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Auf der Suche nach Sammlermineralien

PlayEin Fluorit in Grünfärbung.
Auf der Suche nach Sammlermineralien | Video verfügbar bis 01.10.2026 | Bild: BR

Diana Bruce hat das, wovon jeder Mineralienfreund träumt: ein eigenes Kristallbergwerk. Es ist das einzige Bergwerk in Europa, das nur für den Sammlermarkt schürft. Anders als in Europa ist in vielen Teilen der Welt das sogenannte Specimen Mining, also Bergbau, der ausschließlich seltene Mineralien für Sammler und Museen fördert, durchaus verbreitet. Namen wie die legendäre Pederneira Mine in Brasilien, bekannt für ihre weltberühmten Turmaline, oder die Sweet Home Mine in den USA, die Rhodochrosite von einzigartiger Schönheit fördert, haben unter Mineraliensammlern einen ganz besonderen Klang. Seit einigen Jahren gesellt sich zu diesen Top-Fundlokalitäten auch die Diana Maria Mine in Weardale im Norden Englands dazu. Hier finden sich einzigartige Fluorite, die auf dem weltweiten Sammlermarkt Höchstpreise erzielen.

Materialiensammeln als Familientradition

Das Bergwerk Diana Maria Mine
Das Bergwerk Diana Maria Mine | Bild: BR

Diana Bruce stammt eigentlich aus dem Erzgebirge. Schon ihr Großvater, Fritz Schlegel, war ein namenhaften Sammler und Mineralienhändler. Insgesamt acht neue Mineralien hat er im Laufe seiner Karriere entdeckt. Aus Anerkennung für seine Leistung wurde schließlich ein Mineral nach ihm benannt, der Schlegelit. Auch Dianas Eltern waren im Mineraliengeschäft tätig. Auf eine Mineralienbörse in München lernte Diana Schlegel ihren späteren Ehemann Ian Bruce kennen, einen Mineralienhändler der eher gehobenen Preisklasse, der in seiner Heimat England bereits ein Fluoritbergwerk betrieb. Aus Ian und Diana wurde ein perfektes Team: Ihr Ehemann gründete ein neues Bergwerk für seine Frau, die "Diana Maria Mine". Die studierte Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin kümmert sich höchst erfolgreich um den Vertrieb der geförderten Mineralien.

Was ist Fluorit?

Keine einfache Aufgabe: Fluorit ist kein klassischer Edelstein und auch als Mineral keineswegs selten. Trotzdem genießt er unter Sammlern wegen seiner außerordentlichen Farb- und Formenvielfalt hohes Ansehen. In Deutschland findet man Fluorite beispielsweise im Erzgebirge oder im Schwarzwald. Besonders begehrt sind etwa "Alieneyes" aus Namibia, die wie die Köpfe von Außerirdischen aussehen, oder auch die rosa Fluorite aus den Alpen. Auch die Fluorite aus Weardale gehören zu den besten der Welt, einerseits wegen ihrer intensiven Farbe und ihrer extremen Klarheit, aber und auch wegen einer ganz besonderen Eigenschaft, die sie beinahe lebendig erscheinen lässt: Ihre ausgeprägte Tageslichtfluoreszenz. So wechseln die Fluorite ihre Farbe von grün zu lila, wenn sie mit UV-Strahlung in Berührung kommen.

Erschaffen aus Fluorgas und Kalkstein

Fluoritkristall
In der Lady-Annabella-Mine stoßen die Bergleute auf ein "Pocket" mit den größten Fluoritkristallen, die die Familie jemals gefunden hat.  | Bild: BR

Eigentlich wurde in den Steinbrüchen, in denen sich die Fluoritminen befinden, früher Kalk abgebaut, der hier in horizontalen Schichten übereinanderliegt. Durch Bewegungen der Erdkruste entstanden auch vertikale Brüche im Gestein. Durch diese Gänge konnten wie durch Rohrleitungen heiße, mineral- und gasreiche Flüssigkeiten aus dem Erdinnern in Richtung Oberfläche aufsteigen. Ein Teil dieser sogenannten Fluide drang in die Spalten zwischen dem Kalkstein ein, wo die gelösten Mineralien und das enthaltene Fluor mit dem Kalk reagieren und ihn teilweise auflösten. Dabei bilden sich Hohlräume, in denen dann Kristalle wie Calciumfluorit oder, kurz, Fluorit, wachsen konnten. "Metasomatose" nennen Geologen diesen Vorgang, bei dem ein Gestein durch solche Reaktionen durch andere Gesteine oder Mineralien ersetzt wird.

Die Jagd nach dem "Million-Dollar-Pocket"

Das Ergebnis dieser geologischen Prozesse finden die Bergwerk-Betreiber heute in Form von Kristall- und schlammgefüllten Hohlräumen, den sogenannten Pockets. In der Diana-Maria-Mine graben die Bergleute deshalb den "Veins" nach, eben jenen Kanälen, die einst die mineralhaltigen Flüssigkeiten durch das Gestein transportierten. Etwas einfacher macht es den Schatzsuchern ihr neues Bergwerk, die "Lady Annabella Mine", die nach der Tochter von Diana und Ian Bruce benannt ist. Hier lässt sich im Tagebau die gesamte Kalksteinschicht relativ leicht abtragen, bis der Bereich mit den Kristallkavernen erreicht ist. Dann ist die "Erntezeit" gekommen, in der sich zeigt, ob die großen Mühen und die hohen Investitionen ihren Preis wert waren – und ob sich der Zugang vielleicht sogar zu einem sehr seltenen "Millionenpocket" öffnet.

50.000 Euro Einsatz pro Monat

Auf solche Funde sind Ian und Diana Bruce dringend angewiesen, denn der Bergbau ist alles andere als billig: Über 50.000 Euro kostet der Betrieb der Minen pro Monat. Zwar gibt es reichlich Fluorit in den Hügel in Weardale, dem Tal in Nordengland, in dem die Fundstellen liegen. Doch nur wenige Prozent der Kristalle erreichen eine Qualität, mit der sich auf dem weltweiten Sammlermarkt Höchstpreise erzielen lassen. Die besten "Stufen", so nennen Mineralogen die natürlichen, unbehandelten Kristalle, werden für mehrere 10.000 Euro verkauft. Damit liegen sie weit entfernt von den Millionensummen, die etwa außergewöhnliche Gold- oder Turmalinstufen erreichen. Trotzdem kommt die Familie mit dem Ertrag der Bergwerke über die Runden, wie auch ihre fünfzehn Bergarbeiter, die in der strukturschwachen Region durch den Bergbaubetrieb ein neues Auskommen gefunden haben.

Autor: Frank Bäumer (BR)

Stand: 07.10.2021 21:32 Uhr

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