat er zusammen mit den Lehrern und Eltern 32 Klassenzimmer damit ausgestattet. Das Prinzip: Über jedem Tisch ist eine Abzugshaube. Die Körperwärme der Kinder sorgt dafür, dass die Atemluft aufsteigt.  Die sammelt sich in der Haube und wird über Rohre mit einem einfachen Ventilator nach draußen gepustet. Messungen haben ergeben, dass der „Do it yourself“ Bausatz so effektiv ist wie dreimaliges Stoßlüften pro Stunde. Schulkinder und LehrerInnen frieren nicht mehr – und fühlen sich zudem im Klassenzimmer besser geschützt.

Die beste Lösung: Eine Komfortlüftung

Komfortlüftung für einen Raum als Animation dargestellt.
Die optimale Lösung: die Komfortlüftung. | Bild: BR

Eigentlich gibt es längst eine optimale Lösung zur Luftreinigung: Die Komfortlüftung. Sie beseitigt Krankheitserreger, sorgt kontinuierlich für Frischluft und spart zudem Heizkosten, da sie energiesparend Wärme aus der Abluft zurückgewinnt. Doch nur wenige Schulen haben so eine Anlage. Je nach Aufwand und Ausstattung kostet so eine automatische Be- und Entlüftung 5.000 bis 10.000 Euro pro Klassenzimmer. Das war der öffentlichen Hand bislang oft zu teuer. Innenraumforscher Dr. Wolfram Birmili hofft, dass sich das im Zuge der Coronakrise ändert.

Autor: Andreas Kegel (BR)

Stand: 06.02.2021 13:36 Uhr

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