Ken Duken ist Hans Albers

Einsamkeit und Alkohol. Hans Albers hat sich Anfang 1946 komplett ins Privatleben zurückgezogen, lebt verborgen in seiner Villa am Starnberger See.
Einsamkeit und Alkohol. Hans Albers hat sich Anfang 1946 komplett ins Privatleben zurückgezogen, lebt verborgen in seiner Villa am Starnberger See. | Bild: NDR/Zeitsprung Pictures / Michael Ihle

Hans Albers ist einer der berühmtesten deutschen Schauspieler. Sie sind heute einer der international erfolgreichsten deutschen Film- und Fernsehstars. Hans Albers ist nicht Ihre erste biografische Rolle, die Sie spielen. Was war das für ein Gefühl, und was war der ausschlaggebende Punkt, diese Rolle anzunehmen?

Als mich Michael Souvignier anrief und fragte, ob ich Interesse hätte, die Rolle zu spielen, habe ich sofort zugesagt. Zum einen kenne und schätze ich Michael als herausragenden Produzenten, dessen Passion es ist, spannende Stoffe mit Qualität und Gespür für die Zuschauer umzusetzen. Und dann hat mich natürlich die Figur gereizt. Ich liebe es, komplexe Charaktere zu spielen, die sich dem Zuschauer nur langsam und auch nur auf eine widersprüchliche Weise erschließen. All diese Brüche, diese Widersprüche fand ich in der Figur des Hans Albers.

Wie war das, nach so aufwändigen Produktionen wie "The Professionals" oder "Die purpurnen Flüsse" so ein Dokudrama zu spielen?

"Die Liebe des Hans Albers" ist als Kammerspiel konzipiert. Das hat die Arbeit ungemein intensiv gemacht, es hat aber auch geholfen, eben diese Intensität ins Spiel und damit in den Film zu übertragen. Ich habe sehr lange gebraucht, um mir die Figur des Hans Albers zu erschließen, habe viele seiner Filme gesehen, einiges an Literatur über ihn gelesen. Was faszinierend und – für mich als Schauspieler – Ehrfurcht einflößend war, war die unglaubliche Diskrepanz, die sich für mich abzeichnete zwischen dem Bild, das Hans Albers von sich in der Öffentlichkeit aufgebaut hatte, und dem "echten" Hans Albers. Auf der einen Seite der mutige, charmante, selbstlose Held – aber im richtigen Leben ein Mensch, der immer auch sehr genau auf seinen Vorteil bedacht war, dem es egal war, wie es anderen dabei ging. Das galt auch bzw. besonders für Frauen. Hans Albers war ein Frauenheld, er war chronisch untreu, er war alkoholkrank. Ein Idol, das bei genauer Betrachtung nicht zum Vorbild taugt. Die Biografien über ihn zeichnen da ein sehr genaues und wenig schmeichelhaftes Bild. Für mich als Schauspieler eine neuartige Herausforderung: eine Figur zu spielen mit all ihren mittlerweile bekannten, dunklen Seiten – die gleichzeitig immer an dem Bild gemessen werden wird, das in der öffentlichen Erinnerung von ihr abgespeichert ist. Das wird sicher nicht jedem Albers-Fan gefallen. Wer korrigiert schon gerne die Bilder seiner Idole…

Ein Film über Hans Albers, erzählt aus der Perspektive einer Frau. Das klingt erstmal ungewöhnlich…

…und ist genau das, was den Film so besonders macht. Ich bin in meiner Rolle den gesamten Film über in der Defensive. Wie bei einem Schachspiel nimmt mir meine Spielpartnerin Picco von Groote eine nach der anderen meine Figuren vom Brett, bis ich am Ende, als König, vollkommen nackt und allein dastehe: jeglicher Ausreden, Beschönigungen und Verharmlosungen beraubt. Und zeitgleich mit dieser Demontage auf der Spielebene zeigt das Dokudrama in den Filmausschnitten und dem Archivmaterial den unaufhaltsamen Aufstieg von Hans Albers auf den Olymp. Das kann in dieser rasiermesserscharfen Logik nur ein Dokudrama.

Ihre Meinung über Hans Albers?

… hat sich durch diese Arbeit natürlich stark gewandelt. Sein Verhalten war stellenweise schon von einer unentschuldbaren Rücksichtslosigkeit. Sein Umgang mit Frauen mag dem damaligen Zeitgeist entsprochen haben, aber das entschuldigt nichts von dem, was er anderen Frauen an Erniedrigung und Leid zugefügt hat.

Auf der anderen Seite stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie ich mich verhalten würde, wenn sich in Deutschland das politische Klima wieder – oder weiter – ändern würde. Wenn nationalistische oder rechtsradikale Kräfte wieder nach der Macht greifen würden und dann unsere Freiheitsrechte aushöhlen und einschränken würden. Wenn Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus weiter um sich greifen würden. Durchmogeln und irgendwie das Beste für sich rausholen, so wie es Hans Albers getan hat, wäre für mich hoffentlich keine Option. Ich will später noch in den Spiegel schauen können.

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